Freienstein-Teufen

Freienstein-Teufen will aussteigen

Der Gemeinderat von Freienstein-Teufen will beim Flughafen-Schutzverband nicht mehr mitmachen. Wie sich die Stimmbürger zum Austritt stellen, wird sich am 16. Juni zeigen.

Eine Vertreterin der neuen Flotte - eine Boeing 777-300ER der Swiss: Die Flugzeuge sind deutlich leiser geworden.

Eine Vertreterin der neuen Flotte - eine Boeing 777-300ER der Swiss: Die Flugzeuge sind deutlich leiser geworden. Bild: Keystone

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Die Gemeinde Freienstein-Teufen ist seit 1970 Mitglied beim Schutzverband der Bevölkerung um den Flughafen (SBFZ). Drei Jahre zuvor wurde der Verband von sechs Gemeinden gegründet. Nun will der Gemeinderat den Austritt geben. Mit diesem Ansinnen tritt er an die Gemeindeversammlung vom 16. Juni heran.

Lärmbelastung deutlich tiefer

Als Begründung gibt das Gremium an, die Lärmbelastung habe in den letzten 25 Jahren um zwei Drittel abgenommen. Mit der Anschaffung der neuen Swiss-Flugzeuge werde sie nochmals erheblich reduziert. «Der Verband hat seine Ziele somit erreicht», sagt Gemeinderat Hansjörg Bürgi, der zusammen mit Christof Benz Delegierter ist im Verband.

Weiter empfindet es das Exekutivgremium als widersprüchlich, dass sich die Gemeinden vereint gegen Fluglärm wehren und gleichzeitig ein Bevölkerungswachstum anstreben. Mit der regen Wohnbautätigkeit sind immer mehr Menschen den Immissionen des Flughafens ausgesetzt.

Mangelnde Mitsprache

Zudem stört sich der Rat an den Strukturen und Gepflogenheiten des SBFZ. Die Gemeindevertreter könnten ihre Meinung viel zu wenig einbringen, bemängelt Bürgi. Der parteilose Politiker ist beruflich als Chefredaktor für das Aviatik-Magazin «SkyNews.ch» tätig.

Und bei den Wahlen in den Vorstand im Sommer 2014 sei bereits ein fertiger Wahlvorschlag verschickt worden, ohne dass weitere Interessenten angefragt wurden. «Das hat uns verärgert», sagt Bürgi. Freienstein sei zudem kaum betroffen von Fluglärm, Teufen nur zum Teil.

Obwohl die Exekutive befugt wäre, den Austritt eigenmächtig zu beschliessen, lässt sie die Stimmbürger darüber befinden. «Wir wollen die Bevölkerung nicht übergehen», erklärt Bürgi. Um Geld gehe es aber nicht, versichert er. Mit einem Beitrag von 40 Rappen pro Einwohner kostet die Mitgliedschaft die Gemeinde nicht einmal 1000 Franken im Jahr.

Kritisch, aber moderat

SBFZ-Präsident Thomas Hardegger bedauert den Austrittswunsch. «Die Mitgliedschaft ist auch eine Frage der Solidarität mit Gegenden, die stark belastet sind», stellt der Rümlanger Gemeindepräsident klar. Es sei sozusagen ein ungeschriebenes Gesetz, dass diese Gemeinden ein Vorstandsmitglied stellen dürfen, begründet er das Vorgehen bei der Neubesetzung.

Der Schutzverband setze sich für die Gesundheit der Bevölkerung ein, ohne unverhältnismässige Forderungen zu stellen, grenzt sich Hardegger von den Interessenverbänden der verschiedenen Himmelsrichtungen rund um den Flughafen ab (Bürgerprotest Fluglärm Ost, Verein Flugschneise Süd, IG Nord). «Wir stellen kritische Fragen, pflegen aber einen sorgfältigen Umgang mit dem Flughafen und sind auch mit Skyguide in Kontakt.»

Im Schutzverband sind zurzeit 63 Gemeinden vertreten sowie zwei Ortsgruppen. Im Unterland gehören die meisten Gemeinden dazu, mit wenigen Ausnahme wie etwa Lufingen und Embrach. Deren Gemeindeschreiber geben als Grund für ihr Fehlen an, dass ihre Gemeinden kaum vom Fluglärm betroffen seien. Sie waren deshalb nie Mitglied. (landbote.ch)

Erstellt: 11.05.2016, 15:05 Uhr

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