Zum Hauptinhalt springen

Gefährdungskarte auf wackeligen Füssen

Keine bediente Poststelle mehr in der ganzen Region ausser in Andelfingen? Dieses Szenario hat die Gewerkschaft Syndicom auf einer Karte skizziert – in stark vereinfachter Art und Weise.

Vor der Post beim Bahnhof Andelfingen ist der Platz schon heute knapp. Würde auch noch die Poststelle in Marthalen schliessen, wäre die Platznot in Andelfingen wohl noch grösser.
Vor der Post beim Bahnhof Andelfingen ist der Platz schon heute knapp. Würde auch noch die Poststelle in Marthalen schliessen, wäre die Platznot in Andelfingen wohl noch grösser.
Marc Dahinden

Wer das Wort «Gefährdungskarte» liest, denkt wohl an Hochwasser oder Erdbeben. Doch die kürzlich von der Gewerkschaft Syndicom veröffentlichte Karte meint die angeblich gefährdeten Poststellen in der Schweiz.In den letzten Jahren wurden viele klassische Poststellen geschlossen, weil immer weniger Leute sie für Einzahlungen oder die Aufgabe von Briefen aufsuchen. Im Herbst gab die Post bekannt, dass sie bis ins Jahr 2020 schweizweit bis zu 600 weitere traditionelle Filialen schliessen will. Und Ende März, Anfang April will die Post bekannt geben, welche Poststellen bis 2020 gesichert sind.

Post spricht von Spekulation

Das Bild, das Syndicom von der Region um Winterthur, vom Weinland sowie vom Eulach- und Tösstal zeichnet, ist ebenso düster wie rasch zusammengefasst: Von den knapp 20 verbliebenen Poststellen in der Region sollen bis auf diejenige in Andelfingen alle gefährdet sein. Betroffen wären also auch so grosse Gemeinden wie etwa Seuzach, Neftenbach, Wiesendangen oder Effretikon. In Winterthur sind laut der Gewerkschaft die Poststellen Deutweg und Neuhegi gefährdet.

«Leider haben wir da nicht überall Informationen.»

Christian Capacoel, Gewerkschaft Syndicom

Das sei reine Spekulation, die Angst und Unsicherheit schüre, heisst es in der Reaktion der Post. Und bereits im Januar sagte sie gegenüber dem «Landboten», dass sie noch nicht wisse, wie viele und welche Poststellen in den Bezirken Winterthur und Andelfingen geschlossen werden sollen. Auch Martin Farner, Präsident der Weinländer Gemeindepräsidenten, hat «gar nichts gehört» von einer bevorstehenden Schliessung weiterer Poststellen.

«Poststellen-Kahlschlag»

Wie also hat Syndicom ihre Karte überhaupt erstellt? Das von ihr als «Poststellen-Kahlschlag» skizzierte Szenario beruht auf Kriterien der Post selber sowie des Gesetzgebers. Dabei geht die Gewerkschaft davon aus, dass sich die Post bei künftigen Schliessungen just auf diese Kriterien berufen würde. Ihr zufolge ist eine Poststelle dann garantiert, wenn die betroffene Gemeinde Kantons- oder Bezirkshauptort ist oder mindestens 20 000 Einwohner hat. In der Region um die Stadt Winterthur erfüllt einzig die Gemeinde Andelfingen als Bezirkshauptort eines dieser drei Kriterien. Nimmt man noch das Kriterium aus dem Gesetz hinzu, wird klar, weshalb alle übrigen Gemeinden direkt in die Kategorie «gefährdet» fallen: Die Poststellen sollen geografisch so verteilt sein, dass 90 Prozent der Bevölkerung zu Fuss oder mit dem ÖV die nächste Poststelle oder -agentur in 20 bis 30 Minuten erreichen.

«Sehr vage»

Syndicom räumt ein, dass die Wirtschaftlichkeit einer Poststelle bei der Erstellung der Karte nicht berücksichtigt werden konnte. Denn zur Rentabilität gibt die Post keine Zahlen heraus. «Es braucht hier mehr Transparenz», sagt Syndicom-Sprecher Christian Capacoel auf Anfrage. Die Post lehnt dies wegen ihrer Mitbewerber ab. Man habe aber, so Capacoel, bei der Erstellung der Karte auch interne Informationen verwendet. «Leider haben wir da nicht überall Informationen.» Auch nicht berücksichtigt hat die Gewerkschaft die von der Post stets betonten regionalen Gegebenheiten, weil diese laut Syndicom «sehr vage» sind. Und trotz all der Mängel hat sie eine «Gefährdungskarte» erstellt.

Irritierende Fehler auf Karte

Die holzschnittartige Einschätzung von Syndicom führte denn auch zu etlichen Fehlern. So sind etwa die Poststellen von Rikon, Weisslingen und Wila als «gefährdet» eingezeichnet, obschon deren Schliessung beschlossene Sache ist. Für Poststellen im «Schliessungsprozess» wäre auf der Karte ein eigenes Symbol vorgesehen. Ebenfalls gefährdet sein soll die Poststelle von Aadorf TG. Ein Verantwortlicher der Post sagte aber kürzlich im St. Galler Tagblatt, dass diese gesichert sei.

Auch an der Plausibilität der Karte lässt sich zweifeln. So ist zum Beispiel die Post in Seuzach erst vor gut zwei Jahren in einen Neubau im Ortszentrum umgezogen. Auch im Falle der angeblich gefährdeten Poststelle in Neuhegi liesse sich von Alarmismus sprechen. Denn vor nicht einmal zwei Jahren eröffnete der Gelbe Riese eine neue Poststelle im Winterthurer Boomquartier.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch