Winterthur

Erstaunen und Ärger über House of Winterthur

Nach Bekanntwerden der hohen Fluktuation und dem unschönen Rauswurf einer Mutter kritisieren Politiker die Organisation.

Die Fluktuation durch diese Türe war hoch in letzter Zeit: Eingangsbereich an der Technikumstrasse.

Die Fluktuation durch diese Türe war hoch in letzter Zeit: Eingangsbereich an der Technikumstrasse. Bild: Marc Dahinden

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Die Einwilligung kam vom Chef persönlich: «House of Winterthur»-Direktor Michael Domeisen versprach einer jungen Mitarbeiterin letztes Jahr schriftlich, dass sie nach dem Mutterschaftsurlaub mit weniger Prozent wiedereinsteigen könne. Doch noch während ihrer Absenz machte er diese Abmachung rückgängig und der Betrieb warf die Frau später raus. Diese Geschichte, die der «Landbote» am Mittwochmorgen publik machte, löst bei lokalen Politexponenten Unverständnis aus.

In den sozialen Medien äusserte sich unter anderem der AL-Kantonsrat Manuel Sahli. Er bezeichnet den Vorgang als «absolut inakzeptabel». Dass die Abmachung mit der jungen Frau nicht eingehalten wurde, sei ein Vertrauensbruch und offenbare ein Fehlverhalten in der Führung des House of Winterthur. «Das dann offenbar auch noch der Herr Stadtpräsident dies verteidigt mit einer lapidaren Begründung, dass dies aus ‹betrieblichen Gründen› geschehe, ist ein Hohn», schreibt Sahli weiter.

Das House of Winterthur stand in den letzten Tagen bereits wegen der ausserordentlich hohen Personalfluktuation in der Kritik. Die Organisation kündigte daraufhin an, die internen Prozesse verbessern zu wollen.

Grüne wollen externe Evaluation

Renate Dürr, Co-Präsidentin der Winterthurer Grünen, kritisiert die Organisation nun scharf. Diese werde von der Stadt mitfinanziert, nun gehe die Kontrolle verloren. «Im Fall der jungen Mutter werden nun schlechte Ausreden geliefert, auch vom Stadtpräsidenten.» Laut Renate Dürr reicht es nicht, wenn die Geschäftsleitung nun eine interne Analyse durchführt. «Es braucht jetzt dringend eine externe Evaluation, für Michael Domeisen und Michael Künzle ist das House of Winterthur viel zu sehr eine heilige Kuh, als dass sie die Situation noch unabhängig beurteilen könnten.»

Einen Teil des Problems sieht Dürr in der «Männerdominanz» beim House of Winterthur. Sie spielt auf die aktuelle Geschäftsleitung an, die noch vor einem Jahr sechs Personen umfasst hat, drei Frauen und drei Männer. Alle Frauen und in einem Fall auch die Nachfolgerin einer Stelle haben in der Zwischenzeit gekündigt.

Nicht erfreuter SVP-Präsident

SVP-Präsident Simon Büchi sagt auf Anfrage, er sei erstaunt über die Probleme beim House of Winterthur, von denen auch er erst letzte Woche über die Medien erfahren habe. Die Vorwürfe seien unerfreulich. «Man muss diese Probleme ernst nehmen, darf aber in diesem frühen Stadium auch nicht dramatisieren.»

FDP-Fraktionschef Urs Hofer nimmt den Vorstand der Organisation in die Pflicht. «Darin sind ja viele Interessensgruppen vertreten, auch die Politik.» Vor einer externen Evaluation sei es nun an diesem Vorstand, die richtigen Fragen zu stellen, so Hofer. «Falls dann gröbere Missstände zu Tage treten, müsste man das ganze aber sicherlich extern anschauen.»

Der ehemalige SP-Präsident Christoph Baumann schrieb auf Facebook zur Kritik am House of Winterthur: «Ich war nie überzeugt von diesem Projekt. Zeit für Bilanz - Zeit für Korrektur.»

Michael Domeisen äusserte sich bisher nicht gegenüber dem «Landboten». Auch angefragte Vertreter des Vorstands aus Wirtschaft, Kultur, Bildung, Tourismus und Politik wollten keine Stellung nehmen, der Lead liege bei Stadtpräsident Künzle.

Erstellt: 23.10.2019, 14:50 Uhr

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