Landwirtschaft

Feuerbrand verliert seinen Schrecken

Vor 30 Jahren wurde in Oberstammheim erstmals die gefährliche Pflanzenkrankheit Feuerbrand entdeckt. Später fielen dem Erreger schweizweit Tausende Obstbäume zum Opfer. In diesem Jahr gab es aber in der Region noch keinen einzigen Fall.

Die durch Bakterien verursachte Pflanzenkrankheit Feuerbrand befällt vor allem Kernobstbäume.

Die durch Bakterien verursachte Pflanzenkrankheit Feuerbrand befällt vor allem Kernobstbäume. Bild: PD

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Im August 1989 versetzte eine Nachricht die Obstbauern in der Region in Angst und Schrecken. Denn zum ersten Mal stiess man in der Schweiz auf Feuerbrandbakterien, die vor allem Kernobstbäume, aber auch Zier- und Wildhölzer befallen (siehe auch Kasten). Betroffen war eine Böschung mit der Zierpflanze Cotoneaster in Oberstammheim. Die Fachstelle für Pflanzenschutz am Strickhof in Lindau hatte die Pflanze zwar umgehend gerodet. Doch die schweizweite Verbreitung der Krankheit war dennoch nicht mehr aufzuhalten.

Über 400000 Bäume gefällt

Der Feuerbrand, der sich gerne bei warmem und feuchtem Wetter während der Blüte ausbreitet, wütete hierzulande insbesondere von 2000 bis 2007. Bund und Kantone ordneten damals die Rodung befallener Bäume an. Das Jahr 2007 gilt als eigentliches Katastrophenjahr. Zehntausende Bäume fielen damals der Pflanzenkrankheit zum Opfer. In den letzten Jahrzehnten mussten insgesamt über 400000 Obstbäume gefällt werden. Vorwiegend Apfel-, Birn- und Quittenbäume.

Betroffen vom Feuerbrand waren 2007 auch viele Obstbäume in Elsau. «Wir mussten aber damals zum Glück nur wenige Bäume roden», erinnert sich Bäuerin Monika Wittwer-Gutknecht. «Wir haben die Krankheit vor allem in den Griff bekommen, indem wir Äste rausgeschnitten haben.» In den Folgejahren hätten sie zwar keinen Feuerbrand mehr festgestellt. «Aber wir bleiben auf der Hut und kontrollieren die Obstbäume jedes Jahr intensiv», sagt Wittwer-Gutknecht.

Hoher Aufwand

Die genaue Kontrolle seiner Bäume ist auch für Obstbauer Martin Kupper in Elgg das A und O. Seit er vor einigen Jahren in seiner 1,4 Hektaren grossen Obstbaumanlage Feuerbrand festgestellt hatte, ist er entsprechend sensibilisiert. Einen Ernteverlust musste er zwar damals nicht erleiden, «aber dafür war der arbeitstechnische Aufwand enorm gross». So musste Kupper jeden einzelnen seiner 1500 Bäume kontrollieren. Bei vielen hatte er damals einen sogenannten Rückriss gemacht. Statt dass er also die Bäume zurückschnitt, riss er die betroffenen Äste ab. «Denn es bestand die Gefahr, dass die Feuerbrandbakterien durch die Schneidewerkzeuge weiter übertragen werden.»

«Wir bleiben auf der Hut und
kontrollieren die Obstbäume jedes Jahr intensiv.»


Monika Wittwer-Gutknecht, Obstbäuerin in Elsau

In den letzten Jahren ist die Zahl der Feuerbrandinfektionen auch in den Bezirken Winterthur und Andelfingen massiv zurückgegangen. Im laufenden Jahr ist in der Region noch kein einziger Fall dieser bis jetzt meldepflichtigen Krankheit registriert worden. Das letzte Mal war dies vor über zwanzig Jahren der Fall. Feuerbranderkrankungen hat man im Kanton bis Ende Juli einzig in den Gemeinden Rüti, Dürnten, Hombrechtikon und Zollikon festgestellt.

«Nach unserer Einschätzung hat sich die Bekämpfungsstrategie der letzten Jahre bewährt», sagt David Szalatnay von der Fachstelle Obst am Strickhof. Im Gegensatz zu früher stehe heute nicht mehr die Rodung der Bäume im Vordergrund. «Wir wissen inzwischen, dass Apfelbäume mit wenig Befall problemlos durch korrekten Rückriss der befallenen Stellen gerettet werden können.» In Gemeinden, die nicht als Befallszonengemeinden gelten, muss gemäss Vorgabe des Bundes jede Pflanze mit Feuerbrand gerodet werden. Da es aber laut Szalatnay keinen Sinn macht, Bäume zu fällen, die gerettet werden können, sind ab diesem Jahr alle Gemeinden im Kanton Zürich in Befallszonen umgeteilt worden. Und da sich der Feuerbrand nicht ausrotten lässt, wird er in der Schweiz ab 2020 den Quarantänestatus verlieren. Geplant ist, ab dann auch die Meldepflicht abzuschaffen.

Erstellt: 04.08.2019, 16:26 Uhr

Bakterienkrankheit

Der Feuerbrand ist eine Bakterienkrankheit, welche sich während der Blüte seuchenartig ausbreitet und vor allem Kernobstbäume befällt. Das Krankheitsbild äussert sich unter anderem dadurch, dass Blätter und Blüten sich braun oder schwarz verfärben. Der Einsatz des Antibiotikums Streptomycin gegen die Krankheit ist seit 2016 verboten. Als Alternative dazu werden heute vor allem Kupfer- und Hefepräparate verwendet. (tm)

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