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Frauen gründen erste Studentinnenverbindung der Winterthurer Mittelschulen

Bei der Fiduzia steht nicht das Trinken im Zentrum, sondern die generationenübergreifende Freundschaft.

Am Samstag wurde im Bistro George die Verbindung Fiduzia gegründet, als weibliches Gegenstück zur Vitodurania.
Am Samstag wurde im Bistro George die Verbindung Fiduzia gegründet, als weibliches Gegenstück zur Vitodurania.
Enzo Lopardo

Studentenlieder erklingen, Farbenbänder und -Mützen prägen das Bild im Bistro George: Rund fünfzig Personen beiderlei Geschlechts haben sich dort zur Gründungsfeier der Fiduzia zusammengefunden. Es wird angeregt geplaudert, Bier oder Wein getrunken, dazwischen gesungen – aber es herrscht nicht der übliche, laute (Männer-) Kommersbetrieb: Die Gründerinnen orientieren sich zwar an studentischen Vereinen (vor allem an der seit 157 Jahren bestehenden Vitodurania), aber sie interpretieren das Verbindungswesen auf ihre eigene Art.

Die Idee einer Winterthurer Frauenverbindung existiert schon länger, doch wurde sie bisher nie umgesetzt – wohl, weil man nur in den obersten beiden Mittelschulklassen einer Verbindung angehören darf und die Zeit für eine Gründung so zu knapp war.

«Der Zusammenhalt und die generationenübergreifende Freundschaft der Vitoduraner beeindruckten uns.»

Präsidentin Tamina Nick

Nun hat eine Gruppe von fünf initiativen Büelrain-Schülerinnen gemeinsam mit je einer Kollegin vom Rychenberg und der BMS das Projekt innert eines halben Jahres realisiert: «Auslöser war ein Abend, den wir mit Vitoduranern verbracht haben und der recht cool war», erinnert sich Präsidentin Tamina Nick, «Ihr Zusammenhalt und die generationenübergreifende Freundschaft beeindruckten uns und wir wollten auch so etwas aufzuziehen.»

Es folgten weitere Stamm- und Sitzungsbesuche sowie Einladungen zu grösseren Anlässen, bei denen sie ihr Projekt präsentieren und auch Startkapital dafür sammeln konnten. Parallel dazu gab es Kontakte zum Altherren-Vorstand der Vito, der die Gründung einer Frauenverbindung begrüsste und mit studentischem sowie mit Vereinswissen unterstützte. Aber auch die Rektoren der Kantonsschulen Büelrain und Rychenberg verfolgten die Initiative der Schülerinnen mit Wohlwollen.

Akt der Gleichberechtigung

Trotz dieser Partnerschaft ist die nun gegründete «Fiduzia» (lat. für «Vertrauen» – und bewusst mit Z geschrieben) nicht einfach eine Kopie der Vito: «Wir wollten ein weibliches Gegenstück schaffen, im positiven Sinn», sagt Nick, «Es geht nicht um Emanzipation oder Feminismus: Wir wollen weder Männer werden, noch diese kopieren, sondern wir sehen unsere Verbindung als Akt der Gleichberechtigung.»

Zwar trägt man auch Mütze und Farbenband (in den Farben Silber-Weiss-Blau), verfügt über ein Wappen und einen Comment (Regelwerk), der auch die Trinksitten vorschreibt – doch im Gegensatz zur Vito herrscht kein Trinkzwang. Und einige klassische, studentische Rituale hat man ganz weggelassen oder abgeändert.

«Es geht nicht um Emanzipation oder Feminismus: Wir wollen weder Männer werden, noch diese kopieren, sondern wir sehen unsere Verbindung als Akt der Gleichberechtigung.»

Tamina Nick

So heissen die Neueintretenden auch bei der «Fiduzia» im ersten Jahr «Füchse» (und nicht «Füchsinnen»), doch die im zweiten Jahr übergeordneten «Burschen» werden «Misses» (Mrs.) genannt und die «Altherren» sind hier «Ladies». Da es bei einer Neugründung natürlich noch keine solchen gibt, hat eine Gruppe von älteren (meist vito-nahen) Frauen diese Funktion übernommen. Auch eine Vereinsdevise hat die Fiduzia, «artem et amicitiae» (der Kunst und der Freundschaft) lautet sie. Da es nicht nur um die Geselligkeit gehen soll, wollen die Frauen zusammen ins Theater, in Museen und zu Konzerten gehen oder Bücher lesen und darüber diskutieren.

Inzwischen ist es im «George» späterer Abend geworden und mit der feierlichen Unterzeichnung der Statuten wird die Gründung der Fiduzia offiziell vollzogen. Danach werden – unter Absingen des eigenen Verbindungskantus – Himmelslaternen in den Nachthimmel geschickt: Ein poetisches Zeichen dafür, dass die Fiduzia das Studentinnentum etwas anders anpackt.

Die Studentinnen liessen Himmelslaternen aufsteigen. Bild: elo
Die Studentinnen liessen Himmelslaternen aufsteigen. Bild: elo

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