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«Hallo Baby Laura, wie geht es Dir?»

Neunmal erhält eine Klasse Besuch von einem Baby. Das gehört zu Roots of Empathy. In Neftenbach nehmen gerade zwei Klassen am kanadischen Schulprogramm teil. Es soll das Gefühl der Kinder für sich selbst und für andere fördern.

Wenn Baby Laura zu Besuch kommt, gibt es für die Viertklässler im Auenrain viel zu beobachten.
Wenn Baby Laura zu Besuch kommt, gibt es für die Viertklässler im Auenrain viel zu beobachten.
Madeleine Schoder

Laura ist erst fünf Monate alt. Doch trotz ihres zarten Alters geht sie heute schon zum fünften Mal zur Schule. Die Kinder der vierten Klasse von Christian Burgener im Schulhaus Auenrain freuen sich offensichtlich, als Yvonne Übersax mit ihrem Baby das Schulzimmer betritt. Und Klein-Laura blinzelt interessiert unter dem Käppli hervor. Ist es im Klassenraum gerade etwas leiser geworden?

Die Gäste werden von Tiziana Steiner herzlich begrüsst. Sie ist diejenige, welche die bevorstehende Lektion in Mensch & Umwelt leitet. Steiner ist selbst Mutter und lebt seit 24 Jahren in Neftenbach, wo sie Bibliothekarin ist und Aufgabenhilfe erteilt. Seit kurzem ist sie auch Trainierin für Roots of Empathy.

Ein Lied zur Begrüssung

Die Lektion beginnt. Die Schulkinder bilden einen Kreis und singen «Hallo Baby Laura, wie geht es Dir?» Laura schaut mit grossen Augen neugierig in die Runde. Yvonne Übersax trägt ihr Töchterlein im Kreis herum, von Kind zu Kind. So erhalten alle auf gleicher Augenhöhe Blickkontakt zu Laura. Das Baby gluckst, staunt, strampelt und schaut. Dann lächelt es kurz – zur Freude der Kinder. Doch was soll das Baby im Klassenzimmer? Am Ende wird es nur schreien und die Klasse steht hilflos drum herum, mag der eine und andere denken.

Das Schulprogramm aus Kanada mit dem Namen Roots of Empathy, frei übersetzt Wurzeln des Mitgefühls, steht nicht im Lehrplan. Es wird vom Volksschulamt aber ausgeschrieben. Bisher nehmen in der Schweiz 19 Schulen daran teil, alle im Kanton Zürich (siehe Box).

«Sie lacht und strampelt»

«Was meint ihr, wie geht es Laura heute?», fragt Steiner die Klasse. «Gut», sagt ein Bub. «Und woran erkennt man das?», doppelt Steiner freundlich nach. «Am Lachen und am Strampeln.» Die Trainerin nickt. «Ja, daran erkennen wir, dass es dem Baby gut geht.» Dann wartet sie einen Moment ab, bevor sie ankündigt: «Jetzt ist es Zeit, Laura zu messen und zu wägen.» Tiziana Steiner legt das Baby vorsichtig in die Mitte auf die grüne Decke und misst: «66 Zentimeter gegenüber 55 Zentimeter vor vier Wochen», verkündet sie. «Das sind ja nur 11 Zentimeter mehr», findet eine Schülerin enttäuscht. Steiner lacht. «Das ist viel.»

Neun Mal im Lauf eines Schuljahres können Schulkinder im Schulprogramm Roots of Empathy die Entwicklung des Babys beobachten. In den übrigen Wochen wird vor- und nachbereitet. Die Kinder lernen, Gefühle und Intentionen des Kleinkindes zu benennen und sollen dadurch in die Lage versetzt werden, ihre eigenen Gefühle wie auch die Gefühle anderer besser verstehen zu lernen.

Mobbingprävention

«Durch Empathie soll die Sozialkompetenz der Kinder gefördert werden», sagt Miriam Stieger, Psychologin und Leiterin des Programmes in der Schweiz. Das soll die Wahrscheinlichkeit verringern helfen, dass Schulkinder sich gegenseitig körperlich, psychisch und emotional durch Mobbing und andere Grausamkeiten verletzen.

Lehrer Christian Burgener, der durch eine Dozentin der Pädagogischen Hochschule auf das Schulprogramm aufmerksam wurde, hat nach dem halben Jahr einen positiven Eindruck. «Die Kinder lernen, wie gut es sich anfühlt, wenn man fürsorglich ist.»

Mittlerweile hat sich Klein-Lauras Stimmung gewandelt. Sie weint und wirkt unglücklich. «Zeit für den Schoppen», sagt ihr Mami. Und die Schulkinder lernen zu verstehen, dass es für den Stimmungswandel des Babys einen Grund gab. Denn sobald Laura den Schoppen im Mund hat, entspannen sich ihre Gesichtszüge.

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