Henggart

Henggart wehrt sich gegen Sunrise-Antenne

Wenn die Mobilfunkanbieter ihr 5G-Netz wie gehofft ausbauen wollen, müssen sie sich beeilen. Doch in immer mehr Standortgemeinden regt sich Widerstand gegen den Ausbau. In Henggart wehrt sich auch der Gemeinderat – nicht zum ersten Mal.

Auf dem Areal mit der Halle links im Bild will Sunrise eine Antenne bauen, rechts ist eines der nahen Wohnhäuser zu sehen.

Auf dem Areal mit der Halle links im Bild will Sunrise eine Antenne bauen, rechts ist eines der nahen Wohnhäuser zu sehen. Bild: Enzo Lopardo

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Bis Ende Jahr wollen die grossen drei Mobilfunkanbieter Swisscom, Sunrise und Salt den Grossteil der Schweiz mit der neuen 5G-Technologie abdecken. Damit sollen Daten schneller übermittelt werden als heute mit 4G.

Von den dafür benötigten Funkantennen gibt es in der Region aber noch nicht viele: In der Stadt Winterthur sind es aktuell sechs Stück, in den umliegenden Gemeinden neun (Neftenbach, Kleinandelfingen, Nürensdorf, Bassersdorf, Effretikon, Illnau, Russikon, Embrach, Lufingen).

Bisher nur eine Antenne

Mit Ausnahme der Mobilfunkantenne bei Oerlingen (Kleinandelfingen) gibt es in der Region nördlich von Winterthur bisher keine 5G-Antennen, die nächsten stehen im Kanton Schaffhausen. Da erstaunt es nicht, dass nun auch in diesem Gebiet die 5G-Gesuche der Mobilfunkanbieter zunehmen – und zunehmend auf Widerstand stossen.

Das jüngste Beispiel ist Henggart. Vor wenigen Tagen hat die Weinländer Gemeinde ein Bauvorhaben von Sunrise veröffentlicht. Das Unternehmen möchte an der Seewadelstrasse 22 eine neue Mobilfunkanlage für 5G bauen (siehe Karte). Der Standort liegt in einer Wohnzone mit Gewerbeerleichterung.

«Ablehnende Haltung»

Der Gemeinderat Henggart nehme gegen diese geplante Antenne eine «ablehnende Haltung» ein, sagt Gemeindepräsident Hans Bichsel. Bereits im Dezember 2014 habe der Rat die baurechtliche Bewilligung für einen 25 Meter hohen Antennenmast samt Sendetechnikanlagen am «praktisch gleichen Standort» verweigert. Damals, sagt Bichsel weiter, hätten 112 Personen den Baurechtsentscheid verlangt. Einen solchen Entscheid muss verlangen, wer Rekurs einlegen will. Der negative Entscheid des Henggarter Gemeinderates wurde damals akzeptiert respektive nicht ans Baurekursgericht des Kantons Zürich weitergezogen.

Gebühr reduziert

Laut Bichsel haben sich bereits «mehrere Bewohner von Henggart» telefonisch bei der Gemeindeverwaltung erkundigt in Sachen Baurechtsentscheid. Das Bauvorhaben von Sunrise sei auch an der letzten Sprechstunde des Gemeindepräsidenten ein Thema gewesen. «Bereits wurden fünf Baurechtsentscheide von Dritten eingefordert», teilte Bichsel am Dienstagnachmittag mit. Und: Da der Gemeinderat ein grosses Interessen aus der Bevölkerung und damit eine grosse Zahl an verlangten Baurechtsentscheiden erwartet, hat er entschieden, die normale Gebühr für einen solchen Entscheid von 100 auf 30 Franken zu reduzieren. «Der Gemeinderat wird sämtliche rechtlichen Möglichkeiten prüfen, um den Bau der neuen Mobilfunkantenne mit 5G-Technologie in unmittelbarer Nähe des Wohngebietes und Schulhausanlagen zu verhindern», sagt Bichsel.

Sunrise habe das neue Projekt ohne vorgängige Rücksprache mit der Behörde zur Prüfung und Bewilligung eingereicht. Auch habe das Unternehmen keine möglichen Standorte ausserhalb der Wohnzone vorgeschlagen. Einen solchen Standort gäbe es rund 900 Meter weiter südlich bei der Trocknungsanlage an der Autobahn A4, wo heute eine 4G-Antenne in Betrieb ist.

In Marthalen und Hettlingen

Auch in Marthalen gibt es Widerstand gegen eine geplante Sunrise-Antenne auf einem Mehrfamilienhaus – über 60 Unterschriften wurden im Dorf dagegen gesammelt. Später meldete auch Salt Interesse an einem neuen Antennenstandort in Marthalen an. Gemeindeschreiber Beat Metzger teilt aktuell mit, dass das Sunrise-Verfahren beim Kanton sistiert sei, «da trotz Aufforderung der Gemeinde die erforderlichen Akten noch nicht eingereicht worden sind». Der Marthaler Gemeinderat ist gegen den Bau der Anlage. Elf Begehren für den Baurechtsentscheid seien gestellt worden, die Gebühr in Marthalen beträgt 40 Franken.

Wie dem aktuellen Hettlinger Mitteilungsblatt zu entnehmen ist, will Salt auf dem Gelände der Firma NUP beim Bahnhof eine 5G-Mobilfunkantenne bauen. Zum 5G-Ausbau in Hettlingen habe sich eine Arbeitsgruppe gebildet, ist weiter zu lesen.

Erstellt: 11.09.2019, 18:50 Uhr

Bagatellverfahren oder Baubewilligungsverfahren

Anders als die neuen 5G-Mobilfunkantennen gibt es in der Region bereits viele 4G-Antennen. Diese alten Antennen können an den bestehenden Standorten auf die schnellere 5G-Technologie aufgerüstet werden. Wenn dabei die Sendeleistung nicht erhöht wird, ist dafür kein ordentliches Baubewilligungsverfahren nötig. In dem Fall kommt stattdessen das sogenannte Bagatellverfahren zur Anwendung: Die Mobilfunkanbieter melden die Anpassung im Sinne einer Selbstdeklaration. Laut der kantonalen Baudirektion werden bei ihr generell pro Jahr zwei- bis dreimal mehr Bagatellgesuche als ordentliche Baugesuche bearbeitet. Bei einer Bagatelländerung muss der Anbieter lediglich die Aufrüstung dem Kanton mitteilen, die Standortgemeinde ist nicht beteiligt. Wo überall die Anbieter 5G-Antennen planen, geben sie nicht bekannt. (mab)

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