Energie

«Es ist noch viel Potenzial vorhanden»

Solaranlagen zum halben Preis, damit wirbt eine Genossenschaft in der Region. Nach eineinhalb Jahren und 34 Anlagen zieht sie ein Fazit.

Zusammen anpacken: Durch gegenseitige Hilfe bei der Montage sinken die Kosten für die eigene Solaranlage.

Zusammen anpacken: Durch gegenseitige Hilfe bei der Montage sinken die Kosten für die eigene Solaranlage. Bild: pd

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Im Nordosten von Winterthur ist die Dichte an Solaranlagen sehr hoch, wie eine Recherche des Tamedia-Recherchedesks zeigt (siehe «Landbote» von gestern).

Mit eine Rolle spielt dabei wohl auch die anfangs 2017 in Dinhard gegründete Energiewendegenossenschaft Region Winterthur (ERW). Deren Motto lautet: «Hilfe zur Selbsthilfe». Die Genossenschafter helfen sich gegenseitig bei der Installation, durch Grosseinkäufe kann zu günstigeren Preisen eingekauft werden. Laut Website kostet eine Solaranlage dadurch nur noch rund 10 000 statt bis zu 25 000 Franken.

Jedes Mitglied schuldet der Genossenschaft jeweils die Arbeitsstunden, die für die eigene Solaranlage durch andere Genossenschafter geleistet wurden. Diese können innerhalb von 15 Monaten abgeleistet oder zu einem Ansatz von 70 Franken pro Stunde abbezahlt werden.

«Grosses Bedürfnis»

Projektleiter Josef Frattaroli aus Seuzach sagt: «Wir sind erfolgreich unterwegs.» In den ersten 20 Monaten haben sie 34 Solaranlagen in der Region installiert. «Viele davon in Wiesendangen oder Dinhard», sagt Frattaroli. Die Zahl der Genossenschafter hat sich von anfangs 47 auf 90 fast verdoppelt. Zudem befinden sich derzeit rund 70 Projekte in Bearbeitung. «Nicht alle davon werden auch umgesetzt, teilweise lohnt sich eine Anlage etwa wegen des Standorts nicht», sagt Frattaroli. Trotzdem: «Das Bedürfnis nach günstigeren Solaranlagen ist sehr gross.»

Er teilt die Interessierten in drei Typen ein: «Den technikinteressierten Selbstbauer, Personen mit einem finanziellen Engpass und konventionelle Kunden.» Letztere wollen so eine Alternative zu den Solarfirmen prüfen. «Die Genossenschaft ist somit nicht eine Konkurrenz zu den Solarinstallationsfirmen, sondern eröffnet weitere Kundensegmente», sagt Frattaroli.

Laut den Tamedia-Recherchen lassen sich in Winterthur 2,3 Prozent des Strombedarfs mit Solaranlagen decken. «Der schweizweite Durchschnitt liegt bei drei Prozent. Es ist also noch viel Potenzial vorhanden, wir könnten rasch das zehnfache Volumen erreichen», sagt Frattaroli.

Steuern nachgezahlt

Insbesondere für KMUs, die den gewonnen Strom direkt am Tag verbrauchen können, sieht Frattaroli grosse Einsparmöglichkeiten. «Ganz im Gegensatz zu Personen, die am Tag arbeiten, denn deren Strom geht ins Netz, die Ersparnisse sind so geringer.»

Im ersten Jahr, 2017, lief aber noch nicht alles optimal. «Es hat einen Engpass bei den Planern gegeben.» 2018 habe man deshalb bereits mehr Anlagen installieren können, als dies im gesamten letzten Jahr der Fall gewesen sei. In der Zwischenzeit sind neun Planer ausgebildet, ein Dutzend ist das Ziel.

Die ERW war der erste Ableger der Genossenschaftsidee von Syril Eberhart aus Spiez. Mit deren Unterstützung wurde auch die mehrmonatige Ausbildung für die Planer gestartet. Mittlerweile sind vier weitere Genossenschaften dazugekommen, darunter eine in Hinwil. Zwei zusätzliche sind in Planung. Der Bund fördert das Wachstum der Selbstbauer.

Mit den Gründern aus Spiez tauscht sich die ERW weiterhin aus. «Aktuell sind etwa Steuern ein grosses Thema, wir befinden uns da in einer Grauzone.» So musste die ERW rückwirkend Mehrwertsteuern nachzahlen, weil mit der Montage der Anlagen gemäss Steueramt ein Mehrwert generiert wird. Auch die Berner müssen nun nachzahlen. Die Frage nach der Sozialversicherung der Planer stellt sich ebenfalls. Der Rest der Genossenschaft arbeitet ehrenamtlich.

Erstellt: 06.08.2018, 18:22 Uhr

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