Flaach

Flaacher Festivalunfall war fahrlässige Tötung

Im Sommer 2017 kam es beim Aufbau des Heavenstage-Festivals zu einem tödlichen Unfall. Nun hat das Gericht geurteilt.

Mit einem vergleichbaren, sogenannten Teleskopstapler, geschah der Unfall im Flaacherfeld im Sommer 2017.

Mit einem vergleichbaren, sogenannten Teleskopstapler, geschah der Unfall im Flaacherfeld im Sommer 2017. Bild: Pixabay

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Nach der Urteilsverkündung am Donnerstag sprach der Andelfinger Gerichtspräsident von einem «sehr tragischen Arbeitsunfall in der Freizeit». Bei den Aufbauarbeiten für das christlich-freikirchliche Musikfestival Heavenstage in Flaach war am 15. August 2017 ein Helfer gestorben, nachdem er von einem Gabelstapler gefallen und kurz darauf von der herabstürzenden, rund 200 Kilogramm schweren Gabel erschlagen worden war. Der 31-Jährige starb sofort auf der Unfallstelle.

Die Gerichtsverhandlung am Bezirksgericht Andelfingen wurde im sogenannten abgekürzten Verfahren durchgeführt. Das bedeutet, dass der Angeklagte den Urteilsvorschlag der Staatsanwaltschaft akzeptiert. Das Gericht erhob diesen Vorschlag nach der eineinhalbstündigen Verhandlung auch zum Urteil: Der Helfer wurde der fahrlässigen Tötung schuldig gesprochen und mit einer bedingten Freiheitsstrafe von sieben Monaten bestraft, bei einer Probezeit von zwei Jahren.

Von Gabel erschlagen

Im August 2017 war der Erdboden im Flaacherfeld trocken und hart, die drei Meter hohen Holzpfähle für das Volleyballnetz waren daher nicht einfach in die Wiese zu schlagen. Das spätere Opfer sass auf einer Holzpalette, das der Helfer zuvor mit dem ausgeliehenen Teleskopstapler samt dem 31-Jährigen in die Höhe gehoben hatte.

«Man hätte
vorsichtiger sein, Mensch und
Maschine besser voneinander
trennen sollen.»
Der Gerichtspräsident

Ein solcher Gabelstapler hat einen ausfahrbaren Arm, an dessen Ende sich die Gabel befindet. Von dort aus schlug der Mann mit einem Vorschlaghammer auf die Pfähle, um sie in den Boden zu treiben. Aber eben: Das gelang nicht wie erhofft. Daher hatte der Verurteilte die Idee, mit der schweren Gabel die Pfähle in den Boden zu drücken. Das Opfer sass in diesem Moment immer noch auf der von der Gabel gehaltenen Palette.

Durch den Druck vorne auf den Pfosten löste sich hinten die Gabel aus der Halterung «und alles ist zusammengefallen», erzählte der Mann vor Gericht. Dies geschah, weil die Gabel hinten nicht mit dem dafür vorgesehenen Bolzen gesichert gewesen war. Zuerst rutschte das Opfer von der Palette herunter und stürzte zu Boden, «wo er von der nachfolgenden ebenfalls hinunterfallenden Palettgabel erschlagen wurde», wie die Staatsanwaltschaft schreibt. Durch den Aufprall der schweren Gabel auf den Kopf erlitt der Mann ein schweres Schädelhirntrauma und starb sofort.

Laien am Werk

Es sei ihm nicht in den Sinn gekommen, die Halterung der Gabel zu prüfen, sagte der gefasst wirkende Mann dem Gericht. Auch habe er nichts von diesem Sicherungsbolzen gewusst, der am Fahrzeug aufbewahrt gewesen war. Das Festivalgelände wurde ausschliesslich von ehrenamtlichen Laien aufgebaut. «Hatte denn das Opfer noch eine Funktion da oben auf der Palette?», wollte der Richter wissen.

«Eigentlich nicht», antwortete der Mann. «Im Nachhinein betrachtet, hätte er also runterkommen sollen?» «Definitiv.» Im Nachhinein sei man schlauer, meinte der Mann. Auch gebe er niemandem sonst die Schuld. Er frage sich, ob er es hätte besser wissen können. «Das ist schwierig zu beantworten.» Der Mann übte bislang verschiedene Berufe aus, hatte dabei aber immer mit Fahrzeugen zu tun, auch mit Lastwagen. Mit Gabelstaplern habe er jedoch keine Erfahrungen, erzählte er.

Das Bezirksgericht folgt in seinem Urteil der Staatsanwaltschaft, die dem Mann ein Mitverschulden am Todesfall durch unvorsichtiges Hantieren mit dem Gabelstapler vorwirft. Der Gerichtspräsident sprach in der Urteilsbegründung von «unglücklichen Umständen», einem Unfall, der mit mehr Vorsicht «vielleicht hätte verhindert werden können».

Wenn Laien mit technischen Geräten hantieren würden, bestehe ein Risiko, das diese nicht gleich gut abschätzen könnten wie Profis. Als «grösste Unvorsichtigkeit» bezeichnete er die Tatsache, dass das Opfer noch oben auf der Palette sass, obschon es dort gar nichts mehr zu suchen hatte. «Hier hätte man vorsichtiger sein, Mensch und Maschine besser voneinander trennen sollen.» Aber im Nachhinein sei das leicht gesagt.

Das Heavenstage-Festival wurde nach dem Unfall 2017 trotzdem durchgeführt, auch nach Rücksprache mit den Angehörigen des Opfers. Es wäre auch «im Sinne des Opfers» gewesen, sagte der Verurteilte vor Gericht. Letztes Jahr wurde das Festival noch durchgeführt, dieses Jahr nicht mehr. «Ob und wann es weitergeht, ist im Moment noch offen», heisst es auf der Heavenstage-Website.

Erstellt: 28.03.2019, 16:30 Uhr

Artikel zum Thema

Junger Mann stirbt bei Arbeitsunfall

Flaach In Flaach hat sich gestern Nachmittag ein tragischer Arbeitsunfall ereignet. Beim Versuch einen Pfahl einzuschlagen, stürzte ein junger Mann vom Gabelstapler und zog sich dabei tödliche Verletzungen zu. Mehr...

Unfallopfer half bei Aufbau

Flaach Am Dienstag ist ein junger Mann nach einem Sturz verstorben. Offenbar ereignete sich der tragische Arbeitsunfall während den Aufbauarbeiten für das Musik-Festival Heavenstage. Mehr...

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Haben Sie etwas Spannendes gesehen oder gehört?
Schicken Sie uns ihr Bild oder Video per E-Mail an webredaktion@landbote.ch oder informieren Sie uns telefonisch unter der Nummer 052 266 99 85. Mehr...

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Haben Sie etwas Spannendes gesehen oder gehört?
Schicken Sie uns ihr Bild oder Video per E-Mail an webredaktion@landbote.ch oder informieren Sie uns telefonisch unter der Nummer 052 266 99 85. Mehr...

Abo

Eine für alle. Im Digital-Abo.

Den Landboten digital ohne Einschränkung nutzen. Für nur CHF 25.- pro Monat.
Jetzt abonnieren!

Kommentare

Blogs

Michèle & Friends Midlife-Crisis? Nehm ich!

Von Kopf bis Fuss Diese Frau erinnert sich an alles

Newsletter

Das Beste der Woche.

Endlich Zeit zum Lesen! Jeden Freitagmorgen Leseempfehlungen fürs Wochenende. Den neuen Newsletter jetzt abonnieren!