Seuzach

Eine Frau, die bewegt

Priska Roncato möchte die Freude an der Bewegung weitergeben. Die Sportpädagogin hat in Seuzach ihre eigene Bewegungsschule. Sie war eine der ersten.

Priska Roncato fühlt sich auch beim Posieren für Fotos am wohlsten, wenn sie in Bewegung ist.

Priska Roncato fühlt sich auch beim Posieren für Fotos am wohlsten, wenn sie in Bewegung ist. Bild: Marc Dahinden

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Eine Ballerina-Figur steht im Badezimmer von Priska Roncato. «Das ist ein Geschenk einer befreundeten ukrainischen Tänzerin», sagt die Sportpädagogin. In den vielen Jahren als Sportlehrerin hat sie internationale Kontakte geknüpft, einmal durfte sie die Schweiz sogar an einer Olympiade vertreten.

In Seuzach hat sich die einstige Weinfelderin eine eigene Bewegungsschule aufgebaut, die nun 40 Jahre besteht. «Damals waren wir nur vier im Raum Winterthur.» Als sie 1973 Tanz und Bewegung unterrichtete, gab es ausser ihr nur drei weitere Lehrpersonen in diesem Bereich in der Umgebung.

«Sie war eine Pionierin»

Obwohl sie selbst eine der Ersten war, hat Priska Roncato ihr persönliches Vorbild: ihre Mutter. «Sie war eine Pionierin.» Schon als Roncato noch ein kleines Mädchen war, habe die Mutter Gymnastik unterrichtet. «Ich erinnere mich gut, wie ich als 10-Jährige jeweils das Wohnzimmer ausräumen musste, damit die schwangeren Frauen Platz zum Sportmachen hatten», sagt sie und gestikuliert dabei ausschweifend mit ihren Händen. Wie ­später die Tochter, gab auch die Mutter damals Geburtsvorbereitungskurse.

«Damals hätte ich nie gedacht, dass ich das mein Leben lang machen würde.»

Schon als Kind war die Sportpädagogin sportlich unterwegs. «Ich bin immer gerne Ski gefahren und hatte Ballettunterricht.» Als es dann um die Ausbildung ging, hatte sich die Mutter bereits vor ihr informiert: «Sie war begeistert von der Medau-Schule in Coburg.»

So kam es, dass die junge Frau als einzige Schweizerin ins deutsche Sportinternat ging und dort während dreieinhalb Jahren zur Sportpädagogin ausgebildet wurde. «Damals hätte ich nie gedacht, dass ich das mein Leben lang machen würde.»

Immer das Lachen behalten

Ein Leben ohne ihre Bewegungsschule in Seuzach kann sich die 66-Jährige heute nicht mehr vorstellen: «Ich weiss nicht, wie gut es mir gehen würde, wenn ich all diese Menschen nicht mehr jede Woche sehen könnte.»

Ihre Schüler geben Priska Roncato Halt. Mit 50 hat man bei ihr Blutkrebs diagnostiziert. «Ich bin wohl ein kleines Wunder für die Ärzte», sagt sie und zuckt mit den Schultern. Seit 16 Jahren lebt sie mit der Diagnose, und das erstaunlich gut. Trotz der Krankheit wolle sie immer positiv bleiben und die Freude am Leben behalten. «Zum Glück kann ich die Angst vor dem Krebs immer wieder auf die Seite schieben.»

«Es war hart, eine so grosse Stütze zu verlieren.»

Das positive Denken habe sie auch von ihrer Mutter vorgelebt bekommen. «Ich bin praktisch alleine mit ihr aufgewachsen.» Die beiden älteren Geschwister waren schon ausgezogen, und ihr Vater lebte in Spanien.

Als Priska Roncato 20 Jahre alt war, verlor sie ihr grosses Vorbild. Auch sie war an Krebs erkrankt. «Es war hart, eine so grosse Stütze zu verlieren.»

Dadurch war die junge Frau nach ihrer Ausbildung gezwungen, ihr eigenes Geld zu verdienen. «Manchmal ist es gar nicht so schlecht, wenn man einfach muss.» Bei der Firma Sulzer hat sie das Lehrlingsturnen geleitet.

Nebenbei hat sie sich weiter­gebildet: «Ich habe Kurse zur Geburtsvorbereitung und zur Rückbildung gemacht.»

«Aerobic ist nicht mein Ding»

Alle Kurse der Sportpädagogin sind dank ihrer Weiterbildun­gen durch Krankenkassen anerkannt. «Es ist mir wichtig, dass ich fundiertes Wissen weiter­geben kann.» Als Aerobic in den ­80er-Jahren zum Trend wurde, schloss sich Priska Roncato der Bewegung nicht an. «Aerobic ist nicht mein Ding.»

Um das zu unterrichten, besuchen manche lediglich kurze Wochenendkurse. «Mir geht es darum, dass ich ­meine Schüler auch korrigieren kann.» Wenn jemand ein Rückenleiden hat, dann wolle sie demjenigen die richtigen Bewegungen zeigen können. «In einer Aerobic-Stunde mit über 20 Schülern ist es einfach nicht möglich, auf jeden einzugehen.»

Die Gesundheit spielt eine grosse Rolle in ihrem Alltag. Es wird frisch gekocht. Ihr Partner Hans-Peter Mathes zerkleinert gerade Lauch und Kartoffeln fürs Mittagessen. «Wir achten darauf, dass es regionale Zutaten sind.»

Der reformierte Pfarrer von Seuzach und die Gymnastik- und Tanzlehrerin haben sich 2004 bei einem Neujahrsapéro kennen gelernt. Damals sei Mathes zu ihr gekommen und habe sich dafür entschuldigt, dass die Kirche immer noch kein Tanzprojekt mit ihr realisiert habe. Worauf Roncato entgegnete: «Was haben Sie denn mit der Kirche zu tun?» Dabei verfällt sie in herzhaftes Lachen und kramt dabei ein weiteres Erinnerungsstück hervor.

Für die Schweiz bei Olympia

Anlässlich des 40-jährigen Bestehens ihrer Schule hat Roncato ein dickes Fotoalbum zusammengestellt. Zu jedem Bild könnte die dreifache Mutter und Grossmutter stundenlang erzählen. Ein Highlight waren die Olympischen Spiele 1972 in München. «Ich durfte zuvorderst mit dem Schild der Schweiz laufen.» Danach war sie als Hostess dabei.

Eine schlanke, gross gewachsene junge Frau läuft vor einem Trupp aus Sportlern. Hinter ihr der Fahnenträger. Der Blick der damals 20-Jährigen ist wie gebannt auf das Schild mit der Aufschrift «Schweiz» gerichtet. «Lustig, wie konzentriert ich dabei war. Ich war schon sehr nervös.»

Selbst wollte sie aber nie Spitzensportlerin werden. «Dafür war mir die Familie zu wichtig.» Doch sie hatte das Glück, eine Unterstützung im Haushalt zu haben. «Zwei Wochen nach der Geburt meiner Kinder stand ich jeweils wieder in der Turnhalle und habe unterrichtet.» (Der Landbote)

Erstellt: 10.11.2018, 10:28 Uhr

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