Challenge League

Es konnte nur Doumbia sein

Gemäss Resultat hat der FCW eine Reaktion aufs 0:6 gegen Lausanne gezeigt. Nach dem 1:0 in Vaduz ist mit sieben Punkten aus vier Spielen wieder von einem guten Start zu reden. Die Leistung allerdings war sehr mässig.

Ousmane Doumbia (links), hier gegen Aron Sele, glänzte im Rheinpark nicht nur als einziger Torschütze des Tages.

Ousmane Doumbia (links), hier gegen Aron Sele, glänzte im Rheinpark nicht nur als einziger Torschütze des Tages. Bild: Freshfocus

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Es hatten beide Mannschaften eine Woche zu verarbeiten, die zumal mental einigen Aufwand erforderte. Die Vaduzer traten nur knapp drei Tage nach dem Vereinshöhepunkt gegen Eintracht Frankfurt bei beträchtlicher Hitze zu einem wichtigen Meisterschaftsspiel an – vor gut 1000 Zuschauern statt einem vollen Haus. Die Winterthurer hatten zwar eine gute Woche Zeit nach dem Jahrzehnt-Debakel gegen Lausanne. Aber das war ein Schlag ins Kontor gewesen. Sie drohten den Start zu verpatzen.

Nach 95 Minuten im Rheinpark war zusammenzufassen: Die Liechtensteiner waren zwar mit fünf Neuen in der Startelf angetreten, aber sie fanden sich in keinem Moment zu einer Leistung, die einen Punkt, geschweige denn einen Sieg gerechtfertigt hätte. Und die Winterthurer konnten, bei allem erkennbaren Willen, nicht verbergen, dass manche von ihnen verunsichert wirkten. Diese Schlussfolgerung drängte sich jedenfalls auf. Selbst wenn die prominenten Ausfälle und die deshalb immer wieder nötigen Umstellungen eine Rolle spielen mögen bei der Entwicklung einer Mannschaft, die ihrem Potenzial entsprechende und verlässliche Leistungen bietet. Es wusste auch jeder: Eine weitere Niederlage und wir können das Urteil «Fehlstart» nicht vermeiden.

Die «unfassbare» Chance

Diese Niederlage verhinderten die Winterthurer dann, und es ist auch zu sagen, ihr knapper Sieg sei verdient gewesen. Das war – in absoluter Knappheit –, was sich auf dem Weg dorthin zutrug: eine erste Halbzeit mit genau einer Torszene pro Mannschaft, nach rund einer halben Stunde. Zuerst wars ein Schuss Nuno Da Silvas aus spitzem Winkel, den der Vaduzer Torhüter Benjamin Büchel, der gegen die Eintracht noch gepatzt hatte, sicher abwehrte. Und dann ein 30-m-Schuss Sandro Wiesers, der den Winterthurer Goalie Raphael Spiegel zu einem Sprung in die tiefe linke Ecke zwang. Es war eine erste Halbzeit, die nur eine Prognose zuliess: Das Spiel wird 0:0 enden. In der zweiten Halbzeit tat sich dann doch ein bisschen mehr. Nach diesen 45 Minuten war zu bilanzieren: Der FCW vergab zuerst zwei «sichere» Torchancen und schoss danach das Tor des Tages. Der FC Vaduz hatte, kurz vor dem Gegentreffer, eine klare Torchance. Er vergab sie. Sein Anrennen in der Endphase war dann nicht von der Art, die den Ausgleich gerechtfertigt hätte. Und schon gar nicht stellte es den formstarken Spiegel vor unlösbare Probleme.

Die vergebene Torchance des eingewechselten Vaduzers Mohamed Coulibaly hatte Verteidiger Gabriel Isik mit einem groben Patzer provoziert. Es war sein einziger, aber er hätte fatal sein können. Manche hätten dann gesagt: Typisch, der FCW vergibt zwei klare Chancen und kassiert dann das Gegentor. Die zwei Chancen verdienen genauere Erwähnung: Zuerst konnte Luca Radice nach einem leicht abgefälschten Pass Roman Buess’ alleine aufs Tor ziehen – und schoss weit drüber. Nach 62 Minuten spielten die Winterthurer eine sehr gute, einstudierte Freistossvariante über mehrere Stationen. Buess lief schliesslich alleine auf Büchel zu, umspielte ihn gar und stand vier Meter vor dem leeren Tor. Was er dann tat, wird ihn womöglich noch im nächtlichen Traum beschäftigt haben: Er schoss den Ball am Tor vorbei. Ein zeitgenössischer Fernsehkommentator hätte nach einer solchen Szene wohl fünfmal gejapst: «Unfassbar, einfach unfassbar.»

Doumbia aus 22 Metern

Das entscheidende Tor fiel dann doch für den FCW. Es erstaunte keinen, dass es das Werk Ousmane Doumbias war. Eigentlich konnte es nur der Ivorer sein, der diesen Match entschied. Er war gegen Lausanne genauso unter Form gewesen wie manch anderer. Im Rheinpark war er wieder der Beste auf dem Platz, an diesem heissen Tag spritziger als alle andern. Er fing die Bälle ab, trieb sie nach vorne, er war der Doumbia der guten Tage. Und das will etwas heissen. Als er dann nach einer Flanke Anas Mahamids von links und einem Rückpass Rijad Salijis von rechts aus vollem Lauf schiessen konnte, traf er aus 22 Metern höchst präzis in die tiefe rechte Ecke. Neben ihm waren auch zwei kurz zuvor eingewechselte Spieler beteiligt. Trainer Ralf Loose konnte hinterher also denken, er habe gut gewechselt. Es war auch nicht schlecht, als Linksverteidiger gegen den schnellen Coulibaly den schnelleren Enrique Wild für den nach seinem ersten Saisonstart entkräfteten Tobias Schättin zu bringen. Loose, nach einer schwierigen Woche offensichtlich erleichtert, hob hinterher hervor, das sei eine «grosse Willensleistung» seiner Mannschaft gewesen. Natürlich war auch ihm nicht entgangen, «dass wir gerade in der ersten Halbzeit viele Fehler hatten». Das gehörte erwähnt, denn es war teilweise geradezu enervierend, wie viele «leichte» Unzulänglichkeiten den Winterthurern unterliefen. Deshalb konnten sie auch viel zu selten ausspielen, was doch der offensichtliche Eindruck war: dass sie eigentlich die bessere Mannschaft waren, die diesen Vaduzern schon durch zwei, drei «sichere» Pässe hätte gefährlich werden können. Das schafften sie dreimal, bei den «Hundertprozentigen» beim Tor.

«Wichtig war», fügte der «Vaduzer» Loose noch an, ehe er sich zu Fuss auf seinen Heimweg machte, «dass wir die Null halten konnten. Denn es wäre schon sehr kompliziert geworden, wenn wir nach den vergebenen Chancen das 0:1 kassiert hätten.» In der Lage, in die sich seine Mannschaft mit dem 0:6 gegen Lausanne manövriert hatte, seien «vor allem die Punkte wichtig – und eben: wie alle kämpften». Dass Loose gerne hätte, dass die Personalsituation durch einen weiteren Transfer entschärft würde, machte er auch noch deutlich.

Granit Lekajs Rückkehr

Abwehrchef Sead Hajrovic fällt nun noch ein paar Wochen aus, Leader Davide Callà ebenso. Der als Ersatzmann kurzfristig geholt Mario Bühler fehlte ebenfalls. Dafür hat sich nach – fast auf den Tag viermonatiger – Verletzungspause im Abwehrzentrum Granit Lekaj zurückgemeldet. Mit einer von Routine geprägten, nahezu fehlerfreien Leistung – im Stil eines Routiniers eben. Aber das war erst mal ein Spiel. Und dann gibt es, im zentralen Mittelfeld, auch noch Gjelbrim Taipi, der Mühe hat, in die Gänge zu kommen. Er war als Partner Doumbias besser als gegen Lausanne. Aber er zeigte noch immer nicht die Verlässlichkeit, die ein «Sechser» haben muss.

Immerhin, zumindest optisch hat sich die Lage des FCW verbessert. Er hat im «Ländle» nach Punkten getan, was möglich war. Er hat eine Reaktion und auch Charakter gezeigt. Die Stimmung wurde dadurch erheblich aufgehellt. YF Juventus ist am kommenden Samstag im Juchhof beim Bahnhof Altstetten eine Pflichtaufgabe. Es folgt der Auftritt gegen die Grasshoppers, die gewiss keine unerreichbare Grösse sind. Mit noch zwei Punkten Vorsprung auf den FCW sind sie es auch in der Tabelle nicht mehr. Aber nach dem Spiel gestern ist vor allem eines zu sagen: Der FCW muss froh sein, in diesem heiklen Moment gewonnen zu haben gegen einen Gegner aus der Europa League, der ihm dazu die Gelegenheit vor die Füsse legte. Es war, das sei auch noch gesagt, das erste Mal, dass der FCW in dieser Saison in Führung ging. Und zum ersten Mal hielt er danach «die Null».

Erstellt: 11.08.2019, 23:22 Uhr

Telegramm

FC Vaduz - FC Winterthur 0:1 (0:0)
Rheinpark. – 1400 Zuschauer. – SR Piccolo. – Tor: 74. Doumbia 0:1. – Vaduz: Büchel; Gasser (79. Milinceanu), Yannick Schmid, Simano; Dorn (81. Göppel), Wieser (60. Prokopic), Sele, Antoniazzi; Cicek, Noah Frick (52. Coulibaly), Schwizer. – FCW: Spiegel; von Niederhäusern, Isik, Lekaj, Schättin (58. Wild); Taipi, Doumbia; Radice (69. Saliji), Sliskovic (88. Marc Schmid), Nuno Da Silva (69. Mahamid); Buess. – Bemerkungen: Vaduz ohne Lüchinger, Gajic, Sutter und Drazan (verletzt); der Moldauer Nicolae Milinceanu nach seiner ersten Einwechslung Sturmspitze, Cicek im Mittelfeld, dahinter eine Viererabwehr. – FCW ohne Bühler, Hamdiu, Roth, Callà (verletzt) und Hajrovic (krank); Marc Schmid nach seiner Einwechslung rechter Aussenläufer, FCW mit einer Fünferabwehr. – Verwarnungen: 23. Sele (Foul). 25. von Niederhäusern (Foul). 40. Gasser (Foul). 57. Antoniazzi (Foul). 61. Dorn (gefoult worden …). 82. Miliceanu (Foul). 92. Mahamid (Foul). 93. Lekaj («Foul»).

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