Kulturnacht

«Es macht den Reiz aus, dass man auch etwas verpasst»

Beim Kulturbau-Geschäftsführer Pascal Mettler laufen seit einem Jahr die Fäden für die Kulturnacht Winterthur zusammen. Sieben Stunden lang gibt es ungewöhnliche Begegnungen in Museen und weiteren Kulturinstitutionen. Die eingeladenen Künstler bieten ein einmaliges Programm.

Volles Programm bei der Kulturnacht - die Performance des chinesischen Künstlers Tianzhuo Chen ist nur eines der vielen Highlights.

Volles Programm bei der Kulturnacht - die Performance des chinesischen Künstlers Tianzhuo Chen ist nur eines der vielen Highlights. Bild: Jonas Reolon / zvg

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Heute hat Winterthur wieder Gelegenheit, eine Kulturnacht zu erleben. Aber um 23 Uhr ist bereits Schluss. Warum wird das Trottoir so früh hochgeklappt?
Pascal Mettler: Man wollte die Nacht nicht überstrapazieren. Die Veranstaltungen fangen schon um 16 Uhr an, wobei in den ersten Stunden bewusst ein familienfreundliches Programm gezeigt wird. Jede volle Stunde kann man in einem der Museen einen Event erleben – da wird doch viel geboten.

Dies ist bereits die zweite Durchführung. Wird die Kulturnacht zur Institution?
Sie ist aus dem Kulturherbst 2013 der IG Kunstsammlungen hervorgegangen und 2015 haben wir dann die erste Kulturnacht veranstaltet. In der Tat ist geplant, sie alle zwei Jahre stattfinden zu lassen, auch mal länger, bis in den frühen Morgen oder für zwei Tage. Die Form darf sich noch weiterentwickeln. Es war der Wunsch der Museen, einen Aktionstag mit anderen Kulturschaffenden zu gestalten. So kreieren eingeladene Kulturinstitutionen selber oder mit ihren Künstlern ganz besondere Auftritte an 15 verschiedenen Orten.

Es sind also Erlebnisse, die man «nur einmal im Leben» haben kann.
Ja, das ist so. Und besonders reizvoll ist, dass jede Institution ihr eigenes Programm zusammengestellt hat. Es machte sehr viel Spass, mit der Programmgruppe zusammen die Ideen und Menschen zu koordinieren.

Aber auch das macht viel Arbeit.
Seit letztem Herbst waren wir in der Vorbereitung. Die Programmgruppe besteht aus Daniela Zingg vom Naturmuseum, Konrad Bitterli vom Kunstmuseum, Benedikt Zäch vom Münzkabinett und mir. Der erste Schritt war, einen Veranstaltungstermin zu fixieren, der allen passt.

Die Angebote sind so bemerkenswert, dass es mancherorts zu Überfüllung kommen könnte. Wenn Lara Stoll in der Stadtbibliothek spricht, eine Tänzerin in der Sammlung Oskar Reinhart «Am Römerholz» Degas’ Balletteusen interpretiert oder der Musiker Nico Fehr in der Alten Kaserne zu Kurzfilmen improvisiert, fragt man sich, ob man auch reinkommt.
Es stimmt, letztes Mal war es bereits überall sehr gut besucht, und wir hoffen, dass wieder grosses Interesse herrscht. Die einzelnen Gastgeber lassen auf einer «First come, first serve»-Basis hinein; man kann nicht reservieren. Wer etwas unbedingt sehen möchte, wird wohl etwas früher kommen müssen.

Die Stadtführung zu Oskar Reinhart ist schon lange ausgebucht.
Wir hatten sie letztes Mal bereits angeboten und auch da gingen die Plätze schnell weg, sodass wir sie wieder ins Programm genommen haben. Es macht aber auch den Reiz der Kulturnacht aus, dass man nicht alles sehen kann und etwas verpassen muss! Wir denken, das mobilisiert die Leute.

Haben die Besucher einen Plan oder flanieren sie eher?
Man hat wahrscheinlich schon vorher gut überlegt, was man sehen will. Es ist aber auch sehr gut möglich, sich treiben zu lassen und spontan die Orte zu besuchen. Die Museen bleiben den ganzen Abend über offen und das lädt dazu ein zu verweilen.

Was wird denn gastronomisch aufgefahren?
Die Bistros der Häuser sind geöffnet und manche Veranstalter werden auch nach den Aktionen noch etwas anbieten. So arbeitet zum Beispiel das Museum Oskar Reinhart mit dem «Portier» vom Lagerplatz zusammen.

Mit zehn Franken für das Eintrittsband ist der Anlass sehr moderat gepreist.
Das Ziel der IG Kunstsammlungen ist auch, neue Besucher zu gewinnen. Da sollte der Eintrittspreis kein Hinderungsgrund sein.

Wie viele Besucher erwarten Sie und deckt das die Kosten?
Wir rechnen mit 1000 bis 1200 Eintritten, circa einem Fünftel mehr als 2015. Es wäre schön, wenn wir das zustande brächten. Wir haben ja auch mehr Gast­geber dieses Mal; neu das Kino Cameo, die Villa Sträuli und die Stadtbibliothek. Die IG Kunstsammlungen möchte etwas bieten und konnte für die Finanzierung Unterstützer wie die Stadt Winterthur und die Volkart-Stiftung gewinnen. Zusammen mit dem Eintrittserlös sollte das aufgehen. Das ist eben das Schöne: Winterthur hat noch die richtige Grösse für solche Anlässe.

Und wo werden Sie denn selbst hingehen?
Ich mag Interaktives, wo man mitmachen kann. Deshalb finde ich «The Hobbyist» vom Fotomuseum sehr amüsant. Man kann mit einem digitalen Bild von seinem Hobby erscheinen, und das wird dann auf ein T-Shirt gedruckt. Bis 18 Uhr und solange der Vorrat reicht, ist das möglich – wurde mir versprochen. Wenn jeder «Hobbyist» dann sein T-Shirt trägt, wird er selbst ein Teil der Ausstellung.

Ich hoffe hingegen, bei der Performance des chinesischen Künstlers Tianzhuo Chen dabei sein zu können.
Genau, denn in der Kunsthalle kann man danach noch über 23 Uhr hinaus feiern und chillen.

(Landbote)

Erstellt: 23.09.2017, 10:30 Uhr

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