FCW

Ein Verein hat sehr vieles gut gemacht

Der FCW konnte im Kampf an der Spitze der Challenge League nicht bis zum Schluss mithalten. Aber er spielte, auch im Frühjahr, seine beste Saison seit 2012/13. Die nächste Aufgabe: Dies unter erhöhter Erwartungshaltung bestätigen.

Ein Knipser, der auch wirklich knipst: Luka Sliskovic.

Ein Knipser, der auch wirklich knipst: Luka Sliskovic. Bild: Madeleine Schoder

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Dem schönsten Herbst seit Jahren mit Platz 2 für 31 Punkte folgte ein immer noch gutes Frühjahr. Denn trotz eines Zwischentiefs mit noch zwei (statt wie im Herbst neun) Punkten aus den sechs Spielen gegen die «grossen Drei» aus Genf, Lausanne und Aarau belegte der FCW in der Rückrundentabelle mit 25 Zählern immerhin Platz 4. Und wer am Ende für ein «Freundschaftsspiel» gegen Schaffhausen 4900 Zuschauer im Stadion hat und einen Schnitt von 3600 pro Heimspiel, der weiss, dass seine Arbeit angenommen worden ist.

Aus der Art und Weise, wie der FCW seine Saison beendete und wie sich Lausanne, aber auch der stark vom Glück begünstigte FC Aarau über die Zeit quälten, könnte man gar ablesen: Der FCW war Platz 2 leistungsmässig doch näher als man zwischenzeitlich dachte. Es liesse sich fragen, ob er die Problemstellung nicht etwas offensiver hätte angehen können. Ob er also nach der Vorrunde nicht klarer (oder besser noch: überhaupt) hätte formulieren müssen, zumindest die Barrage sei sein klares Ziel. Dem widerspricht beispielsweise Oliver Kaiser, der Leiter Sport: «Ich würde es wieder so machen wie diesmal. Weil eben der FCW der FCW ist.» Der Verein einer Stadt also, die im Schatten Zürichs für ihre Zurückhaltung bekannt ist. Ein Klub auch, der um seine jüngere Vergangenheit weiss. Oder anders gesagt: Wer Jahre hinter sich hat wie der FCW, lädt sich mit allzu forscher Art nur etwas auf, das ihn dann überfordert. Von Platz 9 2018 in die Barrage 2019 (oder gar weiter), wäre in jeder Beziehung ein (zu) hoher Anspruch gewesen.

«Erst einmal Konstanz»

Fakt ist, dass sich die drei Klubs vor den FCW setzten, deren Kader zumal an Tiefe breiter war, die über klar höhere Finanzmittel verfügen. Also hat Kaiser recht, wenn er sagt: «Wir müssen jetzt erst einmal Konstanz reinbringen.» Hierarchisch ist der FCW auf den Plätzen 4 bis 6 einzustufen, wobei auch Platz 6 weit von der Abstiegszone entfernt sein müsste. Das mal zu erfüllen ist das Erste, einen nächsten Ausschlag nach oben kanns dann immer noch geben. «Zuerst müssen wir mal schauen», formuliert es Kaiser, «dass wir wieder eine gute Mannschaft haben.»

In der Saisonbilanz ist zu sagen, Kaiser habe in diesem Jahr gute (Transfer-)Arbeit geleistet, eine Art Gesellenprüfung als Sportchef abgelegt. Gut gearbeitet hat auch Trainer Ralf Loose, der einfach kam, zu arbeiten begann und schliesslich, auch über die kleinere disziplinarische Unebenheit hinweg, am vorgegebenen Ziel war. Er brachte auch Spieler voran, Roberto Alves und Luka Sliskovic sind auffallendste Beispiele. Wer einen Leihspieler beim FCW hatte, wie die Young Boys (Seferi), Luzern (Arnold) oder GC (Roberto Alves), darf jedenfalls zufrieden sein. Loose hat seinen Vertrag schon im Winter verlängert. Er arbeitet weiterhin mit dem Assistenten Dario Zuffi und dem Torhütertrainer Paolo Cesari.

«Noch keiner spruchreif»

Nicht wie erhofft aufgegangen sind die Wintertransfers, die Kaiser zwecks perspektivischer Verbreiterung des Kaders tätigte: Das estnische Stürmertalent Mark Lepik war nie fit und spielte keine Minute ausser den 20 in einem Freundschaftsspiel; der Plan, Eris Abedini als Teil der künftigen «Doppelsechs» aufzubauen, scheiterte wohl in erster Linie an mangelnder Geduld des Spielers; das Gastspiel von Liridon Mulaj auf der Schützi war ein Missverständnis, das schon damit begann, dass der Bieler wegen einer Magenvergiftung das Trainingslager verpasste. Und der St. Galler Patrick Sutter war noch nicht weit genug fürs «Eins». Er ist erst ein «normaler» U21-Spieler, der in der neuen Saison nochmals anlaufen kann.

Klar ist, der FCW hat nur dann wieder eine Mannschaft auf gewünschtem Niveau, wenn er die Abgänge von Abedini und vor allem des Trios Roberto Alves, Taulant Seferi und Remo Arnold wettmachen kann. «Ganz einfach, diese drei müssen wir ersetzen», sagt Kaiser. Also habe Priorität, einen «Sechser» zu finden, einen Stürmer dazu – und einen weiteren Mittelfeldspieler. «Spruchreif ist noch nichts», sagt Kaiser. Namen gibt’s natürlich, Geduld wird’s auch brauchen. Was es diesmal nicht gibt: Rückkehrer vom Zuschnitt Callàs, Hajrovics und Lekajs, deren Transfers vor einem Jahr die Basis waren für eine Saison, die jetzt guten Gewissens als gelungen bezeichnet werden kann.

Erstellt: 28.05.2019, 20:00 Uhr

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