Brütten

Gemeinde gönnt sich Zweitauto für alle

Die knapp zweitausend Einwohner von Brütten bekommen ab März ein Elektroauto zum Teilen. Doch eigentlich lohnt sich der Car-Sharing-Standort im Dorf gar nicht, sagt die Erfahrung des Anbieters.

In Brütten steht ab Anfang März ein Elektroauto von Mobility zur Verfügung.

In Brütten steht ab Anfang März ein Elektroauto von Mobility zur Verfügung. Bild: Urs Jaudas

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Ein einziges Auto für eine ganze Gemeinde: Das System dahinter heisst Carsharing und lohnt sich laut Anbieter eigentlich nur in urbaner Umgebung. Da ist aber Brütten anderer Meinung und will das Gegenteil beweisen.

In Brütten steht ab dem 2. März ein weisser Renault Zoe neben dem Volg. Ein kleiner Wagen, rund geschnitten, elektrisch und verfügbar für alle. Vorausgesetzt man besitzt eine Mitgliedschaft beim Carsharing-Unternehmen Mobility. Wie viele Brüttener das genau sein werden, ist noch nicht klar. Doch es schaut nicht schlecht aus: Im November hat der politische Gemeindeverein von Brütten eine kleine Umfrage gestartet, an der immerhin 52 Prozent der Befragten angaben, sie würden Carsharing nutzen.

Standort könnte rentieren

«Wir haben natürlich schon vorher Abklärungen gemacht und von Mobility eine Offerte bekommen», verrät Gemeinderat Peter Ball. Trotzdem: Die Umfrage des Vereins habe den Ausschlag geben. Der Standort könnte rentieren. Doch so sicher ist das nicht. «Die meisten Leute werden den Renault Zoe wohl als Zweitauto-Ersatz benutzen», vermutet Gemeinderat Peter Ball. Oder wenn jemand mit dem Öffentlichen Verkehr nach Brütten komme, dann sei das Mobility-Auto eine gute Umsteigemöglichkeit, um in abgelegene Höfe zu kommen. «Ich selber werde das Auto sicher auch benutzen, privat wie auch als Gemeinderat.»

Und damit ist man schon direkt bei der unangenehmsten Frage, die gute Ideen oft mit sich bringen: Wer bezahlt? Eigentlich passiert das Carsharing-Projekt in Brütten wider besseren Wissens. Die Nachfrage nach Autos zum Teilen, steige zwar kontinuierlich, schreibt Mobility. Diese Entwicklung beziehe sich jedoch überwiegend auf urbane Gegenden, denn hier spiele das Carsharing besonders gut mit dem öffentlichen Verkehr zusammen, sagt Patrick Eigenmann von Mobility.

Pilotprojekt für zwei Jahre

Genau umgekehrt ist der Trend in ländlichen Gegenden. Die Erfahrungen der Firma zeigen: Unter 5000 Einwohner lohnt sich der Standort wirtschaftlich nicht. Weil aber ein Carsharing-Parkplatz vor dem Haus eine sehr praktische Sache sein kann, wollen es die Brüttener genau wissen und starten deshalb den Versuch während den nächsten zwei Jahren.

Der Zoe, der auf dem Parkplatz beim Volg zur Verfügung stehen soll, kostet rund 13’000 Franken. Irgendwie muss das wieder reinkommen. Die Carsharing-Firma kommt in diesem Punkt den Gemeinden entgegen: Fahren Mitglieder der Gemeinde mit dem Auto, werden die Fahrkosten zu hundert Prozent von der Investition abgezogen. Fahren Privatleute, gehen 25 Prozent der Fahrkosten an Mobility, schliesslich stellt sie die ganze Infrastruktur zur Verfügung und will auch noch was verdienen.

Eine Mitgliedschaft bei Mobility kostet 129 Franken im Jahr. Nachher zahlt man, im Falle des Renault Zoe, pro Kilometer 2.50 Franken und pro Stunde 65 Rappen. Das kann jedoch je nach Abonnement variieren. Auch ganz ohne Abo kann der Zoe benutzt werden, dann fallen jedoch entsprechend höhere Kilometer- und Stundenansätze an.

Das gesponserte Defizit

Aber was, wenn es trotz allem, am Ende ein Defizit gibt? Dann müsste die Gemeinde einspringen und hat für diesen Fall bereits einen kleinen Posten im Budget eingerechnet. Wobei im Fall von Brütten jemand anders das Projekt noch unterstützt. Walter Schmid, Verwaltungsratspräsident der Umweltarena und Erbauer des energieautarken Hauses in Brütten deckt ein allfälliges Defizit mit einem «Sponsoring».

Erstellt: 17.02.2019, 16:25 Uhr

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