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Gasverkauf von Mitbegründern kritisiert

Über dreizehn Geschäfte stimmten die Wiesendanger am Freitag an ihrer Gemeindeversammlung ab. Später Höhepunkt war der Verkauf der eigenen Gasversorgung für eine Million Franken.

Das Gas in Wiesendangen stammt ab nächstem Jahr aus Zürich.
Das Gas in Wiesendangen stammt ab nächstem Jahr aus Zürich.
Marc Dahinden

Die 112 anwesenden Wiesendanger mussten sich am Freitagabend in Geduld üben, trotz hohem Tempo von Gemeindepräsident Kurt Roth. Dann nach über eineinhalb Stunden war in der schwülen Wisenthalle das dreizehnte und letzte Traktandum der Gemeindeversammlung an der Reihe: der Verkauf der eigenen Gasversorgung, die grösstenteils aus Leitungen besteht. Die Energie 360° AG, fast komplett im Besitz der Stadt Zürich, war bereit, 960 000 Franken dafür zu zahlen.

Knapp 150 Gasanschlüsse gibt es in Wiesendangen. Das Gas stammt heute vom Winterthurer Stadtwerk. Der zuständige Gemeinderat Manfred Steger sagte zu Beginn: «Wir glauben, dass Gasversorgung keine Gemeindeaufgabe ist.» Roth sagte, ein Gaswerk müsse Profis überlassen und die Gelegenheit des Kaufangebots genutzt werden. Bereits 2008 prüfte die Behörde einen Verkauf, fand aber keine zahlungswilligen Käufer.

«3,5 Millionen Franken wert»

Walter Hönes, Präsident der Rechnungsprüfungskommission, stufte die Energie 360° AG als «verlässlich» und den Preis als «angemessen» ein. Er sagte aber auch: «Es ist schwierig zu beurteilen, was ein Gaswerk wert ist.» In der Vergangenheit habe man jedoch das Elektrizitätswerk und die Sparkasse beide «sinnvoll und rechtzeitig» verkauft. Für Stimmbürger Jakob Hasenfratz war das Ein-Millionen-Gebot hingegen ein «absolutes Schnäppchen». Er war während 38 Jahren bei Stadtwerk Winterthur tätig und beim Aufbau der Gasversorgung in Wiesendangen beteiligt.

Hasenfratz schätzte den aktuellen Wert der insgesamt sieben Kilometer langen Gasleitungen auf 3,5 Millionen Franken und stellte deshalb zusammen mit fünf weiteren Personen einen Rückweisungsantrag. «So kann Zeit gewonnen werden, um den Verkauf zu überdenken.» Hasenfratz kritisierte in seiner vorbereiteten Power-Point-Präsentation auch den zukünftigen Pikettdienst, der neu von Zürich statt Winterthur ausrücken müsste: «Das dauert viel zu lange.» Er glaube, dass mit dem Stadtwerk Winterthur Möglichkeiten bestanden hätten. Und dass das zurückgezogene provisorische Kaufangebot von Stadtwerk aus politischen Gründen erfolgt sei.

Dem widersprach Steger: «Bereits im Herbst hat die Stadt signalisiert, dass sie kein Interesse hat, etwas für unsere Gasversorgung zu bezahlen.» Er verwies ausserdem darauf, dass lokale Feuerwehren von der Energie 360° AG auf Massnahmen bei Gasaustritt geschult werden. «Die sind in sechs bis acht Minuten vor Ort und können den Gasschieber zudrehen.» CEO Jörg Wild, der ebenfalls an der Gemeindeversammlung anwesend war, sagte, dass die Situation in der Stadt Zürich ähnlich sei, das Modell mit den Feuerwehren habe sich dort gut bewährt. Der Rückweisungsantrag von Hasenfratz wurde mit 67 zu 22 Stimmen abgelehnt und der Verkauf mit 71 zu 24 Stimmen angenommen. Der Vertrag ist ab Anfang 2018 gültig, die Gemeinde subventioniert den Gaspreis noch bis 2021.

Anschluss an den Staatswald

Ebenfalls angenommen wurde die Auflösung des Forst-Zweckverbandes Ribewi und der damit verbundene Anschluss an den Staatswald Hegi-Töss. Es gab nur fünf Gegenstimmen. Die Jahresrechnung schloss mit einem Minus von 2,7 Millionen Franken und somit 150 000 Franken besser als budgetiert. Zudem nahm die Versammlung sechs Bauabrechnungen ab, die ihr Gesamtbudget um 300 000 Franken unterschritten hatten. 1,5 Millionen Franken an Krediten für Strassensanierungen wurden ebenfalls genehmigt.

Heute Abend findet ab 19.30 Uhr in der Wisenthalle die Versammlung der reformierten Kirchgemeinde und der Schulgemeinde Wiesendangen statt. Im Anschluss orientiert die Politische Gemeinde über die neue Gemeindeordnung, die Bau- und Zonenordnung sowie über die Sanierung der Wisenthalle.

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