Rheinau

Filmdreh neben Klosterglocken

Auf der Musikinsel in Rheinau dreht das Schweizer Fernsehen während vier Tagen Teile für die historische Dramaserie «Frieden». Dabei achtet die Filmcrew darauf, dass alles möglichst authentisch ist.

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«Ihfädle, alli Schauspieler zrugg as Set!», ruft eine Regieassistentin den drei Männern zu, die gerade ihren Kaffee aus Pappbechern schlürfen. Viel Zeit für Pausen bleibt den Darstellern der Serie «Frieden» nicht. Während vier Tagen laufen auf der Musikinsel Rheinau die Dreharbeiten für die sechsteilige Serie von SRF in Zusammenarbeit mit der Schweizer Produktionsfirma Zodiac Pictures und in Koproduktion mit Arte.

Die drei Schauspieler, die ihren Kaffee in Rekordzeit heruntergekippt haben, tragen alle einen Anzug. Ihre Kleidung verrät, dass es sich bei dieser Serie um ein historisches Projekt handelt. Der Zeitraum des Geschehens ist die Nachkriegszeit des Zweiten Weltkriegs. «Das braucht viel Vorbereitungszeit», sagt Michael Schaerrer. Er ist der Regisseur der Schweizer Serie und hat schon bei Filmen wie «Stationspiraten» oder «Die kleine Hexe» Regie geführt. «Frieden» ist seine erste Serie, mit der er sich nun eineinhalb Jahre befasst.

Kein Schwarzweiss

Das Drehbuch stammt von Petra Volpe, die bereits vor neun Jahren mit dem Projekt begonnen hat. «Es hat sich von einem Spielfilm zur Serie entwickelt», sagt Schaerrer. Mit einer Serie habe man den Vorteil, dass sich die Charaktere über eine längere Zeit entwickeln können. «Wir wollen zeigen, dass nicht alles schwarzweiss ist.» Jeder Charakter handle aus einem Grund, deshalb gebe es in der Dramaserie keinen wirklichen Bösewicht. «Als Regisseur ist es meine Aufgabe, jeden Charakter zu lieben und zu verstehen.» Die Schweizer Schauspieler Max Hubacher, Annina Walt und Dimitri Stapfer schlüpfen in die drei Hauptrollen, die ab Herbst im Schweizer Fernsehen und auf Arte zu sehen sein werden.

Die Dreharbeiten finden im dem Klosterteil statt, der direkt an die Klosterkirche grenzt, was sich nicht immer als idealer Standort herausstellt. Denn eigentlich bewegen sich während des Drehs alle so leise wie möglich, um die Hintergrundgeräusche auf das Minimum zu reduzieren: Treppen werden nur auf Zehenspitzen gelaufen und Türen nur mit höchster Vorsicht geschlossen. Doch die Kirchenglocken machen der Filmcrew manchmal einen Strich durch die Rechnung. Alle Viertelstunden geben diese die Uhrzeit an und stören so die Tonaufnahmen.

«Als Regisseur ist es meine Aufgabe, jeden Charakter zu lieben und zu verstehen.»Michael Schaerrer, Regisseur der sechsteiligenSerie «Frieden»

Glücklicherweise dreht man aber jede Szene vier- bis sechsmal pro Kameraeinstellung, wobei der Ton separat geschnitten wird. «Wenn nötig, müssen die Schauspieler ihren Text später noch im Tonstudio aufnehmen», sagt Schaerrer. Im einen Zimmer sind die Schauspieler, der Regisseur, Kameramänner und ein Mann mit der Tonangel direkt am Filmset. Ein Zimmer daneben kauern fünf weitere Leute auf Klappstühlen vor einem Monitor und machen Notizen. Sie sind hoch konzentriert – denn keine Unstimmigkeit bei Kostümen oder Szenenübergängen darf ihnen entgehen.

Dreh in Winterthur

An einem Achtstundentag dreht die Crew vier Szenen. Heute ist Drehtag 21 von 65. Im Kanton Glarus und in der Stadt Zürich haben sie schon Aufnahmen gemacht. Nach Rheinau folgen weitere Dreharbeiten beispielsweise in Pfungen in der Villa Schlosshalde und in Winterthur im Museum Oskar Reinhart.

«Es ist wichtig, dass die Kulisse authentisch ist», sagt der Regisseur. In Rheinau habe man das Glück, dass man einen Grossteil des denkmalgeschützten Gebäudes so belassen könne. Dennoch hat die Crew auch hier Farben und Tapeten an die Wand gebracht. Diese lassen sich aber einfach wieder abziehen, da sie die Wände zuvor mit Folien beklebt haben. So ist beispielsweise der ursprünglich weisse Gang nun graugrün. In allen Zimmern liegen Papierstapel, Ordner, Schreibtisch und Stühle herum – das einstige Kloster stellt beim Dreh nämlich die Bundesanwaltschaft dar, die eigentlich in Bern situiert ist. Mehr zur Handlung will der Regisseur nicht verraten. Die 45-minütigen Folgen sollen eine Überraschung bleiben.

Erstellt: 10.06.2019, 22:15 Uhr

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