Ossingen

Fussball, Finanzen und Hunde am Husemersee

Die finanziellen Aussichten von Ossingen sind rosig. Zu reden gab an der Gemeindeversammlung aber nicht das Geld, sondern die Perle der Weinländer Gemeinde – der Husemersee.

Die beliebte Liegewiese am Südwestufer des Husemersees bei Ossingen im Zürcher Weinland.

Die beliebte Liegewiese am Südwestufer des Husemersees bei Ossingen im Zürcher Weinland. Bild: Archiv: Andreas Wolfensberger

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Vier Versammlungen von vier Gemeinden mit insgesamt 12 Geschäften in zwei Stunden, zwischen 23 und 42 anwesende Stimmberechtigte und durchwegs keine Gegenstimmen: Das ist die Kurzzusammenfassung der Versammlungen der Sekundarschulgemeinde Ossingen-Truttikon, der Primarschulgemeinde Ossingen, der Politischen Gemeinde und der Reformierten Kirchgemeinde Ossingen.

Der Versammlungsmarathon begann mit dem Anpfiff des WM-Fussballspiels Schweiz-Serbien. Doch ein Blick ins Archiv zeigt, dass das Spiel keinen Einfluss auf die Teilnehmerzahl hatte. An der Versammlung der Politischen Gemeinde waren 36 Personen anwesend – vor einem Jahr waren es 35, 2016 praktisch gleich viele.

Geld vom Zürichsee

Anschaulich, verständlich und wie immer mit viel Leidenschaft stellte Finanzvorsteher Daniel Stahl die Jahresrechnung 2017 vor. Gemeindepräsident Martin Günthardt kündigt Stahl jeweils als «unseren Säckelmeister» an. Und nach Stahls Auftritt sagte Günthardt: «Eine tolle Präsentation, das ist einmalig.» Toll sind auch die Zahlen der einst stark verschuldeten Weinländer Gemeinde. Sie erzielte ein leicht positives Ergebnis bei sinkendem Steuerfuss – und das wird wohl so weitergehen: Stahl stellte auch für 2019 eine Steuersenkung in Aussicht. Ossingen hatte den Gesamtsteuerfuss von 129 Prozent im Jahr 2016 auf 118 ein Jahr später gesenkt. Im aktuellen Jahr liegt der Steuerfuss bereits bei 111 Prozent. «Überrascht worden» ist Stahl von den höheren Kosten für die sogenannten Zusatzleistungen. Damit ist das Geld gemeint, worauf AHV- oder IV-Bezüger Anspruch haben, wenn ihre Rente nicht ausreicht. Für 2017 budgetierte Ossingen dafür knapp 152 000 Franken, in der Rechnung sind es nun fast 272 000 Franken (+ 79 Prozent). Die Soziale Wohlfahrt war mit 21 Prozent denn auch der grösste Ausgabenposten der Politischen Gemeinde Ossingen, gefolgt von der Verwaltung (15 Prozent), der Gesundheit (14) und den Strassen (13). Über die gesamte Gemeinde betrachtet machen die Ausgaben der Politischen Gemeinde aber bloss 40 Prozent aus – die übrigen 60 Prozent entfallen auf die Schulen, die Bildung also. Von den Einnahmen der Politischen Gemeinde stammten letztes Jahr 29 Prozent aus dem kantonalen Finanzausgleich. Das Geld aus diesem Ausgleich, sagte Stahl unverhohlen, stamme von den reichen Gemeinden am Zürichsee, damit Gemeinden wie Ossingen ihre Strukturen aufrechterhalten könnten.

Nur die Hälfte hält sich daran

Zu reden gab am Freitagabend – nebst dem Fussball – einzig der Husemersee. Ein Ossinger hatte eine Anfrage dazu eingereicht, in der es um Hundehalter ging. Was tue der Gemeinderat, wollte der Mann wissen, um die Leinenpflicht im Naturschutzgebiet Husemersee umzusetzen. Und was gelte betreffend Badeverbot für Hunde? Der Stimmbürger glaubt, dass am Husemersee die Hunde-Vorschriften nur zu 50 Prozent eingehalten werden. Der Nutzungsdruck am See sei sehr gross, antwortete der Gemeinderat, weshalb es Spielregeln brauche.

«Wir kämpfen noch.»Martin Günthardt, Gemeindepräsident Ossingen

Auf Patrouillen will die Behörde aber auch künftig verzichten. Um eine bessere Wahrnehmung zu erzielen, sollen die Schilder erneuert oder ergänzt werden. Während der Badesaison soll ein Badeverbot für Hunde gelten. Der Gemeindepräsident appellierte an die Anwesenden, ein allfälliges Fehlverhalten gleich vor Ort anzusprechen. Und zum geplanten WC-Häuschen am Husemersee sagte Günthardt: «Wir kämpfen noch.» Etliche kantonale Ämter seien involviert, welche etwa die Nähe zum Wald respektive Naturschutzgebiet kritisch sehen. (Der Landbote)

Erstellt: 23.06.2018, 10:33 Uhr

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