Winterthur

Ein Winterthurer Magazin gibt dem Schweizer Hip-Hop eine Stimme

Der Winterthurer Elia Binelli hat vor eineinhalb Jahren als Maturaarbeit ein Hip-Hop-Magazin gestaltet. Dieses schlug ein und hat mittlerweile schweizweit Erfolg.

Elia Binelli (links) und Severin Gamper geben zusammen mit 15 freiwilligen Mirarbeitern das Hip-Hop-Magazin «Lyrics» heraus.

Elia Binelli (links) und Severin Gamper geben zusammen mit 15 freiwilligen Mirarbeitern das Hip-Hop-Magazin «Lyrics» heraus. Bild: Wuiggi Pics

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Während Phumaso & Smack den Winterthurer Rap in der ganzen Schweiz bekannt gemacht haben, setzt ein anderer Hip-Hop-Export auf das geschriebene Wort. Der 21-jährige Winterthurer Elia Binelli ist Chefredaktor des Printmagazins «Lyrics», das auf rund 80 Seiten viermal pro Jahr die Schweizer Hip-Hop-Szene beleuchtet. Vor eineinhalb Jahren gestaltete Binelli die erste Ausgabe als Maturarbeit, gelayoutet wurde sie von seinem Kollegen und Polygraf Severin Gamper als Lehrabschlussarbeit. Der 20-jährige Gamper analysierte in seiner Arbeit zudem, wie sich ein solches Heft via Facebook am besten vermarkten lässt. Die Strategie ging auf: Bald hatte «Lyrics» 500 Facebook-Fans, 400 bestellten die erste Ausgabe. Also druckten Binelli und Gamper eine Auflage von 500 Heften und verschickten sie in die ganze Schweiz. «Da war für uns klar: Jetzt müssen wir eine zweite Ausgabe bringen». Wie sie das genau bewerkstelligen sollten, wussten sie nicht.

«Wir hörten anfangs oft: Was wollt ihr zwei jungen Hosenscheisser hier?»

Elia Binelli, 
«Lyrics»-Chefredaktor

Dann aber meldete sich ein Verlag, der das finanzielle Risiko auf sich nahm und das Startkapital stellte. «Eine riesige Chance für uns», sagt Binelli. Fortan war das Marketing des Magazins abgedeckt. Am Frauenfelder Openair flimmerte das rot-weisse «Lyrics»-Logo über den riesigen Bildschirm neben der Hauptbühne — vor 50 000 Besuchern. «Das war schon ein krasser Moment», sagt Binelli.

Hip-Hop im Kommen

Den Erfolg verdanken die Winterthurer nicht zuletzt, dem derzeitigen Aufschwung von Hip-Hop. In der Schweiz landen nationale Rapper regelmässig an der Spitze der Charts. Hinzu kommt, dass als das Magazin lanciert wurde, keine vergleichbaren, professionell gestalteten Mediengefässe gab.

Dem Magazin und der Homepage ist anzusehen, dass den Machern Professionalität wichtig ist. Jede Ausgabe umfasst um die 90 Seiten. Die lange, oft zehnseitige Hauptstory erzählt die Geschichte eines einzelnen Rappers oder einer Rapcrew. «Nicht nur den musikalischen Werdegang, sondern auch die persönliche Biografie», so Binelli. Neben weiteren kürzeren Artikeln haben sie wiederkehrende Rubriken eingeführt, die neue Alben vorstellen, auf Nachwuchs-Musiker aufmerksam machen oder weitere Elemente des Hip-Hops beleuchten, beispielsweise Graffiti, Breakdance oder DJing. Mittlerweile haben sich die zwei Jugendfreunde Verstärkung geholt: 15 Mitarbeiter umfasst das Team heute, neben Textern sind auch Fotografen, Mediamatiker und ein Video-Team mit dabei. Sie alle arbeiten bis jetzt ohne Bezahlung.

«Keine ruhige Minute mehr»

Dies soll sich bald ändern. Für Binelli ist klar: «Lyrics» ist eine Marke, die es aufzubauen gilt. Das Geld liegt nicht im Printmagazin, dessen Kosten durch die bald 1000 Abonnenten knapp gedeckt ist, sondern in anderen Zweigen. So organisierte das Team dieses Jahr erstmals die «Lyrics»-Awards. Sie sollen die Lücke füllen, die die Slangnacht ab 2015 hinterliess. Die kurzen Trailer zu den sechs Kategorien produzierte Gamper selber. Über 30 000 Fans gaben ihre Stimme ab. Bald sollen die Sieger vor Publikum gekürt werden.

Doch der Erfolg hat auch seinen Preis. «Ich habe keine ruhige Minute mehr, sagt Binelli. Als Chefredaktor die gesamte Verantwortung trägt. Ferien ohne Internetverbindung sind tabu, das Handy auszuschalten sowieso. Der erst 21-Jährige wirkt reif und reflektiert für sein Alter. Das habe er auch «Lyrics» zu verdanken, sagt er. «Es ist eine unglaubliche Lebenserfahrung, bei der ich viel lernen konnte». Etwa wie man sich in der kompetitiven Hip-Hop-Szene Respekt verschafft. «Wir hörten oft: Was wollt ihr zwei jungen Hosenscheisser hier?». Er habe schnell lernen müssen, selbstsicherer aufzutreten.

Nach fast acht Monaten Zivildienst in einer Winterthurer Schule, nimmt sich Binelli nun eine halbjährige Auszeit, um sich ganz auf das Magazin zu konzentrieren. Texte über Mittag fertig zu schreiben, gehört damit zumindest im Moment der Vergangenheit an. www.lyricsmagazin.ch (Landbote)

Erstellt: 05.08.2016, 18:31 Uhr

Hip-Hop in Winterthur

Rap im Stadtpark

Neben Phumaso & Smack, dem wohl bekanntesten Winterthurer Hip-Hop-Export gibt es noch weitere lokale Rapper zu entdecken: Eigänabou, allesbollet, WiiTundBreiT oder Flashdigga aus Seuzach sind nur einige davon. Einer der wichtigsten Vertreter ist das Rap-Urgestein Fogel, der mit «Fuscht i d Luft» auch schon eine Hymne auf den FC Winterthur geschrieben hat. Den besten Überblick verschafft man sich wohl, mit dem Lied «Vitudurum United», einer fast zehnminütigen Liebeserklärung an Winterthur.
Eine Plattform für lokale Rapper wurde vor neun Jahren mit dem kostenlosen Festival «Rap im Stadtpark» geschaffen. Dieses Jahr findet es am 27. August von 13 bis 19 Uhr im Stadtpark statt. Neben lokalen Bands treten auch Gäste aus Zürich oder New York auf.

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