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Gemeinderat spart bei Handweberei

Die Gemeinde Turbenthal streicht ihren Beitrag an die Handweberei in Bauma. Das stellt die Stiftung mit Präsidentin Rita Fuhrer vor neue Schwierigkeiten.

Die Weberinnen Margrit Fankhauser und Katharina Osterwalder (von links) bereiten die Produktion von Küchentüchern vor.
Die Weberinnen Margrit Fankhauser und Katharina Osterwalder (von links) bereiten die Produktion von Küchentüchern vor.
Heimatwerk Zürioberland/P.Zinniker

Für Rita Fuhrer ist die Handweberei in Bauma eine Herzensangelegenheit. Die ehemalige SVP-Regierungsrätin unterstützt den Betrieb nicht nur finanziell. Seit 2012 ist sie auch Präsidentin der tragenden Stiftung. «Die Handweberei verkörpert einen entscheidenden Abschnitt unserer Geschichte», sagt sie. «Die frühe Industrialisierung im Zürcher Oberland löste eine enorme Dynamik aus, bis nach Zürich. Es ist wichtig, dass das nicht vergessen geht.» In der Handweberei werde diese Geschichte greifbar, insbesondere auch für Schüler. Weberinnen lassen dort wie einst Schiffchen hin und her schiessen und stellen so Trachten, Schürzen oder Tücher her.Obwohl die Produkte teilweise bis ins Ausland verkauft werden, ist der Betrieb nicht selbsttragend und könnte ohne Unterstützung aus der Region nicht überleben. Seit 2010 zahlt etwa die Gemeinde Turbenthal jährlich 3000 Franken an die Handweberei, die zum Heimatwerk Züri Oberland gehört und von einer Genossenschaft betrieben wird.

Tiefe Steuerkraft als Grund

Der Turbenthaler Gemeinderat hat nun aber entschieden, diesen jährlichen Betrag künftig nicht mehr zu zahlen. Begründet wird das in einer Mitteilung mit der schlechten Finanzlage der Gemeinde: «Turbenthal gehört zu den Gemeinden mit der tiefsten Steuerkraft im Kanton.» Für 2019 rechne man mit einem deutlichen Minus. Und eine generelle Trendwende zeichne sich in den nächsten Jahren nicht ab. «Ausgaben müssen hinterfragt und nicht erforderliche Positionen gestrichen werden», heisst es in der Mitteilung weiter. Mit «nicht erforderlich» sind offensichtlich auch die Beiträge an die Handweberei gemeint.

Rita Fuhrer bedauert den Entscheid des Gemeinderats: «Das ist schade. Aber wir sind sehr dankbar, dass wir die Beiträge bisher erhalten haben.» Das sei sehr grosszügig gewesen.

Die Absage aus Turbenthal stellt das Heimatwerk Züri Oberland erneut vor finanzielle Probleme. Rund 70 000 Franken jährlich müssten durch Spendengelder gedeckt werden, sagt Rita Fuhrer weiter. «Da sind 3000 Franken ein erheblicher Brocken.» Unterstützt wird das Heimatwerk hauptsächlich von der Gemeinde Bauma und vielen Kleinspendern. Ansonsten gerate das Heimatwerk bei der Vergabe staatlicher Hilfsgelder oft zwischen «Stühle und Bänke», sagt Rita Fuhrer. Dies, weil es nicht «nur» ein Museum sei, sondern auch ein produzierendes Unternehmen, das mit neuen Ideen möglichst viele Einnahmen selber generieren will. So wurden die Beiträge aus Turbenthal etwa auch für Forschung und Entwicklung eingesetzt, um Produkte zu lancieren. Ein Beispiel dafür sind zwei Picknicksäcke, mit denen das Heimatwerk einen von Graubünden Tourismus ausgeschriebenen Wettbewerb gewann.

Neben Fabrik aufgewachsen

Gerade weil in der Handweberei Bauma aktiv gearbeitet werde, sei sie ein attraktives Ausflugsziel für Touristen und Schüler, sagt Rita Fuhrer weiter. «Hier wird Geschichte lebendig.» Man könne etwa dabei zusehen, wie auf einer 135-jährigen Hohlsaumstickmaschine gearbeitet werde und hochwertige Produkte entstehen. «Das ist einzigartig.»

Rita Fuhrer ist bereits seit ihrer Kindheit von der Industriegeschichte fasziniert. In Thal ist sie neben einer grossen Seidengazefabrik aufgewachsen und hielt einen ihren ersten Schulvorträge über die Firma: «Es war eine der ersten Webereien, welche die Industrie belieferte. Sie hatte Kunden auf der ganzen Welt.»

Nun hofft die ehemalige Regierungsrätin, dass sich Privatpersonen finden lassen, die sich wie sie für die Industriegeschichte im Zürcher Oberland begeistern.

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