Rhein

Fähre muss Untiefen im Rhein ausweichen

Wegen der Trockenheit tauchen im Rhein grosse Steine und Kiesbänke auf. Die Fährleute von Ellikon weichen den Hindernissen aus.

Das Fährschiff «Rüedifaar» verkehrt zwischen Ellikon am Rhein und Deutschland und nutzt dazu die Strömung des Flusses.

Das Fährschiff «Rüedifaar» verkehrt zwischen Ellikon am Rhein und Deutschland und nutzt dazu die Strömung des Flusses. Bild: Marc Dahinden

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Das letzte Mal mussten Rosa und Hans Zürcher den Fährbetrieb in Ellikon im September 2003 einstellen, weil der Rhein zu wenig Wasser führte. Und diesen Sommer? Für etwa zweieinhalb Wochen zwischen Mitte August bis zur ersten Septemberwoche blieb die Elliker Fähre auch wieder am Schweizer Ufer.

Wegen des schönen Herbstwetters haben die Fährleute danach den Betrieb wieder aufgenommen. Dies, obschon der Wasserstand des Rheins inzwischen wieder etwa so niedrig ist wie Ende August. Anfang September stieg der Pegel bis etwa Mitte Monat zuerst an, seither sinkt er wieder – wenn auch mit ein paar kleineren Schwankungen. Gestern flossen gerade einmal noch rund 190 Kubikmeter Wasser den Rhein hinunter. Zum Vergleich: Nach dem Hitzesommer vor 15 Jahren fiel dieser Wert am 30. September 2003 auf nur noch 162 Kubikmeter. Und vor einem Jahr führte der Rhein 436 Kubikmeter Wasser.

Gewicht nach hinten verlagern

Die Fähre bei solchem Niedrigwasser zu lenken, sei «kein Kinderspiel», sagt Rosa Zürcher. Nahe am Elliker Ufer gebe es praktisch keine Strömung – der Rhein sei wie ein See.

Warum ist das so? Ellikon liegt auf der Innenseite einer Flusskurve, dem sogenannten Gleithang. Dort lagern sich Sedimente ab, also Kies und Sand. Dadurch ist das Wasser sowieso schon nicht besonders tief – und noch weniger bei Niedrigwasser. Das bedeutet, dass auch die Strömung schwächer ist, welche die Fähre nutzt: Sie gleitet an Stahlseilen über den Rhein, wobei sie die Strömung des Flusses nutzt wie ein Segelschiff den Wind. Ist diese schwach, kann die Fähre nur langsam vom Ufer ablegen.

«Das ist kein Kinderspiel.»Rosa Zürcher, Fährfrau

Weiter draussen im Rhein Richtung deutsches Ufer nehmen die Wassertiefe und die Strömung zwar wieder zu. Dort liegt die Aussenseite der Flusskurve, der sogenannte Prallhang. Doch auf dem Weg dorthin warten wegen der diesjährigen Trockenheit andere Hindernisse auf die Fähre: eine Kiesbank und grosse Steine. Da mussten sich die Passagiere schon einmal ganz nach hinten setzen, damit die Fähre vorne nicht auf Kies auflief, erzählt Rosa Zürcher. Auch sei ihr Mann in den Fluss gestiegen, um wenigstens die kleineren Steine aus dem Weg zu räumen – die grossen Brocken sind zu schwer und ruhen somit weiter auf dem Grund des Rheins und müssen umschifft werden.

Nächsten Montag, 15. Oktober, ist für dieses Jahr Schluss. Dann endet die diesjährige Saison der Elliker Fähre, die am 1. April 2019 von Neuem beginnt.

(Der Landbote)

Erstellt: 10.10.2018, 18:05 Uhr

Wasserkraft

Am Hochrhein zwischen Bodensee und Basel gibt es 13 Flusskraftwerke zur Stromgewinnung. Das dafür genutzte Gefälle des Rheins beträgt auf dieser Strecke 150 Meter. In der Region gibt es bei Schaffhausen, Rheinau und Eglisau/Glattfelden solche Laufkraftwerke. An den letzten beiden Werken ist die Axpo beteiligt. Aktuell ist die Stromproduktion wegen der tiefen Pegelstände tiefer als im September 2017. «Im Kraftwerk Eglisau-Glattfelden war die produzierte Strommenge im Monat September beispielsweise gut 45 Prozent tiefer als in derselben Periode im Vorjahr», sagt Axpo-Sprecherin Monika Müller. Es müsse aber berücksichtigt werden, dass die Wassermenge im Monatsvergleich über die Jahre hinweg «immer grossen Schwankungen unterliegt». So haben laut Müller die Axpo-Kraftwerke Anfang Sommer 2018 aufgrund der hohen Pegelstände eine überdurchschnittliche Stromproduktion verzeichnet. Betrachtet man die online abrufbare Kurve des Pegelstandes des Rheins bei Neuhausen, so sind auffällige Sprünge innerhalb dieser Kurve zu erkennen. Auch Rosa Zürcher, Fährfrau von Ellikon am Rhein, beobachtet teilweise Schwankungen des Wasserstandes von über zehn Zentimetern innerhalb nur eines Tages. Betrachtet man die Kurve, ist die Schwankung meist zwischen Mitternacht und morgens um sechs Uhr am grössten: Um 12 Uhr nachts ist der Pegelstand am höchsten, dann fällt er gegen Morgen stark – weil das zuvor gestaute Wasser jetzt durch die Turbinen gelassen wird, um den Strombedarf der aufwachenden Bevölkerung zu decken. mab

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