Winterthur

Das machte die Stapo früher mit pöbelnden Betrunkenen

Polizei-Kommandant Fritz Lehmann über typische Festtags-Einsätze, alte Sitten und die «Terror»-Poller am Weihnachtsmarkt.

Die Stapo-Beamten werden wohl auch diese Festtage mehrmals zu Familienkonflikten gerufen. Foto: pd

Die Stapo-Beamten werden wohl auch diese Festtage mehrmals zu Familienkonflikten gerufen. Foto: pd

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Herr Lehmann, wie arbeitet die Stadtpolizei über die Festtage, sind genauso viele Beamte wie sonst im Einsatz oder sogar noch mehr?
Fritz Lehmann: Wir sind in völligem Normalbestand und patrouillieren wie gewohnt, das Albanifest ist jeweils aussergewöhnlicher.

Sind die Festtags-Dienste fürs Personal eine besondere Belastung?
Das sind eigentlich normale Pikett-Dienste, wir haben da ja viel Erfahrung übers ganze Jahr. Auch ich werde über die Festtage zum Teil arbeiten, das gehört zum Job.

Gibt es typische Einsätze, die gehäuft über die Festtage vorkommen?
Es gibt tatsächlich mehr Reibereien, weil die Familien enger zusammen sind. Wir werden über die Festtage mehr als sonst wegen Streitigkeiten oder sogar Gewalt in Privathaushalte gerufen. Die Häufung beobachten wir aber auch über die Sommermonate. Im Bereich Gewaltschutz tragen wir da also ganz praktisch etwas für den viel zitierten Friede auf Erden bei. Zudem sind natürlich auch einsame Seelen in den Strassen unterwegs, die teils etwas viel Alkohol getrunken haben.

Ist der weihnächtliche Alkoholkonsum bei Autokontrollen nach wie vor ein so grosses Thema wie früher?
Gegenüber früher muss ich den Autofahrern ein Kränzchen winden, die Situation ist viel besser geworden. Aber es gibt immer noch jene, die zu viel konsumieren. Man muss den Leuten immer wieder sagen, sie sollten besser mit dem ÖV oder zu Fuss gehen. Aber klar, vor 20, 30 Jahren hat man noch viel mehr Betrunke angehalten. Ganz früher wurde man an Weihnachten ja noch gegamsert in Winterthur.

Was bedeutet das?
Wenn ein Betrunkener aufgegriffen wurde und pöbelte, dann wurde er gegamsert. Man führte ihn auf den Gamser am südlichen Ende des Eschenbergs, von da musste er alles zurücklaufen um auf der Wache seine Brieftasche abzuholen - spätestens dort war er dann längst wieder nüchtern.

Hier liegt der Gamser und das wäre der optimale Weg, er dauert 1 Stunde und 24 Minuten:

Aber das war noch vor ihrer Kommandantschaft?
Definitiv! (lacht)

Wie reagiert die Stapo jeweils auf das Einbruchsrisiko, das über die Festtage ansteigt?
Die Zürcher Polizeien haben einen gemeinsamen Aktionsplan zu diesem Thema. Es werden gezielt Schwerpunkt-Quartiere überwacht, um dort Einbrüche zu verhindern. Das wird allgemein im Herbst mit der früher eintretenden Dämmerung und beispielsweise an Weihnachten nochmals verstärkt. Wir haben damit Erfolg, der Sicherheitsbericht weist dies aus. Man sollte trotzdem als Privatperson wachsam und vorsichtig bleiben.

Auch die Sicherheit rund um den Weihnachtsmarkt beschäftigt derzeit die Stapo. Gehören die «Terror»-Poller nun eigentlich fix dazu?
Wir haben eine Grundbereitschaft für allfällige Zwischenfälle auf dem Weihnachtsmarkt, auch mit unseren Patrouillen. Unter das aktuelle Niveau gehen wir vorderhand nicht, bei einer ernsteren Bedrohungslage eher noch darüber hinaus. Grundsätzlich will ich aber auch einfach, dass unsere Uniformen an den Grossveranstaltungen der Stadt sichtbar sind. Die Polizei gehört unter die Winterthurer Bevölkerung.

Im Gegensatz zu früher sind heute auch die Weihnachtstage Party-Abende mit Programm in vielen Clubs. Stösst die Stapo irgendwann an ihre Grenzen, wenn sie neben allem anderen auch noch ein zusätzliches «Party-Wochenende» unter der Woche zu bewältigen hat?
Wir beobachten diese Entwicklung und Szene. Unsere Leute sind unterwegs und haben ein Verzeichnis von Mini-Brennpunkten. Diese werden abgefahren und man verschafft sich laufend Übersicht. Wir werden mit der Situation heute fertig. Winterthur kann sich sicher fühlen über die Festtage.

Erstellt: 13.12.2019, 14:33 Uhr

Fritz Lehmann, Kommandant der Winterthurer Stadtpolizei

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