Pfungen

Halber Preis im Brocki lockt viele Käufer an

Traditionell zum Sommerferienende hat das Brocki Pfungen seine Waren zum halben Preis angeboten. Die Kundinnen und Kunden sind zahlreich gekommen. Und sind glücklich wieder gegangen.

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«Eigentlich brauchen wir ja nichts», sagt Elsbeth Dünki aus Freienstein. «Doch dann haben wir diese Glasschale hier gefunden.» Dünki steht im Eskimo-Gewerbezentrum in Pfungen, genauer, in der Brockenstube. Um Punkt 10 Uhr, als die Türen öffneten, ist sie mit ihrem Mann Viktor auf den Parkplatz gegenüber gefahren.

«Die Menschen, die hierherkommen, sind richtigglücklich.» Eine Helferin

Nun begutachtet sie die Schale von allen Seiten, fährt mit ihren Fingern unter dem Rand entlang, um zu spüren, ob sie irgendwo einen Sprung hat oder ob ein Stück abgesplittert ist. «Nein, sie ist ganz», sagt sie, «sie ist sehr schön.» Und für 4.50 Franken geradezu ein Schnäppchen. Denn an diesem Sonntag ist alles zum halben Preis zu haben. Dünkis sind bei weitem nicht die ersten Kunden. Schon wenige Minuten nach 10 Uhr ist der Laden voll mit interessierten Käuferinnen und Käufern.

Die Aktion hat Tradition

Die Alles-zum-halben-Preis-Aktion am Sonntag zum Schulferienende habe Tradition, sagt Brockileiter Horst Scharfenberg. Es gehe aber nicht primär darum, die Gestelle zu leeren, um Platz für Neues zu schaffen. «Sie ist auch ein Geschenk an unsere Kunden.» Es ist nicht das einzige. Denn an der Kasse stehen auch noch Muffins bereit. «Für alle, die Lust auf etwas Süsses haben», sagt Horsts Frau Agatha. Und Lust auf Süsses haben insbesondere die Kinder, die mit ihren Eltern geduldig vor der Kasse stehen und warten.

Dort steht auch der 80-jährige Hans Schweizer, ebenfalls aus Freienstein. Er strahlt, denn er hat eine alte Sack- oder Dezimalwaage, wie er sie nennt, entdeckt. Diese soll in sein aus dem 18. Jahrhundert stammendes, restauriertes Haus in Frankreich kommen. Dort habe er eine Trotte, in der ein Winterthurer Freund wieder damit begonnen habe zu mosten. Mit der Sackwaage könne er dann Harasse wägen. Und zwar mit Gewichtssteinen, die sich von Hand verschieben lassen.

Zahlreiche Brocki-Besucherinnen und -Besucher wollten von der Aktion profitieren. Video: Nadja Ehrbar

Nicht vor der Kasse, sondern rechts neben dem Eingang sitzt der 26-jährige Dennis Strejo auf einem Stuhl. Er hält eine Gitarre in der Hand und zupft an den Saiten. Sie ist mit 49 Franken angeschrieben, kostet also noch knapp 25 Franken. «Ich bin Musiker», erklärt er. «Ich würde sie kaufen, wenn ich nicht schon genügend hätte.» Das Instrument sei in einem guten Zustand. Eine Saite fehle, die könne man aber problemlos ersetzen. Danach müsse man sie nur noch stimmen, mit einem Spezialmittel putzen, und schon sei sie wieder einsatzbereit. Eine neue sei viel teurer, sie koste bis zu 2000 Franken.

«Der Umsatz reicht, um existieren zu können.» Horst Scharfenberg, Brockileiter

In einem Brockenhaus herrsche eine ganz besondere Stimmung, sagt eine Helferin. «Die Menschen, die hierherkommen, haben Freude an den Gegenständen, die sie erstanden haben. Sie sind richtig glücklich.» Das finde man bei einem Grossverteiler nicht. «Dort spürt man nichts.» Im Brocki hätten die Dinge eine Geschichte zu erzählen, wenn sie sprechen könnten. So wie ihre neuen Besitzer, die sie erstanden haben. «Wir kommen nur schon gerne hierher, weil es einfach sinnvoll ist, die Dinge wiederzuverwerten», sagt Viktor Dünki. Seine Frau nickt. Sie haben auch schon Waren vorbeigebracht.

Geld für Menschen in Not

Horst und Agatha Scharfenberg verdienen sich mit dem Brocki ihren Lebensunterhalt. «Der Umsatz reicht, um existieren zu können, das war nicht immer so», sagt Horst Scharfenberg. Trotzdem würden sie an jedem Verkaufstag zehn Prozent der Einnahmen für Projekte gegen den Menschenhandel und für die «Kummernummer» spenden. Letztere bietet Menschen Hilfe an, die sexuell missbraucht wurden.

Erstellt: 18.08.2019, 21:42 Uhr

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