Gemeindefusionen

Fusionen – auch am Ende der Welt

Der Fussball beherrscht derzeit die französischen Zeitungen. Wie hierzulande wird in unserem Nachbarland allerdings auch über Fusionen diskutiert.

Fussball-WM und Tour de France auf der Front – und Fusionen im Innern von «Ouest-France».

Fussball-WM und Tour de France auf der Front – und Fusionen im Innern von «Ouest-France». Bild: Markus Brupbacher

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Letzte Woche, gut 1000 Kilometer westlich von Winterthur, tagte der 15-köpfige Gemeinderat der bretonischen Gemeinde Quéménéven. Das Hauptthema der Sitzung war die mögliche Fusion mit mehreren Nachbargemeinden. Quéménéven hat 1100 Einwohner und liegt im westlichsten Département namens Finistère. Der Name geht auf die lateinische Bezeichnung finis terrae zurück, also das Ende der Welt.

Zwei Sportthemen dominierten die Ausgabe der Regionalzeitung «Ouest- France» vom letzten Mittwoch: Die zwei Etappen der Tour de France in der Bretagne und natürlich der WM-Finaleinzug der französischen Fussballnationalmannschaft. Doch auch über die Fusionsdebatte im Gemeinderat von Quéménéven hat die Zeitung berichtet.

Ähnliche Ängste

Diese Debatte sowie weitere Zeitungsartikel der letzten Monate und Jahre zeigen, dass die Fusionsdiskussionen in Finistère und in der Region Winterthur ziemlich ähnlich verlaufen. Was ändert sich mit einer Fusion, was bringt sie der eigenen Gemeinde? Müssen die Schulden der Nachbargemeinden übernommen werden und wie soll die neue Gemeinde heissen? Wie ist man als kleine Gemeinde im grösseren Gebilde vertreten und bleibt die Gemeindeverwaltung im Ort bestehen? Gibt es die gleiche Postleitzahl und finden zivile Hochzeiten weiter im eigenen Ort statt? Die Fragen und Befürchtungen gleichen sich.

Im Falle von Quéménéven steht eine Fusion mit 13 Nachbargemeinden zu Debatte. Diese sind heute in einer Art interkommunalem Zweckverband, einer «communauté de communes», lose miteinander verbunden. Reicht diese Form der Verbindung denn noch nicht? Auch diese Frage wird in den Fusionsdebatten hierzulande oft gestellt.

Finanzielle Daumenschrauben

Die grösste Parallele sind die finanziellen Rahmenbedingungen, die sowohl im Kanton Zürich als auch in Frankreich geändert worden sind. Zwar finden vor Fusionen beidenorts Volksabstimmungen statt, die Gemeinden werden also nicht zu Fusionen gezwungen. Doch fusionswillige Gemeinden werden finanziell belohnt, die widerspenstigen geraten unter Druck. Darüber ärgert sich der Bürgermeister von Quéménéven und spricht von einem «finanziellen Würgegriff». Das sei die schlechteste und eine niederträchtige Methode, um kleine Gemeinden auszumerzen. Ein Gemeinderat meinte in der Debatte, dass die Gemeinden noch nicht reif seien für eine Fusion – ein Satz, den man auch in der Region Winterthur oft hört.

Zwischen 2010 und 2015 gab es in der Bretagne keine einzige Gemeindefusion. Doch nachdem im Frühling 2015 das französische Parlament den finanziellen Anschub für Gemeindefusionen beschlossen hatte, vervielfachten sich die Fusionsprojekte, besonders in der Bretagne. Per 1. Januar 2016 entstanden dort 13 neue Gemeinden.

Die Bretagne hat knapp 1300 Gemeinden, das Département Finistère etwa 280. In Frankreich insgesamt gibt es gut 35 000 Gemeinden. (Der Landbote)

Erstellt: 16.07.2018, 17:44 Uhr

Regionalzeitung «Ouest-France»

«Ouest-France» ist eine Regionalzeitung, die täglich in drei westfranzösischen Regionen erscheint. Die Auflage beträgt fast 700 000 Stück. Zum Vergleich: Die Auflage der Zürcher Regionalzeitungen (ZRZ), zu denen der «Landbote» gehört, liegt bei knapp 100 000. In den drei Regionen Bretagne, Normandie und Pays de la Loire gibt «Ouest-France» in 14 Départements insgesamt 53 verschiedene Ausgaben heraus, allein in Finistère deren fünf. Das bedeutet, dass sich diese Ausgaben im Lokalen und Regionalen voneinander unterscheiden, während die nationale und internationale Berichterstattung identisch ist – wie bei ZRZ. «Ouest-France» ist seit 1975 die auflagenstärkste Zeitung in Frankreich, noch vor den nationalen Zeitungen wie etwa «Le Figaro» oder «Le Monde». Die westfranzösische Regionalzeitung hat 2,5 Millionen Leserinnen und Leser. Der französische Staat zahlt Subventionen auch an «Ouest-France».mab

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