Schulstart

«Es braucht bessere Bedingungen für die Kindergärtnerinnen»

Zwar sind aktuell noch einzelne Stellen in Winterthur ausgeschrieben, doch bis in vier Wochen werden wohl alle Klassen eine Lehrperson haben. Die Suche nach Lehrpersonen für Kindergarten und Heilpädagogik gestaltet sich allerdings schwierig.

Kindergärtnerinnen können sich im Kanton Zürich nur zu 88 Prozent anstellen lassen und sind überdies eine Lohnklasse tiefer eingestuft als Lehrpersonen.

Kindergärtnerinnen können sich im Kanton Zürich nur zu 88 Prozent anstellen lassen und sind überdies eine Lohnklasse tiefer eingestuft als Lehrpersonen. Bild: Christian Beutler

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«Wir konnten die meisten offenen Stellen besetzen», sagt Chantal Galladé (GLP), Schulpflegepräsidentin des Kreises Stadt-Töss. Bei ihr seien aktuell nur noch eine Stelle im Kindergarten sowie einzelne Stunden an der Oberstufe und einer ersten Klasse offen. Ähnlich tönt es in den anderen Winterthurer Schulkreisen.

Trotzdem herrscht bei den Kreisschulpflegen leichte Besorgnis. «Wir spüren, dass es deutlich schwieriger ist Kindergarten-Lehrpersonen zu finden», sagt Galladé. Dies sei vor allem auf die politischen Rahmenbedingen zurückzuführen. Die Arbeitsbedingungen sind wenig attraktiv. Kindergärtnerinnen können sich nur zu 88 Prozent anstellen lassen und sind eine Lohnklasse tiefer eingestuft als Lehrerinnen und Lehrer. Der Einstiegslohn liegt für ein Vollpensum bei rund 86000 Franken. Zudem müssen sie die Pausen ohne Entschädigung durcharbeiten. «Da muss sich etwas ändern, sonst können wir auf lange Frist diese Stellen nicht besetzen», sagt Galladé.

Übergangslösungen nötig

Schwierig präsentiert sich die Situation auch in Winterthur bei den Heilpädagoginnen und Heilpädagogen. «Nicht immer ist es möglich jemanden zu finden, der über die entsprechende Ausbildung verfügt», sagt Christoph Baumann (SP), Präsident in Oberwinterthur. Das bestätigt auch Martha Jakob (GLP), Präsidentin in Seen-Mattenbach: «Eine bisher noch offene Stelle für eine Kindergarten-Heilpädagogin bei einer integrierten Sonderschulung konnte nur dank einer Übergangslösung besetzt werden». Da Vikariate jeweils nur maximal drei Monate dauern dürfen und ohne Festanstellung nicht verlängert werden können, wurde eine interne Übergangslösung eingerichtet.

Eine Klasse zu schliessen ist leichter gesagt als getan.Martha Jakob, Schulpflegepräsidentin Seen-Mattenbach zum Vorschlag, Kinder umzuverteilen.

Das Volksschulamt ist sich der Knappheit bei Heilpädaogischen Lehrpersonen bewusst und empfiehlt darum Schulgemeinden, Lehrpersonen aus Regelklassen für einen Wechsel in die Bereiche Integrierte Förderung oder integrierte Sonderschulung zu motivieren, wenn die Stellen nicht durch ausgebildete Heilpädagoginnen besetzt werden können. Allerdings gilt dann die Auflage, dass bereits im ersten Jahr das Modul Förderplanung absolviert werden sollte. Ohne zusätzliche Ausbildung wird nur in Ausnahmefällen durch das Volksschulamt eine Unterrichtsbewilligung für integrativen Förderunterricht IF für ein Jahr gewährt.

Neue Bezugspersonen

Das hat Auswirkungen auf die betroffenen Kinder, wie Martha Jakob erklärt: «Auch wenn die bisherige Lehrperson für integrative Förderung (IF) während einem Jahr ohne Zusatzausbildung sehr gute Arbeit geleistet hat, darf sie nach kantonalen Richtlinien ohne entsprechende Zusatzausbildung nicht weiter unterrichten. Dies auch nicht, wenn wieder keine ausgebildete Heilpädagogin gefunden werden kann. Kinder müssen in diesen Fällen bereits nach einem Jahr zu einer neuen IF-Lehrperson eine Beziehung aufbauen.» Zudem müsse die neue Lehrperson ihrerseits die Kinder erst kennenlernen, bevor die gezielte Förderung weiter umgesetzt werden könne. «In dieser Thematik würde ich mir Möglichkeiten für eine praxiskompatiblere Übergangslösung wünschen, welche verstärkter das Kind ins Zentrum stellen», sagt Jakob.

Was geschieht eigentlich, wenn sich trotz aller Bemühungen für eine Klasse keine Lehrperson finden lässt? Laut Marion Völger, Chefin des Volksschulamtes, geht das Amt auf Schulleitungen und -verwaltungen mit nicht besetzten Stellen zu und unterstützt sie bei der Lösungssuche. Denkbar seien befristete Lösungen. Zudem gebe es manchmal die Möglichkeit, die Schüler anders zu verteilen, also beispielsweise grössere Klassen zu bilden. «In diesem Fall werden letztlich die überflüssigen Stellen gestrichen», so Völger.

Martha Jakob sagt zu dieser letzten Möglichkeit: «Eine Klasse zu schliessen ist leichter gesagt, als umgesetzt. Denken Sie beispielsweise an die Kindergartenstufe, wo die jüngsten Kinder vier Jahre alt sind, die Klassen bereits jetzt eher zu gross sind und die Schulwege möglichst nah sein sollten.» An einer Klassenauflösung hätten weder die Kinder noch deren Eltern Freude. «Ich würde es sehr begrüssen, wenn sich die kantonalen Anstellungsbedingungen und die Rahmenbedingungen insbesondere für die Kindergärtnerinnen endlich verbessern würden. Wir brauchen dringend zusätzliche Personen auf der Kindergartenstufe, welche diesen hoch anspruchsvollen Beruf ausüben möchten.»

Erstellt: 21.07.2019, 16:30 Uhr

Lehrpersonen dringend gesucht

Rund 130 Lehrerstellen sind rund vier Wochen vor Schulbeginn noch offen. Das Volksschulamt schlägt den Schulen verschiedene Übergangslösungen vor.

Die meisten Lehrerinnen- und Lehrerstellen im Kanton Zürich konnten auf das bald beginnende Schuljahr hin besetzt werden. Laut Volksschulamt präsentiert sich die Situation ähnlich wie im Vorjahr. Es gibt jedoch Problemfelder: Im Kindergarten ist es weiterhin schwieriger, Stellen zu besetzen. An der Sekundarschule dagegen hat die Zahl der offenen Stellen gegenüber dem Vorjahr leicht abgenommen.

Aktuell sind auf dem offiziellen Stellenportal von über 16000 Stellen in der Zürcher Volksschule auf Beginn des Schuljahres noch rund 130 als unbesetzt ausgeschrieben, zudem werden rund 80 Vikare gesucht. Von den noch offenen Stellen bezieht sich fast die Hälfte auf Schulische Heilpädagoginnen und -pädagogen, die Kinder mit besonderen Bedürfnissen fördern: «Hier herrscht wie im Vorjahr ein Mangel», sagt Marion Völger, Chefin des Volksschulamtes.

Sorgen bereitet Völger der Blick in die Zukunft: «Der Bedarf an Lehrpersonen wird in den nächsten 10 bis 15 Jahren noch weiter wachsen. Das können nur alle Beteiligten gemeinsam lösen.»

Ehemalige motivieren

In den Empfehlungen des Volksschulamts zur Rekrutierung von Kindergartenlehrpersonen heisst es etwa, Schulen sollten versuchen, nicht mehr aktiv tätige Kindergärtnerinnen zu einem Wiedereinstieg zu motivieren. Zudem könne man Lehrpersonen auch nach Erreichen der Altersgrenze weiterbeschäftigen, sofern sie das möchten. Und Studierende der Pädagogischen Hochschule Zürich dürfen schon nach dem zweiten Studienjahr dank dem speziellen «Programm 1+1» eine halbe Stelle an einer Regelklasse im Kindergarten übernehmen. Überdies gebe es die Möglichkeit, das gesetzliche Mindestpensum von 35 Prozent in Ausnahmefällen zu unterschreiten.

Bei der Suche nach Heilpädagoginnen empfiehlt das Amt den Schulgemeinden, vor allem in der Primarschule rechtzeitig geeignete Regelklassen-Lehrpersonen auf einen möglichen Wechsel in den Bereich Heilpädagogik anzusprechen. Die Tätigkeit darf vorerst sogar ohne entsprechendes Studium ausgeführt werden – jedoch nur befristet. Das kann zu häufigen Lehrpersonen-Wechseln führen, wie ein Beispiel aus Winterthur zeigt. (mif)

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