Winterthur

«Es hallt nach, es lärmt»

Im Sommer spielten Useless auf der grossen Bühne der Musikfestwochen. Jetzt bringen sie ihr Kurzalbum «Neglect» heraus. Grunge kann auch heute noch schön unbequem sein.

«Ein paar Wochen mit der band im Tourbus, das wärs.» Die Grungeband Useless will sich nun über die Stadtgrenzen hinaus wagen.

«Ein paar Wochen mit der band im Tourbus, das wärs.» Die Grungeband Useless will sich nun über die Stadtgrenzen hinaus wagen. Bild: zvg

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Energiegetriebener Rock tönt aus den Boxen, düster, melancholisch, verzweifelt, dazu eine reibeisen-rauhe Stimme, die nicht nur ein wenig an Kurt Cobain erinnert, dazu sind treibende, ausufernde Instrumentalpassagen wie von Alice in Chains zu hören.

Es tönt nach Grunge aus den musikalischen Untergründen der 1990er-Jahre, nach Holzfällerhemden und Chuck Allstars, nach dem rotzigen Aufbäumen der Rockszene, als der Punk auf den Laufstegen der Designer auftauchte und in den Hochglanzmagazinen gezähmt wurde. Es tönt nach Retro – ist aber ganz neu und frisch und hat seinen Ursprung nicht in Seattle sondern in Winterthur-Grüze. «Neglect» heisst der Träger dieser Klänge des Unmuts, und es ist die zweite EP der Winterthurer Band Useless.

«Wir spielen einfach, was uns gefällt.»Useless

Der Vergleich mit den Grössen des 1990er-Jahre-Grunge passe schon, finden die Bandmitglieder. «Das ist die Musik, die wir selber lieben.» Die Band, das sind Nik Petronijevic, Sänger und Gitarrist, Flurin Wäger, Gitarrist, Sarah Rutschmann, Bassistin, und Lukas Wäger, Schlagzeuger. Sie stellen aber klar: «Wir spielen einfach, was uns gefällt. Und gerade auf der neuen EP hat es auch viele andere Elemente, viel Post-rockiges.»

Negative Emotionen sind gut für die Musik

Was ihnen an dieser Musik gefällt? «Das Rohe, das Brachiale, das Kantige», sagt Rutschmann. «Es hallt nach, es lärmt.» Ihre Kollegen stimme zu. Ist denn die Welt wirklich so düster, wie sie sie beschreiben? «Nein, natürlich nicht», sagt Flurin Wäger und meint lachend: «Aber negative Emotionen lassen sich gut in Musik umwandeln. Unsere Musik zeigt einfach eine Seite der Welt, die traurige, wütende. Ich bin eigentlich ein sehr glücklicher Mensch.» Petronijevic entgegnet lachend und selbstironisch: «Also, ich bin eigentlich schon eher ein trauriger Mensch.»

Useless gibt es seit 2011. Die vier Musiker sind alle um die zwanzig, sie studieren Musik, Ergotherapie, Politik und sind irgendwie im Winterthurer Kulturbetrieb engagiert – als Barkeeper im Salzhaus, als Veranstalter des Sternen Open-Air, als Jurymitglied beim Nachwuchsfestival Band-it.

«Negative Emotionen lassen sich gut in Musik umwandeln.»Flurin Wäger

Sie betonen, Winterthur sei eine super Stadt für junge Musiker, man könne relativ schnell ein gutes Netzwerk aus Bands und Veranstaltern aufbauen, die einen unterstützen und weiterbringen. «Die Booker der Winterthurer Clubs sind sehr offen für neue Bands und gehen auch aktiv auf junge Bands zu», sagt Petronijevic. «Nicht zuletzt dank der Musikfestwochen kommt man als Winterthurer natürlich schon sehr früh mit Livemusik in Berührung», ergänzt Lukas Wäger. «Das wird einem quasi schon als Kind eingeimpft. Auf der grossen Musikfestwochen-Bühne zu spielen, ist der Traum jedes Winterthurer Musikers.»

Die «Wahnsinnsaussicht» von der grossen Bühne

Für Useless ging dieser Traum im Sommer in Erfüllung. An der Winti-Night spielten sie am Freitagabend um acht, sozusagen zur besten Sendezeit, auf der Hauptbühne. Ein absolutes Highlight, findet die Band einstimmig. Petronijevic erzählt: «Ich spiele sonst eigentlich immer mit geschlossenen Augen. Diesmal habe ich sie aber offen gelassen. Ich wollte mir jede Sekunde dieser Wahnsinnsaussicht auf die volle Steinberggasse einprägen.» Und: «Das Schönste war, dass Leute uns wirklich zugehört haben, dass sie nicht nach einem Song weggelaufen sind, und dass es sogar immer mehr wurden.»


 «Auf der grossen Musikfestwochen-Bühne zu spielen, ist der Traum jedes Winterthurer Musikers.»
Lukas Wäger

Trotzdem, man könne das Musikfestwochen-Konzert nicht mit dem Auftritt in einem kleinen Club vergleichen: «Es gibt schon noch andere Auftritte, die ich mehr gefeiert habe. Unsere Plattentaufe im Albani zum Beispiel», sagt Flurin. Wäger. «Es war ein kleinerer Raum, alle waren nur wegen uns dort, die Stimmung war ausgelassen.»

Und was kommt als nächstes? In Winterthur hat Useless inzwischen in allen Live-Clubs gespielt. Die junge Band ist bereit, sich im grösseren Stil über die Stadtgrenzen hinaus zu wagen. Sie wissen aber alle, dass das Zeit braucht: «Eine Tour ist halt organisatorisch etwas kompliziert, gerade weil wir alle neben der Musik noch andere Sachen machen», meint Rutschmann. Lukas Wäger findet: «Eine Tour wäre schön. Einfach mal ein paar Wochen mit der Band im Bus herumreisen. Das stelle ich mir toll vor.» Alle nicken – bis Petronijevic lachend einwendet: «Ich erinnere dich dann an dieses Zitat, wenn wir uns nach zwei Tagen schon auf die Nerven gehen.»


Live: 20.1.2018, 20.30 Uhr, Gaswerk Winterthur. – CD: Useless – Neglect (5 Songs).

(Der Landbote)

Erstellt: 17.12.2017, 16:46 Uhr

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