Halle 53

Eine Klausel verzögert die Investorensuche

An Finanzierungsmodellen für die künftige Event- und Foodhalle auf dem Sulzerareal fehlt es dem Siegerteam nicht. Doch die Investorensuche harzt, denn die Besitzverhältnisse sind kompliziert. Die Halle gehört zwar der Stadt, Implenia hat jedoch noch bis Ende 2021 ein Rückkaufsrecht.

In der Halle 53 sollen in ein paar Jahren eine Konzerthalle, ein Foodcourt sowie Büros entstehen.

In der Halle 53 sollen in ein paar Jahren eine Konzerthalle, ein Foodcourt sowie Büros entstehen. Bild: Marc Dahinden

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Als das Siegerprojekt für die Halle 53 vorgestellt wurde, blieb eine entscheidende Frage offen: Wie wird das Projekt finanziert? Für die Finanzierung zuständig ist die «Denkstatt sàrl» in Basel, die sich schwerpunktmässig mit der Umnutzung von ehemaligen Gewerbe- und Industrieareale befasst.

Der verantwortliche Projektleiter Pascal Biedermann sagt, man könne sich verschiedene Modelle vorstellen: «Entweder suchen wir einen grossen Investor oder gründen eine Investoren-Gemeinschaft.»

«Unklare Verhältnisse»

Konkrete Namen von Investoren kann Biedermann allerdings keine nennen. Das hat auch einen Grund, wie Biedermann erläutert: «Es ist schwierig, Investoren zu finden, wenn es Unklarheiten zur Ausarbeitung des Baurechts gibt.»

Denn die Stadt hat die Halle 53 zwar für eine Million Franken gekauft, allerdings wurde ein Rückkaufrecht für die Implenia bis Ende 2021 vereinbart. «Kein Investor unterschreibt einen Vertrag, wenn die Verhältnisse nicht offen dargelegt werden können», sagt Biedermann.

«Kein Investor unterschreibt einen Vertrag, wenn die Verhältnisse nicht offen dargelegt werden können.»Pascal Biedermann, Projektleiter

So wisse man beispielsweise nicht, ob das Rückkaufrecht aufrecht erhalten bleibe oder wie die konkreten Bedingungen aussähen. Sowohl die Stadt als auch Implenia hielten sich bislang bedeckt.

Die zuständige Stadträtin Yvonne Beutler (SP) bestätigt, dass ein Rückkaufsrecht für die Halle über eine Million Franken vereinbart wurde. Laut Beutler ist das Recht jedoch an Bedingungen geknüpft. Implenia kann das Rückkaufsrecht in zwei Fällen geltend machen:

1. Wenn nicht innert vier Jahren ein bewilligtes Bauprojekt mit Kreditbewilligung der zuständigen Instanzen für die Sanierung vorliegt. Stichtag dafür ist der 23. Juni 2019.

2. Wenn die Stadt das Grundstück an einen Dritten verkauft oder im Baurecht an einen Dritten überträgt.

Baurecht ab 2022

Beutler sagt, die Stadt stehe mit der Implenia in Kontakt und gehe nicht davon aus, dass diese das Rückkaufsrecht geltend mache. Klar ist, dass die Stadt die Halle im Baurecht abgeben will. Allerdings erst ab 2022, also auf den Zeitpunkt, an dem das Rückkaufsrecht nicht mehr wirksam wäre.

Implenia beantwortet die Frage nicht, ob sie gedenke, das Rückkaufrecht geltend zu machen. Sprecher Reto Aregger sagt lediglich, man freue sich auf einen Austausch mit der Stadt und dem Siegerteam. Erst nach diesen Gesprächen werde man sich zum weiteren Vorgehen äussern können. Ein Treffen hat bislang nicht stattgefunden.

Implenia hält jedoch fest, die Halle 53 liege in unmittelbarer Nähe zur Lokstadt, die Implenia aktuell entwickelt und baut. Deshalb sei es der Firma ein Anliegen, dass die Nutzung der Halle 53 Synergien zur Lokstadt ermögliche und diese nicht konkurrenziere.

Vorarbeiten brauchen Zeit

Bei der Vorstellung des Projekts sagte Beutler, der Baubeginn in der Halle 53 sei auf den Herbst 2020 vorgesehen. Trotz der Vorbehalte der Denkstatt-Verantwortlichen glaubt sie nicht, dass das Rückkaufsrecht das Projekt verzögern könnte. «Die Erarbeitung des Betriebskonzepts und die Vorarbeiten für den Umbau sind aufwändig und benötigen entsprechend viel Zeit.»

Will heissen, die konkrete Umsetzung wäre ohnehin nicht viel früher möglich. Biedermann ist ebenfalls der Ansicht, dass erste Arbeiten schon vor 2021 verrichtet werden können. «Doch mit der Investorensuche kommen wir nicht vom Fleck, solange keine Klarheit über die vertraglichen Bedinungen herrscht.»

«Es wäre wesentlich einfacher einen Investor für einen Wohnblock auf einer grünen Wiese zu finden.»Pascal Biedermann, Projektleiter

Das sei schade, denn gerne hätte das Team nach dem Wettbewerbssieg sofort losgelegt. Trotz allem ist Biedermann zuversichtlich, dass die Investorensuche gelingt, wenn alle Fragen geklärt sind. «Sonst hätten wir gar nicht am Wettbewerb mitgemacht.»

Erste positive Rückmeldungen habe er bereits erhalten. Das Projekt sei im Hinblick auf die Finanzierung aber eine Herausforderung: «Wir müssen einen Investor finden, der mit einem Baurechtsvertrag einverstanden ist. Zudem muss es jemand sein, der an das Projekt glaubt und nicht eine schnelle Rendite im Auge hat. Es wäre wesentlich einfacher einen Investor für einen Wohnblock auf einer grünen Wiese zu finden.»

Stadt will nur einen Partner

Ob man eher auf einen grossen Investor oder mehrere kleinere setze, lasse sich jedoch noch nicht abschätzen. Im Jurybericht zur Halle 53 hiess es, die Stadt Winterthur bevorzuge eine Variante mit nur einem Ansprech- und Vertragspartner.

Doch Biedermann versichert, die Stadt habe bei beiden Varianten nur einen Ansprechpartner. «Schliesslich kann der Baurechtsvertrag nur mit einem Partner abgeschlossen werden.»

Erstellt: 11.11.2018, 18:01 Uhr

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