FCW

Es muss sehr, sehr viel besser werden

Seit vor sechs Jahren die Zehnerliga eingeführt wurde, war der FCW nie auch nur annähernd so schlecht wie in dieser Spielzeit 2017/18. Er hinterliess auf allen Ebenen einen Eindruck, der dringend verbessert werden muss – sonst muss er sich mit dem Abstieg befassen.

Und immer wieder jubelte der Gegner: Wils Michael Gonçalves beim 3:0-Sieg seiner Mannschaft im April auf der Schützenwiese.

Und immer wieder jubelte der Gegner: Wils Michael Gonçalves beim 3:0-Sieg seiner Mannschaft im April auf der Schützenwiese. Bild: Heinz Diener

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Die Zahlen zum Thema mal vorneweg: Platz 9 ist die mit Abstand schwächste Klassierung in sechs Jahren Zehnerliga. In der nationalen Hierarchie schlechter stand der FCW zuletzt 2010/11 als 13., als er sich erst in der zweitletzten Runde vor dem Abstieg aus der 16er-Liga rettete. Aber selbst damals war der Punkteschnitt (1,06) besser als diesmal (0,88 pro Spiel). Dazu passt, noch im Spätsommer, das Scheitern im Cup gegen die SR Delémont aus der 1. Liga.Geradezu grausam war die Bilanz im vergangenen Herbst, nur zwölf Pünktchen aus 18 Spielen. Da waren die 20 Zähler im Frühjahr schon eine Steigerung. Zum einen wird diese relativiert durch das nach Wohlens angekündigtem Abstieg verminderte sportliche Gewicht; zum andern wurde sie erreicht mit einem nominell nach den Abgängen Tobias Schättins und Robin Husers geschwächten Kader. Die 20 Punkte des Frühjahrs sind zwar keine beeindruckende Zahl, aber mit den daraus hochzurechnenden 40 Punkten in der Schlussrangliste hätte es für Platz 7 gereicht. Das wäre einigermassen gewesen, was Realisten zu Saisonbeginn für den FCW gesehen hatten – nämlich im «Normalfall» Platz 6.

Es muss also einiges schiefgelaufen sein. Die Mannschaft war entweder nicht so gut wie manche – bis hin zu Trainer Umberto Romano – zu Saisonbeginn dachten. Oder es wurde zu wenig aus dem vorhandenen Potenzial herausgeholt. Oder beides. Fakt ist, dass nie eine Mannschaft auf dem Platz stand, die auch nur halbwegs konstant gespielt hätte. Nur sieben Spiele gewonnen zu haben, von den 18 im Herbst gar nur zwei – das ist grausam wenig. Keine zwei Siege hintereinander sind ein Zahlenbeispiel, das sehr viel aussagt.

Kaum Führungspersonal

So kann – zumal im Verhältnis zu den ursprünglichen Vorstellungen – nur abschneiden, wem auch in der Personalwahl schon einiges danebengegangen ist. Es ist klar zu sagen, dass dieses FCW-Kader zu wenig an Spielerpersönlichkeiten hatte, zu wenig zusammenpasste. Oliver Kaiser, der Leiter Sport, trägt dafür natürlich wesentliche Verantwortung. Er sagt: «Ich glaube, dass wir bei der individuellen Qualität der Spieler nicht weniger hatten als andere Klubs. Aber unser Kader hat als Gruppe zu wenig zusammengefunden.» Wenn Romano im Sommer «Charakterköpfe» forderte, dann ist das eindeutig nicht gelungen. Und welche, die als Führungsspieler gedacht waren, boten insgesamt zu wenig – aus welchen Gründen auch immer. Wie Silvio, der anfangs wegwollte, oder Kreso Ljubicic, der zu oft verletzt war, aber auch Jordi Lopez, der die Anforderungen an einen Abwehrchef zu wenig erfüllte.

Romanos Nachfolger Livio Giovanni Silvio Bordoli, so sein voller Name, hat unter den speziellen Umständen ordentliche Arbeit geleistet. Zuerst gut, später aber auch durch seinen bevorstehenden Abgang beeinträchtigt. Es ist nun sehr wichtig, dass Kaisers Personalentscheide für die kommende Saison, die zweite unter seiner Federführung, passen. Die einen sind gefallen: Trainer wird Ralf Loose, als Führungsspieler eingeplant sind Davide Callà (er vor allem) und Sead Hajrovic. Als neuer Torhüter ist Raphael Spiegel vorgesehen. Womöglich muss ein Nachfolger für Stürmer Silvio gesucht werden. Einen Linksverteidiger braucht es in jedem Fall auch noch.

Loose, der Neue auf der Bank, will als erstes «am Mittelfeld andocken». Er hat natürlich gesehen, dass noch sehr viel zu tun ist. Ein hierarchisch besser gegliedertes Team müsste sich unter ihm zusammenfinden und es dürfte auch ein führungsmässig ein etwas schärferer Wind wehen, etwa zum Thema Disziplin im Alltag.

Ein Teufelskreis

Dass der FCW so schlecht steht wie jetzt, ist zwar für die Neuzeit ein Ausschlag nach unten. Aber daran gewöhnt hat man sich, in den Bilanzen zu sagen: Jetzt müsse «ein Umbruch her» (Sven Christ 2016) oder «wir brauchen Charakterköpfe» (wie eben Romano 2017). Immer wieder war von mangelnder Mentalität die Rede – aus diesem Teufelskreis kommt der FCW also seit Jahren nicht mehr. Im Gegenteil.

Man muss in diesem Zusammenhang halt auch daran erinnern, dass der FCW mit der Keller AG zwar einen hundertprozentigen Besitzer hat, aber noch immer keinen Präsidenten und mit Mike Keller einen nicht eben präsenten Vizepräsidenten. Derlei wirkt sich auch auf den Alltag des Geschäftsführers Andreas Mösli und Kaisers aus. Es erschwert eine längerfristige Planung, von den oft genannten «Visionen» ganz zu schweigen. Um nur ein Beispiel zu nennen. Am 16. November formulierte Mike Keller im «Landboten»: «Wir sind in intensiven Verhandlungen mit einem ausländischen Klub, der eine ähnliche Philosophie und Kultur lebt wie wir. Diese Zusammenarbeit wäre einmalig für beide Klubs und ginge über eine normale Kooperation hinaus.» Bis heute ist zumindest offiziell nicht bekannt, was daraus geworden ist. Noch ist keine schlüssige Antwort auf der Schützenwiese eingegangen ... (Der Landbote)

Erstellt: 22.05.2018, 21:37 Uhr

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