FCW

Ein zäher Kampf für den nächsten Sieg

Der FCW verschoss zwar auch in seinem dritten Spiel des Jahres einen Penalty. Aber den brauchte er nicht um das Nachtragsspiel gegen den FC Rapperswil-Jona 2:0 zu gewinnen.

Taulant Seferi (links) setzt sich energisch durch und erzielt das 2:0.

Taulant Seferi (links) setzt sich energisch durch und erzielt das 2:0. Bild: Madeleine Schoder

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Ein spielerisch auffallender Auftritt, gekrönt mit drei glanzvollen Toren, wie am vergangenen Freitag gegen den Abstiegskandidaten aus Vaduz war das nicht. Der nächste Abstiegskandidat, der auf die Schützenwiese kam, leistete wesentlich härtere Gegenwehr. Spielerischer Glanz umwehte diese Vorstellung des FCW nicht. Aber das machte das 2:0 gegen Rapperswil-Jona nur wertvoller. Oder wie es der Winterthurer Trainer Ralf Loose hinterher formulierte: «So ein Spiel muss man erst mal gewinnen.«

Drei mit zehn Skorerpunkten

Natürlich, eine halbe Stunde lang sah es danach aus, als könnten die Winterthurer an die Leistung vom Freitag anknüpfen. «Wir sind sehr gut ins Spiel gekommen», lobte auch Loose. Und nicht nur er fand, es hätten die Chancen vorgelegen, diese Zeit dazu zu nutzen, deutlicher in Führung zu gehen als nur 1:0. Dieses Tor fiel schon in der 13. Minute: Einen Pass Roberto Alves‘ Richtung Strafraum liess Davide Callà passieren; der Gegner war irritiert, Luca Radice konnte allein vor dem gegnerischen Torhüter abschliessen. Und er tat dies aus 14 Metern sicher. Danach hatte der routinierte Flügelmann zehn Skorerpunkte auf seinem persönlichen Konto – für drei Tore und sieben Assists. Auf zehn stand schon vorher, für je fünf Assists und Tore, auch Callà.

Auf zehn Skorerpunkten war am Ende des Spiels auch Taulant Seferi, der diesmal zwar keine Gelegenheit erhielt, einen Elfmeter zu verschiessen, mit seinem 2:0 in der 89. Minute aber die letzten Zweifel am Sieg des FCW beseitigte. Und der damit neben drei Assists nun sieben Tore in der Statistik hat. In der hat sich auch Roberto Alves verbessert, mit seinem Zuspiel auf Radice auf je vier Tore und Assists. Allein, er müsste nach diesem Abend noch besser dastehen. Denn er durfte, nach einem Handspiel des Rapperswiler Captains Denis Simani, in der 81. Minute einen Elfmeter treten. Er war nun an der Reihe, nach Seferis Fehlschüssen in Kriens und gegen Vaduz. Aber auch Roberto Alves, der doch eigentlich der Mann in Form in diesem Winterthurer Team ist, scheiterte. Sein Penaltyball rutschte zwar nicht – wie jener Seferis in Kriens – in die Hände des gegnerischen Torhüters; er flog auch nicht so weit über die Latte wie jener Seferis gegen Vaduz. Aber auch Alves‘ Zwischenweg war kein richtiger: Der Ball streifte, auf dem Weg in die Bierkurve, die Latte.

Weil also der FCW schon wieder einen Elfmeter verschoss, weil er in seiner starken Starthalbstunde zu wenig Zählbares erreicht hatte und weil Rapperswil in der ganzen langen Zwischenzeit zu einem sehr ernstzunehmenden Gegner geworden war, dauerte es also bis zur 89. Minute, bis die Lage geklärt war.

Zu dieser für Winterthurer Gemüter etwas langen Zeit merkte Trainer Loose an: «Zeitweise wirkte der Gegner etwas spritziger.» Aber es war doch auch zu sagen, dass seine Mannschaft stabil genug war, auch einem erstarkten Gegner nur sehr wenig an nennenswerten Torszenen zuzugestehen. So hatte Torhüter Raphael Spiegel seine einzige wirklich schwierige Parade nach gut einer halben Stunde zu zeigen, als er einen Freistoss von Maren Haile-Selassie aus 21 Metern aus der tiefen linken Ecke holte. Auch wenn die Winterthurer so ab jenem Zeitpunkt unsicherer, fahriger wurden im Passspiel, immer wieder auch Zweikämpfe verloren und dem Gegner den Glauben an einen Punktgewinn liessen, so ist am Ende doch zu sagen: Nicht nur die Statistiken, wie die 60 Prozent Ballbesitz, sprechen für den FCW. Er war die Mannschaft, die sich mehr nennenswerte Torszenen herausspielte, so gesehen die «bessere» war. Und die deshalb zweifelsfrei verdient siegten. Nicht im Stil wie gegen Vaduz, aber in dem von Arbeitern, die ihren Beruf ernst nehmen. Und eben das machte diesen Erfolg wertvoll.

Looses einzige Retusche

Loose hatte wie erwartet dieselben elf beginnen lassen wie am vergangenen Freitag. Eine Retusche nahm er allerdings doch vor: Drei der vier Verteidiger spielten auf neuer Position. Gabriel Isik war rechter Innenverteidiger statt Rechtsverteidiger, Granit Lekaj wurde vom linken Innen Verteidiger zum Rechtsverteidiger und Sead Hajrovic war linker statt rechter Innenverteidiger. Das Fazit: Die – kleine – Rechnung ging auf. Isik war als Innenverteidiger so gut wie Lakaj, der als Rechtverteidiger besser als Isik.

Zu den individuellen Leistungen ist noch anzumerken, dass Remo Arnold als Sechser erneut der Arbeiter war, den es braucht. Ousmane Doumbia glänzte diesmal etwas weniger. Deshalb war hilfreich, dass Eris Abedini sehr gut und ballsicher ins Spiel kam, als er nach einer Stunde für den Ivorer erschien. Roberto Alves bestätigte insgesamt seine gute Form. Und mag Seferi zeitweise auch zu kompliziert gespielt haben, so wurde er für seinen steten Einsatz schliesslich doch belohnt – mit dem 2:0, seinem ersten Treffer nach sechs, teils aus bekannten Gründen, torlosen Ligaspielen seit dem 3:2 gegen … Rapperswil-Jona Anfang November. Damals übrigens verwertete er, man kann es aus Sicht des FCW kaum glauben, einen Elfmeter.

Zu wenig Durchschlagskraft

Urs Meier, der Trainer der Rapperswiler, anerkannte den Sieg des FCW als «verdient». Er hatte gesehen, «dass wir nach dem 1:0 ein bisschen geschockt waren.» Aber mit dem Auftritt, der danach folgte, war er nicht unzufrieden. Allein, «uns fehlte im Angriff ein gewisses Durchsetzungsvermögen.» Dem FCRJ fehlt beispielsweise einer wie es im Herbst oft Aldin Turkes gewesen war. Aber der hatte gestern gegen das Duo Isik/Hajrovic keine Chance. Seit seinem Tor auf der Schützi Anfang November hat er nicht mehr getroffen, einen Stellvertreter haben sie am Obersee offensichtlich nicht.

Meiers Platz

Meier übrigens stand bald einmal nicht mehr an der Seitenlinie. Dort wurde er vom Assistenten Daniel Hasler abgelöst, weil ihm der Schiedsrichter nach einer ersten rhetorischen Kundgebung mit dem Verweis auf die Tribüne gedroht hatte. Sein Winterthurer Kollege Loose muss sich nun – Stichwort: mangelnde Spritzigkeit gestern – überlegen, ob er bis am Samstag die eine oder andere Retusche anbringt. Dannzumal trifft der FCW in seinem vierten Spiel 2019 auf den vierten Abstiegskandidaten. Zu beantworten sein wird auch, wer allenfalls einen Elfmeter schiessen würde. In Frage käme Luka Sliskovic – aber dafür muss er zuerst mal auf dem Platz stehen. Andernfalls wird Captain Davide Callà seinen Mann stehen müssen. Am Freitag gegen Vaduz und gestern war die Lage des FCW immerhin so komfortabel, dass er sich leisten konnte, auf Elfmetertore zu verzichten.

(Der Landbote)

Erstellt: 20.02.2019, 23:34 Uhr

Infobox

Challenge League

FC Winterthur – FC Rapperswil-Jona 2:0 (1:0)

Schützenwiese. – 2700 Zuschauer. – SR Horisberger. – Tore: 13. Radice 1:0. 89. Seferi 2:0. – FCW: Spiegel; Lekaj, Isik, Hajrovic, Schättin (70. Wild); Arnold, Doumbia (63. Abedini); Callà, Roberto Alves (91. Sliskovic), Radice; Seferi (91. Gazzetta). – Rapperswil: Yanz; Thiesson, Schmied, Simani, Güntensperger (46. Marinkovic); Haile-Selassie (75. Eberle), Sarr, Kabacalman (87. Kllokoqi), Shabani; Pasquarelli (65. Pedro Teixeira); Turkes. – Bemerkungen: FCW ohne Roth, Lepik (verletzt), Stettler, Cavar, Schmid, Hamdiu, Mulaj und Sutter (nicht im Aufgebot). – Rapperswil ohne Elmer (gesperrt), Kubli (krank), Hadzi, Ciccone, Nater, Rexhepi (verletzt) und Festic (nicht im Aufgebot); erster Challenge-League-Einsatz von Nicolas Eberle (19). – 86. Roberto Alves schiesst Handspenalty an die Lattenoberkante. – Verwarnungen: 55. Thiesson (Foul). 61. Seferi (Foul). 75. Shabani («Unsportlichkeit»; Fehlentscheid).

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