Rheinau

Geheimtuerei um Grossspender und Plan B

Das Experiment zum Grundeinkommen ist wegen des Geldes akut gefährdet. Die Initianten bleiben optimistisch – und bringen zwei wenig konkrete Hintertürchen ins Spiel.

Rheinau als Freiluftlabor für ein bedingungsloses Grundeinkommen? Das geplante Experiment ist wegen der Finanzierung stark gefährdet.

Rheinau als Freiluftlabor für ein bedingungsloses Grundeinkommen? Das geplante Experiment ist wegen der Finanzierung stark gefährdet. Bild: Heinz Diener

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In der bloss 50 Tage dauernden Sammelfrist sollten rund 123 000 Franken zusammenkommen – pro Tag. Bis gestern Mittag sind allerdings erst knapp 115 000 Franken gesammelt worden – nach 17 Tagen.

Insgesamt werden für den Rheinauer Grundeinkommensversuch 6,142 Millionen Franken benötigt, damit das einjährige Experiment am 1. Januar 2019 starten kann. Dann würden 770 Rheinauer ein bedingungsloses Grundeinkommen erhalten, für Erwachsene gäbe es 2500 Franken pro Monat. Es wäre der erste derartige Versuch in der Schweiz.

«Braucht ein Wunder»

Nach über zwei Wochen nicht einmal den Geldbetrag von einem einzigen Tag gesammelt: Das Rheinauer Experiment ist also stark gefährdet. Bereits im Juni setzte der «Landbote» ein Fragezeichen, ob die Zeit ausreicht, um das nötige Geld zu finden. Und vor rund zwei Wochen, kurz nach Beginn der Sammelaktion, titelte er: «Hohes Ziel, harziger Start». In den letzten Tagen häufen sich nun die kritischen Berichterstattungen. «Bedingungsloses Grundeinkommen in Rheinau ZH braucht ein Wunder», schrieb das Nachrichtenportal nau.ch. Das grösste Crowdfunding der Schweiz drohe «hochkant zu scheitern!». Und auch das SRF-Regionaljournal Zürich Schaffhausen fragte diese Woche: «Scheitert das bedingungslose Grundeinkommen in Rheinau am Geld?» Das Projekt stehe «auf wackligen Beinen» und die Finanzierung «hapert».

"Scheitert das bedingungslose Grundeinkommen in Rheinau am Geld?"SRF Regionaljournal Zürich Schaffhausen

Das sei «sehr bitter», sagte Mitinitiantin und Filmemacherin Rebecca Panian gegenüber dem Regionaljournal. Davon abschrecken lassen sich die Initianten aber nicht. «Klar hätten wir uns über zwei oder drei Millionen Franken in den ersten Wochen gefreut. Vorbei ist es aber noch nicht.» Panian glaubt weiter an den Erfolg. Es gehe um die «Macht der Gemeinschaft», und den Glauben an diese habe sie noch nicht verloren. Sie nennt zwei Gründe, wieso das Geldsammeln harzt. Zum einen würden – «leider» – immer noch viele Leute denken: «Wieso soll ich denen ein schönes Leben finanzieren?» Zum anderen habe man «nicht wirklich» ein Budget für Marketing oder eine grosse Kampagne.

Was Panian am Radio jedoch nicht erwähnt hat: Das Rheinauer Experiment sorgte nicht nur in der ganzen Schweiz, sondern auch im Ausland für viele Schlagzeilen. Das Vorhaben sollte also landauf landab bekannt sein.

«Noch keine Namen nennen»

Was geschieht, wenn das nötige Geld nicht zusammenkommt? Panian nannte zwar bereits zwei mögliche Hintertürchen, ohne aber bislang konkret zu werden. Zusätzlich zum Crowdfunding frage man auch noch grosse Investoren an. «Da möchte ich aber noch keine Namen nennen», sagte sie den «Schaffhauser Nachrichten». Das zweite, wenig transparente Türchen besteht in einem «Plan B». Sollten die gut sechs Millionen Franken nicht erreicht werden, werde man mit dem Rheinauer Gemeinderat zusammensitzen und entscheiden, wie es weitergeht. «Genaueres will sie zu diesem Plan B noch nicht verraten», hiess es dazu im Regionaljournal.

Wie könnte ein solcher Plan aussehen? Eine (Mit-)Finanzierung durch Steuergelder? Man wolle nicht auf solche Gelder zurückgreifen, heisst es auf der Webseite «Dorf testet Zukunft» der Initianten. Und auch der Rheinauer Gemeinderat winkt ab: «Es werden keine Steuergelder aus Rheinau ins Projekt einfliessen», sagte Gemeindepräsident Andreas Jenni gestern auf Anfrage. Oder würde der Grundeinkommensversuch einfach im kleineren Rahmen durchgeführt? Diese Möglichkeit würde durch die Geschäftsbedingungen der Crowdfunding-Plattform praktisch verunmöglicht. Denn wird das Finanzierungsziel nicht erreicht, so heisst es dort, sind die einbezahlten Beträge den Unterstützern zurückzuerstatten.

Und was geschieht am 4. Dezember, wenn die 50-tägige Sammelfrist abläuft? Just an dem Tag findet in Rheinau per Zufall auch die ordentliche Budgetgemeindeversammlung statt. Vielleicht werden dann in letzter Minute die Namen etwaiger Grossspender genannt – ganz der Dramaturgie eines Films folgend.

(Der Landbote)

Erstellt: 01.11.2018, 16:33 Uhr

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