Bezirksgericht Winterthur

Freispruch nach Hundebiss

Ein Pudel wurde von einem anderen Hund gebissen. Das Gericht konnte den Vorfall aber nicht genau nachvollziehen. Der beschuldigte Hundebesitzer wurde darum freigesprochen.

Der Hundebesitzer musste sich vor dem Bezirksgericht Winterthur verantworten, wurde aber freigesprochen.

Der Hundebesitzer musste sich vor dem Bezirksgericht Winterthur verantworten, wurde aber freigesprochen. Bild: Marc Dahinden

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Der Beschuldigte spaziert täglich mit dem Hund seiner Lebenspartnerin durch Dörfer oder Wälder in der Region. Im April 2016 war er mit dem Hund der Rasse Old English Bulldog in der Nähe von Winterthur unterwegs, als es zu einem Vorfall mit einer Pudelhündin kam. Über den genauen Tathergang gehen die Meinungen auseinander.Die Besitzerin der Pudelhündin, die nicht vor Gericht erschien, hat es so gesehen: Der Beschuldigte verlor die Kontrolle über seinen Hund, sodass sich dieser losreissen und auf die frei laufende Pudelhündin losgehen konnte. Die Hündin warf sich zu Boden und wurde gebissen. Statt einzugreifen, versuchte der Beschuldigte erfolglos, den Hund zurückzurufen. Daraufhin habe die Frau den Hund selber gepackt und ihm das Maul aufgerissen. Erst dann habe der Hund ihre Pudelhündin in Ruhe gelassen. Sie musste die Hündin mit zwei Bisslöchern an der linken Thoraxwand zum Tierarzt bringen, wie es im Strafbefehl heisst.

Schweigsamer Angeklagter

Der Beschuldigte konnte sich im Bezirksgericht Winterthur hingegen nicht an den Vorfall erinnern und sagte insgesamt nur wenig. Der gelernte Schreiner schwieg zum Vorwurf, er habe seinen Hund nicht unter Kontrolle gehabt. Und die Frage des Richters, ob er die Hundebesitzerin kenne, verneinte er. Er könne sich auch nicht erklären, weshalb die Frau gerade ihn beschuldige. Denn: «Ich war es nicht.» Er sagte auch nicht mehr, als ihm der Richter ein Bild vorlegte, auf dem er mit Hund zu sehen ist. «Die Frau hat Sie auf diesem Foto wiedererkannt», sagte der Richter. «Sie sagt, Sie seien das gewesen.»

Der 44-Jährige überliess die Verteidigung stattdessen seinem Anwalt, der in einem längeren Plädoyer einen Freispruch forderte. Das Bild stamme von der Mutter der Hundebesitzerin, sagte er. «Die Qualität ist mangelhaft.» Man erkenne darauf nicht genau, wer abgebildet sei. Die Anzeige sei zudem erst fünf Monate nach dem Vorfall eingereicht worden, dafür gebe es keinen Grund. Und den beteiligten Hund habe sie einer anderen Rasse zugeordnet. Ein Molosser oder ein Pitbull sähen aber anders aus. «Das hätte sie als Hundebesitzerin wissen müssen.» An besagtem Abend sei sein Mandant ohnehin mit seiner Partnerin an einem Nachtessen gewesen. «Es gibt unüberwindbare Zweifel, dass er beteiligt war.»

Dann stellte der Anwalt die Kompetenzen der Hundebesitzerin infrage und warf ihr «krasses Fehlverhalten» vor. Sie habe die Pudelhündin frei laufen lassen und falsch reagiert. «Man soll Hunde bei einer Rauferei nie von Hand trennen.» Er fragte rhetorisch: «Und wie hätte sie das Maul des Hundes aufbringen sollen? Der Hund hat Kraft.» Er vermutete, dass da jemand etwas erfunden habe. Sein Mandant habe besonnen reagiert, indem er den Hund zurückgerufen habe.

Keine verwertbaren Aussagen

Der Richter sprach den Beschuldigten frei. Für die Verteidigung erhält er 2700 Franken Entschädigung. «Wir können den Sachverhalt nicht rekonstruieren», sagte der Richter. Die Geschädigte habe nur einmal bei der Polizei ausgesagt und sei nie als Zeugin einvernommen worden. Ihre Aussagen seien nicht verwertbar, die Vorwürfe könnten nicht erhärtet werden. «Wir können den Vorfall nicht nachweisen.» Der Freispruch ist noch nicht rechtsgültig. ()

Erstellt: 12.09.2017, 18:23 Uhr

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