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«Er hat Teile unserer Altstadt vor dem Abriss gerettet»

Blocher, Pedergnana, Arbenz: Das sagen Weggefährten über Bruno Stefanini, der am Freitagmorgen im Alter von 94 Jahren gestorben ist.

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Pearl Pedergnana, Alt-Stadträtin Winterthur (2001-2014)

«Er hat unsere Anerkennung verdient»

Man könnte fast sagen: Bruno Stefanini hat Teile unserer Altstadt vor dem Abriss gerettet. In einer Zeit, in der überall der Gedanke vorherrschte, niemand wolle mehr in Altstädten wohnen und die Einkäufe würden alle in Einkaufszentren erledigt, da kaufte Bruno Stefanini viele Altstadthäuser. In den letzten Jahren begann er dann, manche von ihnen aufwändig zu sanieren. Ich glaube, wir hatten in Winterthur wegen seiner Art auch weniger Probleme mit der Hausbesetzerszene: Wurde ein Haus besetzt, schloss er mit den Besetzern oft eine Nutzungsvereinbarung ab. Deshalb liefen Besetzungen oft weniger heftig ab als in Zürich. Ich habe Bruno Stefanini zudem als unterhaltsamen und geistreichen Menschen kennengelernt, er konnte auch galant sein. Und ich schätzte es sehr, dass er vielen Menschen mit dünnem Portemonnaie günstigen Wohnraum angeboten hat.»

Christoph Blocher, Alt-Bundesrat

«Viel für die Allgemeinheit getan»

«Mit Bruno Stefanini ist eine ausserordentliche Persönlichkeit gestorben, die viel für die Stadt Winterthur und die Allgemeinheit getan hat. Seine Besonderheit bestand darin, stets eine Sache im Auge zu behalten, die er für richtig fand. Sei dies im Bau seiner Wohnungen, im Sammeln seiner Kunstwerke, der Erhaltung von Schlössern und dergleichen gewesen. Auf seine Person hat er nie geachtet, sondern stets die Sache – wenn auch oft verbissen – im Auge behalten. In Dankbarkeit und in Ehren werden wir ihn in Erinnerung behalten.»

Matthias Frehner, ehemaliger Direktor des Kunstmuseums Bern

«Er war der, der immer am meisten bot»

«Ich habe Bruno Stefanini in den 1990er-Jahren an Auktionen kennengelernt bei Sothebys, Koller und Christie’s, wo Schweizer Kunst versteigert wurde. Ich war damals Sekretär der Gottfried-Keller-Stiftung, er sass mit Fräulein Bösiger meist in der ersten Reihe und war der, der am meisten bot. Er hat die Auktionen fast dominiert, kaufte viele Bilder, nicht nur Hauptwerke der Schweizer Kunst. Ich erinnere mich an ein Werk von Hodler, das uns als Stiftung interessierte: Er kaufte es dann. Später waren alle Schweizer Museen auf seine Sammlung angewiesen, wenn sie Ausstellungen mit Schweizer Kunst machten, und er war immer ein grosszügiger Leihgeber. Viele versuchten, mit seiner Sammlung eine Ausstellung zu organisieren, mir selber gelang es erst im zweien Anlauf. Beim ersten Versuch sagte er ab: Er sei noch nicht so weit. Zu seinem 90. Geburtstag 2014 aber kam dann aber die grosse Ausstellung in Bern zu Stande.»

Sylvie Gellein, Direktorin Stiftung Schloss Grandson

«Er war sehr diskret, hat nie viel geredet»

Ich bin geschockt und traurig über Bruno Stefaninis Tod. Ich habe ihn immer wieder an Ausstellungen getroffen, das letzte Mal 2014 an «Sesam, öffne dich!». Er war eine sehr diskrete Person und hat nicht viel geredet. Seine Verbindung zum Schloss Grandson, das er 1983 gekauft hatte, war sehr eng. Er lud immer wieder noble Gäste nach Grandson ein, unter anderem Michail Gorbatschow. Als dessen Frau bei einem Besuch Mühe mit dem Treppensteigen hatte, liess Herr Stefanini kurzerhand einen Lift einbauen. In seinem Schloss war Herr Stefanini, seit er krank wurde, nicht mehr. Nach den Ausstellungen haben wir aber oft alle zusammen einen Apéro genossen. Das war für ihn immer ein grosses Vergnügen. Momentan kann das Schloss dank seiner Unterstützung umfassend restauriert werden. lia

Peter Arbenz, ehemaliger Stadtrat von Winterthur (1977-1986) und ehemaliger Direktor des Bundesamts für Flüchtlinge.

«Begegnungen in drei Phasen des Lebens»

«Wir lernten uns kennen, als ich ein junger Leutnant war und Bruno Stefanini Oberleutnant in der Füslilier- Kompanie 298. Und ich erinnere mich, dass ich ihn am damals neuen Sturmgewehr ausbilden musste. Später, als ich Bauvorstand war, kam er jeweils mit einem Baugesuch vorbei, um es zu besprechen. Ich erlebte ihn als angenehmen und bescheidenen Gesuchsteller, er trat nicht fordernd auf als der grosse Immobilienkönig von Winterthur. Es waren immer gute Gespräche, und er wusste immer ganz genau Bescheid. Meist war auch seine rechte Hand, Dora Bösiger, mit dabei. Die dritte Phase unserer Bekanntschaft war die gemeinsame Zeit im Verwaltungsrat der Parkhaus AG. Er hatte ja zu den Initianten des Arch-Parkhauses gehört und war mit 13 Prozent ein grosser Aktionär. Er hat auch viel Technisches am Parkhaus mitkonzipiert und schaute dafür, dass das Parkhaus Arch das wohl am günstigsten gebaute weit herum in Europa war.»

Erstellt: 14.12.2018, 13:43 Uhr

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