Bezirksgericht

Ein ungleiches Duo in einem betrügerischen Quartett

Die beiden machten mit bei einem fiesen Autohandel, den zwei andere aufzogen. Der eine beteuerte vor Gericht, sich zu bessern, der andere ist laut seinem Verteidiger nicht der Hellste.

Vor dem Bezirksgericht zeigten sich die beiden Angeklagten von ganz zwei ganz unterschiedlichen Seiten.

Vor dem Bezirksgericht zeigten sich die beiden Angeklagten von ganz zwei ganz unterschiedlichen Seiten. Bild: zvg Gerichte Zürich

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Die Ausdrucksweisen der beiden Mittdreissiger, die diese Woche vor dem Bezirksgericht standen, könnten unterschiedlicher nicht sein. Der eine, der etwas Ältere und Schmächtigere, sagt kaum ein Wort, einsilbig beantwortet er die Fragen der Gerichtsvorsitzenden zu seinem Leben und zu den Taten, die er alle gestand. Kontakt zum Vater hat er nicht, einen Job auch nicht, er lebt im Wohnwagen seiner Schwester, die Mutter ist seine engste Bezugsperson. Sie hat ihn auch zum Gerichtstermin begleitet. Er lebt von 980 Franken Sozialhilfe plus Geld für die Krankenkasse und den Wohnwagen. Kompliziert gestellte Fragen oder Fremdwörter muss die Richterin umformulieren, um überhaupt eine Antwort zu bekommen. «Ich weiss au nöd», ist die Standardantwort. Sein Pflichtverteidiger sagt später: «Er hat die Sonderschule besucht und ist nicht der Hellste.»

«Er hat die Sonderschule besucht und ist nicht der Hellste.»Pflichtverteidiger

Ein Job, aber ohne Lohn

Der andere des Duos, das zusammen im gleichen Zürcher Stadtquartier aufwuchs, ist redseliger. In wohlvorbereiteten Voten legt er Zeugnis davon ab, dass er nun ein anderer sei als damals vor zwei Jahren, als dieser betrügerische Autohandel aufflog. Er sorge sich heute um seine beiden Kinder, er sei clean. Keine Drogen mehr, kaum noch Alkohol, sagt auch sein Verteidiger.

Er wolle Verantwortung übernehmen für die Familie, habe jetzt endlich einen Job. Er soll auf Provisionsbasis Krankenkassenkunden gewinnen, bisher aber hat das noch nicht geklappt. Aber er arbeite daran, sei zuversichtlich. Dumm nur, dass der illegale Autohandel just in die Zeit fiel, als noch die Probezeit für die letzte Verurteilung wegen schwerer Körperverletzung lief. Er bittet um ein mildes Urteil für das Vorgefallene.

Freuden im Casino und im Puff

Im November 2016 passierte dies: Zwei alte Bekannte des Duos, ein Vater und sein Sohn, animierten die beiden, bei einem Autohandel einzusteigen. Der ging so: Die beiden mutmasslichen Drahtzieher (sie kommen noch vor Gericht) machten Private ausfindig, die ihr Auto auf Tutti.ch zum Kauf ausschrieben. Mit Vorliebe wurden Verkaufswillige angegangen, die infolge des vergleichsweise hohen Preises kaum andere Angebote bekamen.

«Aber wir sehen, dass Sie jetzt in einer anderen Lebensphase sind.» Richterin

Der redselige Beschuldigte übernahm es, die Verkaufswilligen am Telefon zu kontaktieren. Er sagte: Die GmbH (die sie gekauft hatten) brauche dringend ein solches Auto, doch wegen der Buchhaltung werde man erst später zahlen können. Erstaunlich viele Verkäufer fielen auf diese Offerte herein. Der nicht so helle Vierte im Bunde ging dann vor Ort vorbei, liess eine Kopie seines Passes dort und fuhr mit dem Wagen weg. Mal wars ein BMW, mal ein VW, ein Ford Mustang für 47 000 Franken und einmal ein Seat, der aber geleast war und gar nicht hätte verkauft werden dürfen.

Die Autos brachte einer des Quartetts dann zu Autohändlern, die bedeutend weniger ­dafür zahlten, als die vier in ­Aussicht gestellt hatten. Das ­verdiente Geld (rund 80 000 Franken) teilten sie unter sich auf. Einer des Duos, das vor Gericht stand, brauchte es für Alltägliches, der andere trug es ins Casino und zu Prostituierten.

Milde Urteile für beide

Lange ging das natürlich nicht gut: Schon nach sechs solcher Verkäufe (wovon einer wegen der Leasingklausel scheiterte), flog der Betrug auf. Der Dumme war jener, der jeweils seine Passkopie hinterlassen hatte, er wurde als Erster verhaftet. Zuerst gab er an, allein gehandelt zu haben, doch das glaubte man ihm nicht, in der Folge flogen dann alle vier auf.

Die Verhandlung vor Bezirksgericht war relativ kurz, der Fall war wegen der Geständnisse klar. Und die Urteile waren mild: 24 Monate Gefängnis bedingt auf vier Jahre für den wortreichen Reuigen. Passiere nochmals irgendetwas, mahnte ihn die Richterin, werde er nicht nur diese zwei Jahre, sondern auch die restlichen 16 Monate der Vorstrafe absitzen müssen. Familie hin oder her. «Aber wir sehen, dass Sie jetzt in einer anderen Lebensphase sind.»

18 Monate mit dreijähriger Probezeit kassierte der andere, der nicht so Helle, der nicht erklären konnte, wie er sich zu dieser Dummheit hatte hinreissen lassen. Beide übrigens nehmen Medikamente und sind in psychiatrischer Behandlung. «Wir nehmen an, dass wir Sie hier nie mehr sehen», sagte die Richterin zum Schluss. (Der Landbote)

Erstellt: 08.09.2018, 08:39 Uhr

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