FCW

Gute Leistung, magerer Ertrag

In letzter Sekunde hätte der FCW gegen den FC Aarau beinahe noch verloren. Aber eigentlich hätte er das Startspiel gewinnen müssen. Immerhin, der Gesamteindruck war klar positiver als das (magere) Resultat.

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Es wäre ein Klassiker gewesen, immer wieder gesehen, für die einen ein Glücksfall, für die andern ein Ärgernis: 93 Minuten und eine halbe waren gespielt, als Aaraus Rechtsverteidiger Raoul Giger flankte, Patrick Rossini den Ball direkt abnahm und ihn nur ein paar Zentimeter am weiteren Pfosten vorbei platzierte. Rossini, mittlerweile 31, war nach 85 Minuten gekommen. Seit einem Kreuzbandriss im April 2018 hat er kaum noch gespielt und schon gar kein Tor geschossen. Hätte er getroffen, wären die Aarauer als Sieger heimgefahren. «Verdient» wäre das keinesfalls gewesen, aber sie hätten sich darob gleichwohl für Effizienz gelobt.

Ein 1:2 hätte auch der Leistung des FCW nicht entsprochen, aber das hätte dann wenig interessiert. Sieht man in der Wertung des Anlasses Resultat und Leistung getrennt (die ja so oft nicht gleichwertig sind), dann ist über einen guten Match zu urteilen: Die Leistung des FCW war vom Inhalt her besser; er wirkte besser etwas besetzt und spielte besser als der Gast. Aber er kassierte ein vermeidbares Gegentor und schoss auch nur einen Treffer, was im Verhältnis zu seinem Aufwand und – vor allem – seinen Torchancen ungenügend war. Im «Normalfall» gewinnt man ein solches Spiel. Vielmehr, man muss es gewinnen. Wer es nicht tut, hat jenes Defizit, das der FCW an diesem Tag nicht verbergen konnte: Nur ein Tor aus neun klaren bis glasklaren Chancen ist auch dann ärgerlich wenig, wenn bei zwei Pfostenschüssen Pech dabei war und ein «Tor» von Roman Buess nicht anerkannt wurde, wegen einer – zurückhaltend formulierten – wenn überhaupt existenten, dann sehr, sehr knappen Abseitsposition.

Die Vorbereitung bestätigt

Durch die Vorbereitung des FCW mit fünf Siegen und einem Unentschieden hatte sich ein massgeblicher Eindruck gezogen: Das ist eine Mannschaft mit vielen guten Spielern, der eine Leistung wie in der vergangenen Saison mit Perspektive nach oben zuzutrauen ist. Und die vor dem Tor stark ist, die immerhin viermal pro Match traf. Dieser Start gegen Aarau hat zumindest für ein erstes Mal bestätigt, dass die Mannschaft gut spielen kann, den direkten Weg aufs gegnerische Tor sieht. Was fehlte: Der Abschluss. Buess spielte den Stossstürmer gut, aber er hätte zwei klare Möglichkeiten für ein zweites – zählendes – Tor besessen. Luka Sliskovic, im Frühjahr immer mehr ein «Knipser», war es diesmal nicht. Mal schob er den Ball selbst aus fünf Metern an den Innenpfosten. Und es fehlten, was zur Vorbereitung gehört hatte, auch Tore der Israelis, die ja erst am Anfang ihrer Entwicklung stehen.

«Die Zuschauer 
waren zufrieden, sie werden wiederkommen – und das ist wichtig.»
FCW-Trainer Ralf Loose

Es hätte auch ein anderer Neuer, Innenverteidiger Mario Bühler, schon acht Minuten aus wenigen Metern nur das Tor treffen müssen, und es hätte 1:0 gestanden. Es hätte Nuno Da Silva alleine vor dem 18-jährigen Nicholas Ammeter den Ball in die weitere Ecke statt knapp daneben schieben müssen. Als Letzter hatte Rijad Saliji in der 90. Minute seine Chance. Seine Aktion war gut, sein Schuss nicht schlecht, aber nicht gut genug, Ammeter zu überwinden. Ihn feierten die Aarauer hinterher. Für einen jugendlichen Debütanten war seine Leistung sehr in Ordnung, zumal die Aarauer nach der ausgebliebenen Rückkehr Djordje Nikolics aus Basel im Goalie einen Schwachpunkt befürchtet hatten. Aber mit Hinweis auf die mangelhafte Abschlussqualität des FCW ist doch auch zu sagen: Wunderdinge musste Ammeter nicht vollbringen.

Durch die Beine hindurch

«Wir hatten zu Beginn fünf Neue auf dem Platz, davon zwei, die erst zweimal mittrainierten. Sieben Mann waren verletzt», merkte Trainer Ralf Loose an. Er meinte damit auch: Unter diesen Voraussetzungen war die Gesamtleistung seiner Mannschaft mehr als in Ordnung: «Die Zuschauer waren zufrieden, sie werden wiederkommen – und das ist wichtig.» Wichtig sei auch gewesen, wie Davide Callà mit der Flanke und Buess mit dem souveränen Kopfball zum Ausgleich zusammengearbeitet hätten. Also fasste Loose nochmals zusammen: «Die Leistung war gut, das Resultat etwas weniger.»

Es war in der Tat okay, wie diese Abwehr ohne gelernten Linksverteidiger auskam – mit einem guten Gabriel Isik rechts und einem anfangs etwas problembeladenen, allmählich aber sicheren Nils von Niederhäusern links. Bühler und Sead Hajrovic waren ein dichtes Zentrum. Allerdings war weder der eine noch der andere bei der Entstehung des Gegentores ausreichend präsent. Und dann hätte Goalie Raphael Spiegel den Flachschuss Mats Hammerichs aus allerdings nur sieben Metern an einem andern Tag kaum durch die Beine fliegen lassen.

Gjelbrim Taipi, der doch anstelle Salijis als zweiter «Sechser» neben Ousmane Doumbia begann, machte einen ordentlichen Match. Spielerisch müsste er zu einem Gewinn werden. Nuno liess nach starkem Beginn – mit allerdings zu wenig Klarheit im Abschluss – nach und wich dann dem israelischen Debütanten Mido Bdarney, dessen Landsmann Anas Muhamad noch auf der Bank blieb. Die stärksten Einzelleistungen boten Doumbia und Callà. Doumbia setzte seine besten Vorstellungen der vergangenen Saison fort, keiner auf dem Platz konnte ihm das Wasser reichen, seiner Kombination aus Balleroberung und schnellen Spielentwicklung. Callà war von Beginn weg präsent, Gegner Damir Mehidic war ihm nicht gewachsen. Es war spürbar, dass er nach 63 Minuten verletzt vom Platz musste. Hätte Sliskovic wenigstens einmal getroffen, wäre seine Vorstellung ebenfalls herauszuheben gewesen.

Erster Punkt seit fünf Jahren

Die Aarauer und ihr Trainer Patrick Rahmen schwankten am Ende zwischen dem Zugeständnis, «hier um einen Punkt froh sein zu müssen», wie es Rahmen formulierte, und dem Bedauern, Rossinis späte Chance nicht noch zum Lucky punch genutzt zu haben. Aber auch Rahmen bestätigte den Eindruck, der sich nach diesem ersten Tag – wenn auch mit dem nötigen Vorbehalt – aufdrängt: Der FCW machte im Vergleich zu vergangenen Saison einen Schritt vorwärts, Aarau einen zurück. «Der FCW ist schon etwas besser als letzte Saison», sagte Rahmen. Seine Aarauer konnten den diagnostizierten Substanzverlust (noch) nicht widerlegen. Rahmens Worte dazu: «Hätten wir die Mannschaft der vergangenen Saison halten können, wäre ich einverstanden gewesen, den Aufstieg als Ziel vorauszugeben. Jetzt aber sind wir nicht so aufgestellt, dass man einen Aufstieg erwarten darf.» Vielleicht stellt Rahmen nächstens aber auch seinen «Major» Stefan Maierhofer wieder auf und nicht einen – völlig wirkungslosen – Marco Schneuwly.

Vernünftig war die Einstufung des FCW-Sportchefs Oliver Kaiser: «Ich kann trotz allem mit diesem 1:1 leben». Denn die Leistung darf mindestens so viel Gewicht haben wie das nackte Resultat, das doch oft auch täuscht. Schliesslich konnten beide Vereine hinter dem Unentschieden einen positiven Aspekt finden: Der FCW hatte erstmals seit fünf Jahren ein Startspiel nicht verloren. Aarau hat schon nach einem Match mehr Punkte als vor einem Jahr nach sechs Runden.

Erstellt: 21.07.2019, 16:55 Uhr

Challenge League

FC Winterthur – FC Aarau 1:1 (0:1)

Schützenwiese. – 3800 Zuschauer. – SR Klossner. – Tore: 29. Hammerich 0:1. 50. Callà 1:1. – FCW: Spiegel; Isik (93. Schmid), Bühler, Hajrovic, von Niederhäusern; Taipi, Doumbia; Callà (67. Saliji), Sliskovic (85. Liechti), Nuno Da Silva (68. Bdarney); Buess. – Aarau: Ammeter; Giger, Thaler, Schindelholz, Mehidic; Thiesson, Zverotic, Neumayr, Hammerich; Schneuwly (85. Rossini), Misic (78. Alounga). – Bemerkungen: FCW ohne Cavar, Lekaj, Hamdiu, Schättin, Wild, Radice und Roth (verletzt); Nachwuchsmann Costinha nicht im Aufgebot; Challenge-League-Debüt von Marc Schmid (20) und Mido Bdarney; Callà (muskuläre Probleme), Sliskovic und Isik angeschlagen ausgewechselt; FCW nach Callàs Ausscheiden vier Minuten in Unterzahl, danach Saliji auf der rechten, Sliskovic auf der linken Flanke und Bdarney offensiv im zentralen Mittelfeld. – Aarau ohne Jäckle, Spadanuda, Peralta und Corradi (verletzt); Challenge-League-Debüt von Nicholas Ammeter (18) und Yvan Alounga (17). – 32. Tor Callàs (zu Recht) wegen Abseits nicht anerkannt. 54. Schuss Callàs an den Aussenpfosten. 58. Tor von Buess wegen (kaum ersichtlichem) Abseits nicht anerkannt. 72. Schuss Sliskovics an den Innenpfosten. – Verwarnungen: 20. Mehidic (Foul). 35. Sliskovic (Unsportlichkeit?). 40. Giger (Foul). 75. Thiesson (Foul). 93. Neumayr (Foul).

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