Endlager

Gefühlte Betroffenheit reicht nicht

Drei Tage nach dem Bundesratsentscheid startete am Samstag die Weinländer Endlager-Regionalkonferenz in die heisse Phase. Und wieder wurde über Betroffenheit diskutiert.

Auf ihm ruhen alle Erwartungen: Der graue Opalinuston hält radioaktive Teilchen besonders gut zurück. Auf dem Foto in einer Tongrube im Kanton Schaffhausen ist zudem ein Ammonit zu sehen. Dieses ausgestorbene, tintenfischähnliche Tier in Schneckenform (lat. Leioceras opalinum) gab dem Ton seinen Namen.

Auf ihm ruhen alle Erwartungen: Der graue Opalinuston hält radioaktive Teilchen besonders gut zurück. Auf dem Foto in einer Tongrube im Kanton Schaffhausen ist zudem ein Ammonit zu sehen. Dieses ausgestorbene, tintenfischähnliche Tier in Schneckenform (lat. Leioceras opalinum) gab dem Ton seinen Namen. Bild: Markus Brupbacher

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Letzten Mittwoch gab der Bundesrat den Startschuss für die letzte und damit entscheidende Phase in der Suche nach einem Endlagerstandort. Und schon am Samstag traf sich die Weinländer Regionalkonferenz in Andelfingen zu ihrer Startversammlung. Anwesend waren 96 Stimmberechtigte, darunter 33 Neumitglieder. Insgesamt zählt die Konferenz neu 125 Mitglieder, bisher waren es 110. Insgesamt sind 42 Gemeinden vertreten aus den Kantonen Zürich, Schaffhausen, Thurgau sowie aus Deutschland.

In den nächsten Jahren untersucht die Nationale Genossenschaft für die Lagerung radioaktiver Abfälle (Nagra) die drei verbliebenen Regionen Zürich Nordost (Zürcher Weinland), Nördlich Lägern (Zürcher Unterland) und Jura Ost (Aargauer Bözberg) vertieft. Dazu gehören vor allem Bohrungen bis zu 2000 Metern Tiefe. Danach vergleicht die Nagra die drei Regionen untereinander und wählt die am besten geeignete aus – wohl im Jahr 2022. Anschliessend folgen viele Jahre der Überprüfungen und Stellungnahmen. Der Bundesrat soll Ende 2029 entscheiden.

Wer ist alles betroffen?

An der Startversammlung vom Samstag wurden diverse Gremien der Regionalkonferenz neu gewählt und über die neuen Statuten abgestimmt. Dabei tauchte eine alte Frage immer wieder auf: Wer wäre vom Endlager wie stark betroffen und soll daher in der letzten Phase der Standortsuche wie stark mitreden dürfen? Roman Mayer, Vizedirektor des Bundesamtes für Energie (BFE), wiederholte dazu die Haltung des Bundes. Es gehe um effektive Betroffenheit, etwa durch Teile des Endlagers auf oder unter dem Boden einer Gemeinde oder durch die Sicht auf solche Lagerteile wie zum Beispiel das oberirdische Tor zum Endlager. «Sich betroffen fühlen, das reicht nicht aus.»

Betroffenheit durch Sicht

Wie aber wird der sogenannte Sichtbezug von oberirdischen Anlageteilen des Endlagers definiert? Anders gefragt: Ab wann ist man wie stark betroffen, wenn man was vom Endlager sieht? Die Antwort darauf ist deshalb von Bedeutung, weil sie darüber entscheidet, welche Gemeinden wie stark in der dafür zuständigen Fachgruppe Oberflächeninfrastruktur mitreden dürfen. Eine solche Gruppe ist eine Art Kommission innerhalb der Regionalkonferenz.

Die Betroffenheit durch die Sicht auf oberirdische Teile des Endlagers wird zweigeteilt. Stärker betroffen ist eine Gemeinde, wenn man von einem Wohngebiet aus zum Beispiel das Tor zum Endlager sieht. Schwächer ist hingegen die Betroffenheit, wenn man eine solche Anlage etwa von einem Waldstück oder von einem Acker aus sieht. In beiden Fällen kommt es allerdings darauf an, wie hoch die Nagra diese Gebäude planen wird.

Vom Grossen ins Kleine

Eine weitere diskutierte Frage drehte sich nicht um die Betroffenheit durch die oberirdischen, sondern durch die unterirdischen Teile des Endlagers. Dabei spielt der sogenannte Haupterschliessungsbereich (HEB) die zentrale Rolle. An dem Ort laufen die Tunnel und Schächte von der Erdoberfläche untertags zusammen. Von dort aus führt ein Tunnel ins eigentliche Lagerfeld, wo die radioaktiven Abfälle im Opalinuston eingelagert werden.

Um den HEB herum wird dann ein Kreis mit einem Radius von einem Kilometer gezogen. Gemeinden, die in diesem Kreis liegen, dürfen in der Fachgruppe Oberflächeninfrastruktur ebenfalls mitwirken. Dank der Daten aus den letzten seismischen Messungen von 2006 kann die Nagra den HEB bereits nächsten Frühling festlegen. Sollten die 2019 startenden Tiefenbohrungen eine Verschiebung des Lagerfeldes nötig machen, wäre das laut der Nagra kein Problem. Denn dann wäre der Tunnel vom HEB zum Lagerfeld einfach etwas länger.

Die Nagra geht allerdings nicht davon aus, dass eine Verschiebung des Feldes derart gross wäre, dass der HEB selbst verschoben werden müsste. Warum? Um den Ort des Lagerfeldes für die radioaktiven Abfälle festzulegen, ging die Nagra in ihren Untersuchungen schrittweise vor, vom Grossen ins Kleine. Zuoberst steht das geologische Standortgebiet. Darin liegt der schon enger gefasste Lagerperimeter. Innerhalb des Perimeters wird in einem weiteren Schritt die Lagerzone festgelegt, in der sich schliesslich das Lagerfeld befindet. (Der Landbote)

Erstellt: 25.11.2018, 16:16 Uhr

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