Neftenbach

Entschlackungskur mit Nebenwirkung

Dem Badiweiher in Neftenbach wurde der Schlamm abgegraben. Doch als man diesen vor Ort mit Kalk verfestigen wollte, entstand eine grosse Staubwolke.

So sah der Badiweiher Mitte Dezember aus. Inzwischen ist die 40 Zentimeter dicke Schlammschicht abgetragen und der Weiher wieder voll Wasser.

So sah der Badiweiher Mitte Dezember aus. Inzwischen ist die 40 Zentimeter dicke Schlammschicht abgetragen und der Weiher wieder voll Wasser. Bild: PD

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Die Fische schwammen im Trüben und niemand hatte mehr so richtig Freude am verschlammten grünen Badiweiher neben dem Schwimmbad in Neftenbach. Dass der Weiher dringend entschlackt werden musste, war allen klar. Seit 15 Jahren wurde diskutiert. Nur scheute man die Kosten. Im Juni letzten Jahres rang sich die Gemeindeversammlung schliesslich nach hitzigen Diskussionen zum Sanierungskredit von 410 000 Franken durch.

Abgefischt und umgesiedelt

Mitte Oktober ging es los: Der Wasserspiegel wurde gesenkt, Fische, Krebse und Co. abgefischt und in den Ziegelhüttenweiher in die Töss-Allmend umgesiedelt (siehe Box). Ein Bagger der Firma Geiges aus Warth TG trug die erste Schlammschicht ab.

Doch wohin damit? Schlammproben ergaben, dass der Kohlenwasserstoff- respektive Mineralölgehalt wider Erwarten zu hoch war. «Der Schlamm konnte deshalb nicht in eine Deponie für den normalen Aushub gebracht werden, was am billigsten gewesen wäre», sagt die Leiterin der Abteilung Werke, Gaby Meier.

Eine teure Reaktordeponie wollte man für den Schlamm des Badiweihers aber vermeiden. Der Schlamm war ja ungiftig und allein durch das Verwesen vom Laub der umliegenden Bäume entstanden. Er sollte deshalb in eine Deponie für Inert­stoffe gebracht werden.

«Zuvor musste der Schlamm jedoch stabilisiert werden», sagt Stefan Geiges, Chef des mit der Entschlammung beauftragten Unternehmens. «Schlamm ist nicht stapelbar und kann deshalb nicht gelagert werden.» Er sollte durch das Beimischen von Kalkstaub verfestigt werden. Als angenehmer Nebeneffekt reduziere dies auch gerade den Kohlenwasserstoff-Index, so Geiges.

Überall Kalkstaub

Der Kalk wurde dem Schlamm am 23. November beigemischt. «An diesem Tag war es trüb und neblig», erinnert sich Geiges. «Darum haben wir zunächst nicht bemerkt, dass sich eine Kalkstaubwolke bildete.» Die umliegenden Häuser und Autos wurden dabei aber zünftig eingestäubt.

Anwohner hätten verständlichereise reklamiert. «Zwei Tage später, als das Wetter aufhellte, konnte man den Beschlag dann sehen», sagt der Chef des Familienunternehmens. Der Kalk wurde fortan erst in der Deponie beigemischt. Zur Entstaubung bot die Firma ein Reinigungsinstitut auf und bezahlte auch Spezialwäschen für beschlagene Autos.

Inzwischen ist die Wolke verflogen, der Schlamm wurde in einer Deponie in Schlatt TG entsorgt und der Weiher liegt wieder friedlich da. Sein Wasserspiegel ist nun 40 Zentimeter tiefer – so dick war die Schlammschicht. Der Weiher ist nun wieder 1.20 Meter tief, wie anno 1815, als er als Wasserkraftsystem für die Rotfärberei Ziegler erstellt worden war. Die Kosten für die Entschlammungsaktion werden laut Meier unter den bewilligten 410 000 Franken liegen.

Nun darf man gespannt sein. Denn auch wenn der Badiweiher eigentlich kein Weiher zum Baden ist und in erster Linie der Fische wegen entschlammt wurde: Vielleicht gibt es im kommenden Sommer ja dennoch einige Bademutige, denen bislang vor dem Schlamm graute. (Der Landbote)

Erstellt: 09.01.2019, 18:42 Uhr

Infobox

Fische umgesiedelt

Weisser Amur, Katzenwels, Blaubandbärbling, Spiegelkarpfen, Alet, Edelkrebs, Teichmuschel und Bitterling lebten im Badiweiher. Sie befinden sich nun im Ziegelhüttenweiher. Im Badiweiher soll sich auf natürliche Art wieder ein Fischbestand bilden. Dies geschieht laut Fachleuten etwa durch die Übertragung von Laichen durch Vögel und Enten. dt

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