FCW

Einen wichtigen Punkt nicht gestohlen

Der FCW bleibt reell im Rennen um Platz 2 in der Challenge League. Er glich beim Tabellendritten aus Aarau zweimal einen Rückstand aus, das zweite Mal durch Marin Cavars 2:2 in der 91. Minute.

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Für die Aarauer war dieses erste Unentschieden gegen den FCW – nach zwei Niederlagen und einem Sieg – in der vierten und letzten Direktbegegnung der Saison ein Misserfolg, der sie ärgerte. Sie brauchten den Sieg, um ihre Erfolgsserie fortzusetzen und Lausanne auf dem Barrageplatz noch mehr unter Druck zu setzen. Und sie glaubten, spätestens mit dem zweiten Führungstor den härtesten Teil ihres Weges zu diesem Tagesziel hinter sich gebracht zu haben. Goran Karanovic, erst zehn Minuten vorher eingewechselt, hatte mit einem erstklassigen Kopfball nach einer weiten Flanke Raoul Gigers in der 77. Minute zum 2:1 getroffen.

Zweiter Einsatz, erstes Tor

Aber dann wurde aus diesem «Dreier» für die Aargauer doch nichts. Es hatte eben erst die Nachspielzeit begonnen, als Luka Sliskovic einen Eckball auf den Kopf Marin Cavars schlug – der setzte sich auf der Fünfmeterlinie durch und lenkte die Kugel mit dem Kopf ins Tor. Cavar war noch wesentlich später als Karanovic erschienen, nämlich erst in der 87. Minute für Ousmane Doumbia. Dass Trainer Ralf Loose für die letzten Minuten eines Kampfs um ein bedeutendes Ausgleichstor einen 22-jährigen Innenverteidiger für einen Mittelfeldspieler aufs Feld schickte, mochte erstaunen. Und Cavar ist ja auch nicht als torgefährlicher Offensivverteidiger bekannt.

Aber dann nutzte er bei einer Standardsituation seine Qualitäten als Kopfballspieler. Dass er dafür die körperlichen Voraussetzungen hat, ist das eine. Am Selbstvertrauen fehlt es ihm nicht – und auch deshalb musste er nur einen zweiten Teileinsatz nach den 45 Minuten im vorangegangenen Heimspiel gegen Kriens auf sein erstes Tor in der Challenge League warten. Für die U21 habe er mal ein Tor geschossen, «das war gegen Eschen/Mauren und ist schon etwa anderthalb Jahre her», sagte er hinterher. Und fügte bei: «Auch damals wars mit dem Kopf.»

Mit dem Kopf schossen auch die Aarauer ihre Tore, vor Karanovic war es sein direkter Vorgänger Stefan Maierhofer gewesen. Der hatte 40 Sekunden nach der Pause nach einem Einwurf und einem weiten Flankenball Elsad Zverotics fünf Meter vor dem Winterthurer Tor das Kopfballduell gegen Sead Hajrovic genauso mühelos gewonnen wie später Karanovic seines gegen Granit Lekaj. Die beiden Winterthurer Innenverteidiger machten insgesamt einen guten Match, aber beide müssen sich je eine schwache Szene vorwerfen lassen – und deren Ergebnis waren die beiden Tore.

Die Rolle Maierhofers

Maierhofer schien zwischendurch der Aarauer Held des Tages zu werden, weil Schütze des «entscheidenden» Tores. Der Österreicher, dessen Treffern die Aarauer auf dem langen Rückweg von einem Fehlstart Richtung Barrage viel verdanken, war auch sonst mitten im Geschehen. So leistete er sich nach einer halben Stunde ein grobes Foul an Ousmane Doumbia, für das er nicht verwarnt wurde. Wenig später zog ihn Lekaj dafür gleichsam zur Rechenschaft, mit einer Aktion abseits des Balls, die natürlich ebenfalls eine Karte nach sich hätte ziehen müssen, aber dem Schiedsrichter entgangen war. Ref Stefan Horisberger muss sich schon vorwerfen lassen, zu lange auf Karten verzichtet und damit die Gemüter erhitzt zu haben.

Die Aarauer warfen ihm auch noch ein Tackling Lekajs gegen Varol Tasar in der ersten Halbzeit vor, die in der Tat ein Elfmeterfoul war. Aus ihrer Sicht also war, wie es Trainer Bruno Rahmen sagte, «zu viel zu registrieren, was nicht in Ordnung war» – und er meinte den Schiedsrichter. «Aber natürlich muss man das akzeptieren», fügte Rahmen bei. Wie der FC Vaduz beim letzten Heimspiel der Aarauer einen zu harten Platzverweis für seinen Mittelfeldspieler Milan Gajic akzeptieren musste oder vor ein paar Wochen Servette auf dem Weg zu einem 3:3 gleich zwei von Maierhofer «subtil» herausgeholte Elfmeter. Maierhofer ist eben ein Mann, der nicht nur für sein Team wirkt, sondern manchen Gegner auch provoziert.

Loose: «Hochverdient»

Es war offensichtlich, dass die Aarauer «angefressen» waren – aus Ärger über den späten Punktverlust, den sie eben auch mit dem Schiedsrichter verbanden. Aus Winterthurer Perspektive allerdings war dieses 2:2 ein «hochverdienter Punkt». So formulierte es FCW-Trainer Ralf Loose, der einen Match gesehen hatte, «den wir durchaus in der Hand hatten.» Er sei «sicher», fügte er bei, «schaut man auf Dinge wie Torschüsse oder Ballbesitz, waren wir auf Augenhöhe.» Da ist dem Trainer aus Dortmund Recht zu geben: Geschossen hat der FCW so oft wie Aarau, nämlich 18mal; an Ballbesitz hatte er gar ein leichtes Plus von 53 Prozent. Allerdings ist anzumerken: Wirklich aufs Tor kamen zwar acht Bälle der Aarauer, aber nur drei der Winterthurer. Loose sagte auch noch: «Wäre das Spiel fünf, sechs Minuten länger gegangen – ich weiss nicht, ob wir nicht gar noch gewonnen hätten.» Fakt ist: Die gut drei Minuten Nachspielzeit, die Cavars 2:2 folgten, hätten tatsächlich beinahe zum 2:3 geführt. Denn nochmals konnte Sliskovic einen Eckball treten. Diesmal flog er auf den Kopf Taulant Seferis – und von dort an die Latte. Sliskovic übrigens war insofern der wirkungsvollste Mann auf dem Platz, als er als einziger an zwei Toren beteiligt war. Denn er hatte nach gut einer Stunde den ersten Ausgleich erzielt. Es war eine der «linken Kleben», für die Sliskovic an guten Tagen steht. Aus 21 Metern drosch er den Ball in die weitere hohe Ecke.

Es war klar, die Winterthurer konnten mit diesem 2:2 besser leben. Für sie war es ein Auswärtspunkt in einer Phase der Saison, in der sie sich schwer tun, das Niveau an Resultaten halbwegs auf der Höhe des Herbsts zu halten. Und es war ein Auswärtspunkt gegen die – neben Servette – mit Abstand erfolgreichste Mannschaft der vergangenen Monate. Gefreut hat die FCW-Oberen aber auch, dass ein Spitzenspiel auf fremdem Platz noch ausgeglichen werden konnte, als nicht weniger als vier Mann mit dem Jahrgang 1999 auf dem Platz standen. Neben Cavar waren dies Enrique Wild, Liridon Mulaj und Rijad Saliji – allesamt eingewechselt. Immerhin war ja der routinierteste aller FCW-Spieler zu ersetzen, Davide Callà.

Nimmt man sich noch kurz Zeit für eine Einzelkritik, dann ist anzumerken: Raphael Spiegel war ein guter Torhüter; Rechtsverteidiger Denis Markaj erinnerte erstmals wieder an jenen Markaj, der er zu Saisonbeginn – bis zu seiner Verletzung; zu Lekaj und Hajrovic ist schon gesagt, war zu sagen ist; Tobias Schättin machte einen ordentlichen Match als Linksverteidiger. Im zentralen Mittfelfeld war die Präsenz Remo Arnolds wieder mal bemerkenswert, keiner stemmte sich so gegen die Niederlage wie er. Partner Doumbia deutete seine Qualitäten wiederholt an, aber für ihn gilt besonders, war Trainer Loose als grundsätzliches Manko kritisierte: Neben starken Szenen eben auch Fehler, die «einfach» genannt werden. Und vor allem: «Es uns fehlt ist zu oft der entscheidende Moment.» Womit er meint, die entscheidenden «letzten» Pässe, manchmal auch schon die zweitletzten.

Ordentlich gespielt, aber eben auch ohne einen dieser massgeblichen Momente, haben Roberto Alves und Luca Radice. Sliskovic markierte seine Tagesnote mit Tor und Assist, allerdings liess er Giger vor dem 2:1 kampflos flanken. Und von Seferi würde man anders reden, hätte er das 3:2 geschossen. Aber er schoss es nicht, er verpasste überhaupt zu oft den richtigen Moment für den Abschluss. So endete ein Spiel unentschieden, das zumal an Intensität und Unterhaltungswert beachtlich war. Konnte man den Ärger der Aarauer verstehen, so ist aus Winterthurer Sicht doch auch zu sagen: Gestohlen war dieser Punkt nicht. Der eigentliche Gewinner des Abends war ohnehin Lausanne, der jetzt «nur» noch das Heimspiel gegen Wil gewinnen muss.

Erstellt: 12.04.2019, 23:26 Uhr

Challenge League

FC Aarau – FC Winterthur 2:2 (0:0)

Brügglifeld. – 3981 Zuschauer. – SR Horisberger. – Tore: 46. Maierhofer 1:0. 64. Sliskovic 1:1. 77. Karanovic 2:1. 91. Cavar 2:2. – Aarau: Nikolic; Giger, Leo, Bürgy, Obexer; Zverotic; Tasar (91. Pepsi), Jäckle, Neumayr (87. Hammerich), Schneuwly (67. Misic); Maierhofer (67. Karanovic). – FCW: Spiegel; Markaj, Lekaj, Hajrovic, Schättin; Doumbia (88. Cavar), Arnold; Sliskovic, Roberto Alves (81. Mulaj), Radice (81. Saliji); Seferi. – Bemerkungen: Aarau ohne Peralta, Peyretti, Frontino (verletzt), Liechti, Mehidic, Rossini und Almeida (nicht im Aufgebot). – FCW ohne Callà, Roth (verletzt), Stettler, Schmid, Abedini, Gazzetta und Sutter (nicht im Aufgebot). – Platzverweis): 92. Leo (zweite Verwarnung wegen Fouls; erste in der 89.). – Verwarnungen: 43. Jäckle (Foul), Sliskovic und Obexer (Unsportlichkeiten). 62. Tasar (Foul). 75. Neumayr (Unsportlichkeit).

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