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Fragwürdige Gesetze bei Schwimmbecken

Der Stadtrat unterstützt die Traglufthallen-Initiative nicht. Einem Winterdach im Freibad stehen kantonale Vorgaben entgegen, deren Folgen die Regierung als «widersinnig» tituliert.

Schnee um das Becken, 24 Grad im Wasser: Während die Beheizung ungedeckter Bäder erlaubt ist, werden Traglufthallen aus Umweltschutzgründen kaum bewilligt.
Schnee um das Becken, 24 Grad im Wasser: Während die Beheizung ungedeckter Bäder erlaubt ist, werden Traglufthallen aus Umweltschutzgründen kaum bewilligt.
Marc Dahinden

Dass ein einzelnes Schwimmbad für Winterthur und die Region nicht ausreicht, ist unbestritten. Doch eine Lösung des Problems ist auch nach langer Debatte nicht in Sicht. Denn ein zweites Hallenbad ist zu teuer, der Cabrio-Vorschlag des Stadtrats wurde vom Stimmvolk abgelehnt, und die Idee einer Traglufthalle wird nun bereits vom Stadtrat verworfen. Gestern gab die Regierung ihre Ablehnung bekannt.Die im Initiativkomitee engagierten Politiker sind überrascht. «Ich habe eine Umsetzungsvor­lage erwartet», sagt Komiteemitglied und GLP-Gemeinderätin Annetta Steiner, also ein konkretes Bauprojekt samt Kredit­antrag. Falls das Parlament die Marschrichtung nicht ändert, kommt die Initiative nun so, wie sie eingereicht wurde, das heisst ohne Projektvorschlag, vors Volk.

Bei den Sportvereinen zeigt man sich «enttäuscht», dass ihre «Kompromisslösung» nicht durchdrang. Der Wärmebedarf sei «nicht dramatisch», findet Markus Enz, Präsident des Trägervereins Traglufthalle Geiselweid. Der Verein wurde kürzlich gegründet, um Mittel für die Halle zu sammeln, nachdem die Stadt angedeutet hatte, dass eine private Kostenbeteiligung dem Projekt helfen würden – nun ist das womöglich nicht mehr gefragt.

«Ich verstehe nicht, warum das in ­Schaffhausen geht, aber nicht bei uns.»

Markus Enz, Trägerverein Traglufthalle Geisi

«Ich verstehe nicht, warum an anderen Orten eine Traglufthalle gebaut werden kann, aber in Winterthur nicht», sagt Enz unter Verweis auf bestehende Hallen in Schaffhausen, Chur, Konstanz und anderen Städten. Sportstadtrat Stefan Fritschi (FDP) begründet dies mit den besonders strengen Vorschriften im Kanton Zürich: «Der Stadtrat kennt kein Beispiel, bei dem eine Ausnah­me­­bewilligung für eine Traglufthalle erteilt worden wäre.» Eine solche braucht es, denn ein derartiges Dach erfüllt die Vorschriften zur Wärmedämmung nicht. Man sei zum Schluss gekommen, dass die Gefahr, dass der Kanton ein Bauprojekt ablehnen würde, zu gross sei, sagt Fritschi.

Eine neue Heizung bauen, obwohl Wärme vorhanden ist

Zudem geht es um die Kosten: Zu den Baukosten von 1,3 bis 1,6 Millionen Franken (Stadtrat, die Initianten nennen tiefere Zahlen) kämen Kosten für eine neue Heizung von 0,5 bis 1 Million hinzu. Zwar möchten alle Beteiligten die Abwärme der Kehrichtverbrennungsanlage nutzen, doch das kantonale Gesetz verbietet dies: Abwärme darf nur verwendet werden, wenn sie nicht anders nutzbar ist, ansonsten muss erneuerbare Energie gebraucht werden. Das sei «natürlich völlig unsinnig», sagt Trägervereinspräsident Enz, «aber vielleicht sind die Gesetze nun einmal so.» Der Stadtrat hält in einer Mitteilung fest, eine Heizung zu bauen, wo Fernwärme bereits vorhanden ist, sei «sowohl ökologisch wie auch ökonomisch widersinnig».

Bei offenem Becken darf das Wasser geheizt werden

Die strengen Gesetze des Kantons gelten bei Neubauten, und als solche qualifiziert eine Traglufthalle. Das ungedeckte Becken zu heizen, ist dagegen offenbar erlaubt, weil dies keine Baubewilligung erfordert. So verspricht der Stadtrat, das Freibad nächstes Jahr von Mai bis September zu heizen, falls dies nötig ist, um eine Wassertemperatur von 24 Grad zu erreichen. Als man zuletzt das Hallenbad sanierte, wurde das Aussenbecken sogar bis Dezember beheizt. «Es gibt Widersprüchlichkeiten bei dieser Sache», bilanziert Fritschi.

«Winterthurer wollen Energie sparen»

Die Regierung zeigt indessen nicht nur mit dem Finger auf den Kanton. Sie argumentiert auch, das Winterthurer Stimmvolk habe zuletzt deutlich für ambitionierte Energieziele gestimmt, und dem gelte es nun Rechnung zu tragen. Fritschi spricht von einem «sehr schwierigen Geschäft»: «Man kann eigentlich nicht richtig entscheiden, weil so viele Interessenkonflikte bestehen.»

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