Bauma

Fachsimpeln zwischen Wasserdampf und Kühlergrill

Beim Oldtimertreffen in Bauma teilten sich 200 Automobile rund 100 Standplätze.

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Ein schrilles Pfeifen schallt durch die historische Bahnhofshalle. Die alte Lok setzt sich in Bewegung und hüllt das Perron in weissen Nebel. So weit, so normal. Zumindest für Bauma, wo die Museumszüge des Dampfbahn-Vereins Zücher Oberland (DVZO) zwischen Mai und Oktober jeden ersten und dritten Sonntag im Monat fahren.

Platznot auf dem Parkplatz

Aussergewöhnlich ist, was sich auf dem Parkplatz nebenan abspielt. Zur Feier des 50-Jahr-Jubiläums lädt der DVZO zum Oldtimertreffen und die Automobilisten lassen sich nicht zweimal bitten. Rund 200 von ihnen haben sich auf den Weg nach Bauma gemacht. Zwar haben einige Teilnehmer wegen des Regens am frühen Morgen abgesagt, doch viele sind auch unangemeldet gekommen. Sie erhalten jetzt je zwei Tickets für eine historische Zugfahrt.

Schon Vormittags werden die Stellplätze knapp, was DVZO-Mitglied Kim Nipkow bedauert: «Da kann man ja fast nicht Nein sagen», sagt der Architekturstudent in Bähnleruniform beim Anblick der heranfahrenden Autos – und muss es dann eben doch tun. Zusammen mit Organisator Lukas Trüb verweist er sie auf den Kiesplatz nebenan. Alles in allem werden die 100 Stellplätze im Laufe des Tages doppelt belegt.

Entsprechend gross ist die automobile Vielfalt: Angefangen bei den klassischen Amischlitten bis hin zum VW-Bus mit Hawaiikette am Rückspiegel ist alles da. Ab und zu erzählt ein Zettel im Fenster die Geschichte des Wagens: Etwa die von Luigi, einem russischen Lada (1984) aus Tolyatti, modifiziert für sowjetische Strassen und zuletzt fit gemacht für Schweizer Pässe.

Mit dem Dodge zum Beck

Auch Anita Sabina Weber kennt die Geschichte ihres roten Dodges mit Baujahr 1963 – allerdings nicht im Detail. Der Wagen gehörte einer 94-jährigen Amerikanerin, legte nur rund 43000 Kilometer zurück und musste noch nie restauriert werden: «Wahrscheinlich ging die Frau damit nur Brot einkaufen», vermutet Weber und schmunzelt.

Dass die Wetzikerin alle Augen auf sich zieht, liegt nicht nur an ihrem Auto, sondern auch an ihrer Aufmachung: Sie trägt ein kariertes Kleid, roten Lippenstift sowie einen Hut und eine Tasche aus Stroh. Passend dazu trägt ihr Freund Latzhose und Ballonmütze. Die beiden bewegen sich in der Rock-n-Roll-Szene; der Oldtimer ist primär ein Ausdruck ihrer Vorliebe für die Fünfziger- und Sechzigerjahre.

Traktoren aller Grössen

Kurt Hürlimann trat vor 45 Jahren dem DVZO bei und sammelt ebenso lange alte Landmaschinen. So machte er sich gestern in aller Frühe mit zwei Traktoren (einer im Schlepptau) und 15 Kilometern pro Stunde auf den Weg. Gefertigt wurden sie 1934 und 1944 von der Schweizerischen Lokomotiv- und Maschinenfabrik in Winterthur. Zwei Stunden brauchte er von Oetwil am See nach Bauma.

Ebenfalls mit Traktoren angereist ist Kurt Schwarzer von den Model Road Steam Friends. Allerdings haben diese den Masstab eins zu zwei und werden mit Dampf angetrieben. Seit fünf Jahren sind Dampftraktoren Schwarzers Hobby, für den Bau des letzten Modells hat er fünf Jahre gebraucht: «Obwohl mir das Bauen mehr sagt als das Fahren, schätze ich es, den Kindern die alte Technik vorzustellen.»

Erstellt: 21.07.2019, 17:58 Uhr

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