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Greifvögel landen wegen Kälte in der Notaufnahme

Bussarde leiden besonders unter dem kaltem Wetter. Die Greifvogelstation in Berg am Irchel versucht, geschwächte Vögel zu retten.

Vier braune Kartonboxen mit Atemlöchern stehen beim Eingang der Greifvogelstation in Berg am Irchel. Darin sitzen Mäusebussarde, die nur noch aus Federn und Knochen bestehen.

«Die sind in den letzten zwei Tagen eingetroffen», sagt Leiter Andreas Lischke. Insgesamt 60 Greifvögel hat Lischke diesen Winter bereits aufgenommen. Nicht alle haben überlebt. Auch für einen der Bussarde aus der Kartonbox kommt jede Hilfe zu spät. Er stirbt auf der Waage. «Es entscheidet sich meist in den ersten Stunden, ob sie durchkommen», sagt Lischke.

Nicht alle fliegen gen Süden

Die Kälte im Januar mag einige Menschen gestört haben, für die Mäusebussarde führt sie hingegen zu einem regelrechten Überlebenskampf. Denn die Mäuse, Hauptnahrungsmittel der Bussarde, verstecken sich unter dem Schnee, kaum erreichbar für den scheuen Bussard, der sich selten in Siedlungsgebiete vorwagt. Anders als etwa der Rotmilan, der «auch mal die Wurst auf dem Grill klaut» und von vielen Menschen gefüttert werde, wie Lischke sagt. Mit der derzeitigen Situation komme der Milan besser klar.

Nebst der erschwerten Nahrungssuche verbrauchen die Vögel durch die Kälte gleichzeitig mehr Energie. Für Lischke ist aber nicht nur das Wetter, sondern auch der Mensch schuld: «Durch die Verbauung, stetiges Landwirtschaften und herausgeputzte Gärten werden die Beutetiere generell immer knapper.» Dieses Jahr war die Nahrungsknappheit für Lischke offensichtlich: «Bereits nach dem ersten Schneefall trafen bei uns reichlich Bussarde ein, die mussten bereits vorher stark geschwächt gewesen sein», sagt Lischke. Die Tiere werden von Privatpersonen angeliefert oder es wird darauf aufmerksam gemacht.

Stündliche Fütterung

Mäusebussarde sind sogenannte Teilzieher. Das heisst, nicht alle fliegen in südlichere Gefilde. Die Reisewilligen machen ihr Abflugdatum oftmals vom Wetter abhängig. «Gesunde Tiere schaffen den Flug über die Alpen auch noch bei kalten Temperaturen», sagt Lischke. Schwache Bussarde hingegen, die regelrecht «vom Winter überfallen» würden, hätten keine Chance mehr.

Aktuell sind alle dreizehn Holzboxen in der Auffangstation besetzt, deshalb die zusätzlichen Kartonboxen beim Eingang. «Wir müssen aber trotz Hochbetrieb keinen Vogel ablehnen», sagt Lischke. Freiwillige und Zivildienstleistende helfen bei der Pflege in der Station, die von der spendenfinanzierten Stiftung Paneco betrieben wird. Als Erstes werden die Tiere jeweils auf Knochenbrüche, Blindheit oder andere Krankheiten wie die Vogelgrippe (bisher zwei Fälle, der letzte im November) getestet. Die abgemagerten Vögel werden stündlich mit Mäusen oder Eintagesküken gefüttert. Die Mäuse stammen von den Rollfeldern des Flughafens Zürich. Diese werden dort eingefangen, damit keine Greifvögel neben den startenden und landenden Flugzeugen ihre Kreise ziehen.

«Man muss ganz behutsam mit den abgehungerten Tieren umgehen, Unmengen an Fleisch reinzustopfen, bringt die Vögel um», sagt Lischke. Können die Tiere keine feste Nahrung mehr zu sich nehmen, wird ihnen eine Mixtur mit Nährstoffen eingeflösst. Täte man das nicht, wären die Konsequenzen für Lischke fatal: «Die Greifvögel als sogenannte Endprädatoren sind für die Nahrungskette eminent wichtig, da sie Schwaches ausmerzen, damit Gesundes überleben kann, und somit auch die Ausbreitung von Seuchen verhindern.»

Ausserdem würde es auch den Bauern viel Arbeit ersparen, wenn es beispielsweise Bartgeier in grösseren Populationen gäbe: «Heute muss der Bauer eine tote Kuh auf der Alp mit dem Heli abtransportieren, gäbe es in diesen Regionen mehr Endprädatoren, käme das viel günstiger.»

Die Vögel, die in der Voliere nebenan ihre Flugmuskeln nach dem Überlebenskampf wieder aufbauen können, werden momentan noch nicht wieder freigelassen. «Die Witterung ist noch nicht optimal», sagt Lischke. Die Gefahr, dass die Tiere nach dem Freilassen wieder keine Nahrung finden, sei momentan noch zu gross. Jonas Gabrieli

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