Besprechung

Eine Kreuzfahrt zum Totlachen

Mit dem Schwank «Schiff über Bord», der am Freitagabend Premiere feierte, hatte das Sommertheater volles Haus.

Irrungen und Wirrungen auf hoher See. Bild: Sommertheater

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Von wegen Ferienflaute! Eine rekordverdächtige Premiere zeichnete sich ab: So voll war der Sommertheater-Garten nur selten, so lange die Schlange der Wartenden vor dem Buffet noch kaum.

Entsprechend den herrschenden Temperaturen war auch die Fächer-Dichte im Publikum rekordverdächtig hoch. Wieso aber tut man sich das an? Vielleicht weil der Schauplatz – ein Flusskreuzfahrtschiff – eine frische Brise verspricht.

Ausserdem verrät ja bereits der Titel, dass da einiges durcheinandergeraten wird und dass dabei eine hitzebedingte Gehirnerweichung beim Zuschauen zumindest nicht schadet: In der Tat ist die turbulente Inszenierung von Jean-Claude Bordet ein leichtes, sommerliches Vergnügen ohne allzu viel Tiefgang (um beim Nautischen zu bleiben).

Das Bühnenbild von Rolf Kunze tut ein Übriges, das Publikum mit auf die höchst vergnügliche Reise zu nehmen.

Ideen muss man haben

Unter Tuten und Mövengeschrei stechen wir quasi in See. Doch von Auslaufen ist vorerst keine Rede, denn der TÜV-Inspektor Viktor Kummerle (Nick Robin Dietrich) unterzieht sie einer hochnotpeinlichen Inspektion. Und da der olle Pott wirklich in miserablem Zustand ist, helfen auch die Bezirzungs- und Bestechungsversuche (zuerst mit Geld, dann mit Wodka) von Michail Mechanski (Rafael Luca Oliveira) nichts: Die MS Müggelspree liegt im Hafen fest.

Doch ein Unglück kommt bekanntlich selten allein. Schiffsoffizier Harry Schöner (Christof Oswald), den alle nur Le Beau nennen, hat schlechte Nachrichten: Das Schiff wurde an einen neuen Besitzer verkauft und dieser wird demnächst zu einer Inspektion erscheinen.

Kapitän Anton Ankerle (Philippe Roussel) schwant Schlimmes, denn auf seinem maroden Schiff sind Gäste Mangelware. Er lässt seine Mini-Mannschaft – die Erwähnten plus Chef-Animatorin Eva Vogel (Klara Rensing) – zum Crew-Meeting antreten. Dazu gesellt sich die schrille Schauspielerin Marlene Brando (Gabriela Steinmann), die als Dauergast auf dem Schiff weilt.

In der Tat ist die turbulente Inszenierung von Jean-Claude Bordet ein leichtes, sommerliches Vergnügen ohne allzu viel Tiefgang.

Während Ankerle für die Zukunft schwarz sieht, hat der fixe Harry eine Idee: Man könnte doch in die Rolle von imaginären Passagieren schlüpfen und dem reichen Amerikaner ein florierendes Unternehmen vorgaukeln? Und liegen nicht im Fundus des Bordtheaters noch viele Kostüme herum?

Während sich die Besatzung kostümiert, taucht der neue Besitzer, Billy Bob John James (Winfried Goos) auf. Nach und nach erscheinen die übrigen «Passagiere» auf Deck. Billy Bob aber durchschaut die Inszenierung bald. Umso entschlossener ist er nun, dass Schiff stillzulegen und seine Besatzung zu entlassen.

Doch als unverhofft seine Ehegattin auf dem Schiff erscheint, ändern sich die Machtverhältnisse schlagartig zugunsten von Käpt’n Ankerle: Er hat es nun in der Hand, Billy Bob zu helfen und seine Affäre zu vertuschen oder ihn bei seiner Frau auf Grund laufen zu lassen.

Erstellt: 28.07.2019, 16:17 Uhr

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