Faustball

Eine grossartige WM, die schmerzt

An ihrer Heim-WM auf der Schützenwiese gehen die Schweizer leer aus, denn sie müssen sich nach der 0:4-Niederlage gegen Brasilien mit dem 4. Platz begnügen. Während des gesamten Turniers erreichten sie nicht ihre Leistung.

Auch im Spiel um die Bronzemedaille gegen Brasilien kamen die Schweizer nicht an das Niveau heran, das für einen Sieg über eine Mannschaft aus den Top 4 der Welt benötigt würde.

Auch im Spiel um die Bronzemedaille gegen Brasilien kamen die Schweizer nicht an das Niveau heran, das für einen Sieg über eine Mannschaft aus den Top 4 der Welt benötigt würde. Bild: Fabio Baranzini

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Kein Bild veranschaulichte den Gemütszustand des Schweizer Faustballs besser als dieses: Im dunklen Kabinengang der Schützenwiese lehnte das WM-Maskottchen, beziehungsweise die Hülle davon, an der Wand. Die junge Dame, die es entworfen hatte und trug, sass davor am Boden.

Niedergeschlagen, enttäuscht. Die Schweizer waren vor einer Woche angetreten, um in Winterthur, an ihrem Heimturnier, Weltmeister zu werden. Nach den diversen 2. Rängen der Vorjahre war das auch das einzig richtige und vertretbare Vorhaben gewesen. Am Ende aber blieb ihnen nicht einmal eine Medaille, das Minimalziel. Im Bronzematch an diesem Samstagnachmittag vor gut 5800 Zuschauern liess sich die Schweiz von den Brasilianern, die auch mental frischer wirkten und schlicht besser spielten, 4:0 bezwingen.

Die logische Nummer 4

Zweimal 8:11 und zweimal 9:11 gingen die Sätze verloren. Im zweiten Satz, wie schon tags zuvor im Halbfinal gegen Deutschland, hatten die Schweizer die Chance, den Match vielleicht noch in die Hand zu nehmen. 9:7 führten sie da, um ihn 9:11 zu verlieren. «Wir hätten nicht gedacht, dass es gegen sie so einfach werden würde», bemerkte Brasiliens Angreifer Rodrigo Sprandel.

Es war ja nicht so, dass die Schweizer geradezu deklassiert worden wären. Aber insgesamt kamen sie wieder nicht an die Leistung heran, die es braucht, um eine Mannschaft aus den Top 4 der Welt, zu der auch sie selber gehören, zu schlagen: Das 0:3 am Donnerstag gegen Österreich, das 0:3 am Freitag gegen Deutschland und nun das 0:4 gegen Brasilien unterstreichen, dass die Schweiz an dieser WM nur die Nummer 4 war.

Die Last der Kulisse

«Wir konnten die Sätze nicht zu Ende bringen, war brachten die Leistung auf allen Positionen nicht», beurteilte Nationaltrainer Oliver Lang in seiner Offenheit den Bronzematch noch auf dem Platz. «Wir haben es vergeigt – alle inklusive Staff und Trainer.»

In der Kritik nahm der Elgger sich selbst nicht aus: «Ich habe die Verantwortung für die Spieler, die ich aufs Feld bringe. Wenn sie nicht gut spielen, dann habe auch ich etwas falsch gemacht.» Mit hängenden Köpfen, noch mehr als bei der Halbfinalniederlage tags zuvor gegen Deutschland, drehten die Schweizer auf der Schützenwiese ihre Abschiedsrunde. Das Publikum quittierte mit stehendem Applaus. «Das Einzige, das wir an Schönem mitnehmen können, ist, dass wir an einem so tollen Anlasse vor so einmalig vielen Zuschauern spielen durften», erklärte Ueli Rebsamen, der Captain des Nationalteams. Der 4. Platz dagegen, der «tut sehr weh», wie der Elgger sagte.

«Die ganze Woche über sind wir nicht richtig ins Spielen gekommen», blickte Rebsamen zurück. «Eigentlich ist das unerklärlich. Wir haben doch zehn Faustballer in der Mannschaft, die in ihren Vereinen auf derart gutem Niveau spielen und von denen man weiss, dass sie es wirklich können.» Am WM-Turnier aber konnten sie die Fähigkeiten nicht auf den Punkt bereit auf den Platz bringen.

Eine Erklärung mag sehr wohl diese sein: «Wir hatten gedacht, dass uns die vielen Leute beflügeln würden», sagte Oliver Lang. Offensichtlich war das Gegenteil der Fall. «Eine solche Kulisse kennen wir nicht. Der Druck war sicher da.» Er war zu spüren am Donnerstag im Viertelfinal gegen Österreich, der den direkten Vorstoss in den Halbfinal (gegen Brasilien) eingebracht hätte. Lang hatte nach jenem 0:3 gegen Österreich von einer «Blockade» seiner Spieler gesprochen. Und der Druck war namentlich auch im Match um die Bronzemedaille vorhanden. Den wohl besten Auftritt lieferten die Schweizer am Freitag im Halbfinal ab, zu dem sie gegen Deutschland, den Serien-Weltmeister, als Aussenseiter antraten. «Wir haben nur so gut gespielt, weil Deutschland der Gegner war», meinte Lang nach der Halbfinalniederlage.

Deutsches Dutzend

Die Brasilianer, die ihre WM-Nächte im Werkgebäude in Elgg verbracht hatten, bejubelten ihre Bronzemedaille. «Wir waren an den letzten Turnier immer Vierte. Jetzt haben wir endlich eine Medaille», freute sich Sprandel.

Die Deutschen wiederum konnten einmal mehr eine Weltmeisterfeier starten. Sie setzten sich im Final gegen Österreich 4:0 durch und holten an der 15. WM ihre zwölfte Goldmedaille, die dritte in Serie. Sie bleiben im Faustball das Mass aller Dinge. Keiner versenkte die Bälle so zielgerichtet und scharf wie Patrick Thomas, der 1,99 m grosse Star der Szene. «Für diesen Titel haben wir das ganze Jahr über hart gearbeitet. Wir freuen uns riesig», betonte Captain Fabian Sagstetter, dessen Team die Ambiance offensichtlich anspornte: «Die Stimmung im Stadion war Wahnsinn. Da konnten wir nochmals die letzten Prozent an Leistung aus uns herausholen.»

Die Deutschen hatten im ganzen Turnier nur einen Satz abgegeben, beim 3:1 im Gruppenspiel gegen Österreich. Sie waren auf der Schützenwiese eine Klasse für sich – auch im Final, für den das Maskottchen wieder rechtzeitig auf den Beinen war, um die Leute zu unterhalten.

Erstellt: 18.08.2019, 18:54 Uhr

Zufriedener OK-Chef: «Der Funke ist gesprungen»

«Ich danke allen, die hier sind», sagte Nationaltrainer Oliver Lang im Stadion dem versammeltem Publikum nach der schmerzhaften Schweizer Niederlage im Bronzematch und forderte die Zuschauer auf: «Kommt doch auch sonst an unsere Spiele, damit Faustball populärer wird. Normal schauen sich nur 30 Personen ein Spiel ein.» Faustball als Familiensache. Dieser Rahmen wurde an der WM auf der Schützenwiese gesprengt.

Am Sonntag vor einer Woche, am ersten Turniertag, sei «der Funken gesprungen», blickt OK-Chef Toni Meier zurück. «Da schauten Leute zum ersten Mal ein Faustballspiel und waren begeistert. Einer erzählte es dem anderen und so ging es weiter. Faustball muss sich nicht verstecken, das ist auch ein Spitzensport», betont er. «Insgesamt waren viele Nicht-Faustballer im Stadion. Das war auch unser Ziel: Wir wollten den Kreis erweitern.»

Der Kreis wurde so gross, dass die angestrebte Zuschauerzahl von 20 000 bereits am Freitag übertroffen wurde. Der Samstag, der Finaltag, war «noch das Sahnehäubchen oben drauf», wie Meier erfreut bemerkt. «Die Superstimmung», die er schon am Starttag festgestellt hatte, zog sich bis zum Ende weiter.

Zufrieden durfte der Chef auch mit der Organisation sein. «Der ganz grosse Teil lief sehr gut. Kleine Startschwierigkeiten konnten wir korrigieren. Ab Dienstag wars ein sehr runder, guter Betrieb», erklärt Meier. Wurde kurzfristig mehr Personal benötigt, seien die mithelfenden (Turn-)Vereine auf deren WhatsApp-Gruppen aktiv geworden. Wenn Turner etwas anpacken, klappts.

Belohnte Risiken

«Unser Konzept, alles an einem Ort durchzuführen, hat sich voll bewährt», sagt Meier. Derart zentral fand noch nie eine Faustball-WM statt. Finanziell werden das OK und die 13 Trägervereine im schwarzen Bereich abschliessen. «Wir sind im Budget grosse Risiken eingegangen, weil wir mit viel Publikum gerechnet hatten.» Die Leute kamen, mehr noch als erhofft worden war. Reich wird keiner, aber immerhin lassen sich Helferstunden entschädigen. Und was vor allem bleibt: «Ein positives Erlebnis», wie Toni Meier (vom TV Pflanzschule) betont.

Am Dienstagabend sollen die Zelte, Tribünen und weiteren Anlagen «fertig abgeräumt sein», hofft er. «Der Mittwoch ist der Puffertag für kleinere Arbeiten.» Am Mittwochabend gibt das WM-OK die Schützenwiese wieder ab. Dann kehren die Fussballer zurück. (ust)

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