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Historische Substanz kaum noch zu retten

Nach dem Brand im Januar will der Gemeinderat das historische Gebäude im Ortskern von Benken aus dem Inventar für schützenswerte Objekte entlassen. Das weckt Widerstand.

Im Januar ist in Benken ein geschütztes Gebäude ausgebrannt. Nun soll es zurückgebaut werden.
Im Januar ist in Benken ein geschütztes Gebäude ausgebrannt. Nun soll es zurückgebaut werden.
zvg

An einem Sonntag im Januar war im Chellhof in Benken ein Knall zu hören. Dann breiteten sich in einem der historisch wertvollen Gebäude rasch Flammen aus. Der als Schopf genutzte Teil eines Riegelbaus brannte lichterloh. Inzwischen ist klar, viel zu retten gibt es nicht mehr: Die Tragkonstruktion aus Holz ist stark angebrannt und bis ins Innere beschädigt. Auch die Riegelfassade, der Mörtel und sogar Steine weisen aufgrund der grossen Hitze des Feuers massive Schäden auf. Ein Grossteil der Bausubstanz ist zerstört und der Schutzzweck nicht mehr gegeben. Dies hätten Abklärungen vor Ort und ein Gutachten gezeigt, wie die Gemeinde auf Anfrage mitteilt. Der Gemeinderat habe deshalb beschlossen, das Gebäude aus dem kommunalen Schutzinventar zu entlassen, nur so sei ein Rückbau möglich. Auch auf die Anordnung von Schutzmassnahmen werde verzichtet.

Der Beschluss des Gemeinderats wurde am 24. März zwar im Amtsblatt des Kantons publiziert, nicht aber im Mitteilungsblatt der Gemeinde, das gleichentags erschien. Auf die Frage, weshalb dort nicht informiert wurde, teilt die Gemeinde schriftlich mit, dass die Baubehörde baurechtliche Entscheide über das Amtsblatt publiziere.

Auffällige Rundbogentore

Anwohner reagieren besorgt auf den Entscheid des Gemeinderats. Befürchtet wird, dass ein Neubau ohne zusätzliche strenge Auflagen das Ortsbild negativ beinträchtigen könnte. Denn das betroffene Gebäude liegt in einem der ältesten Teile Benkens und gehört zu einer räumlich etwas abgeschirmten Gruppe von mehreren alten Fachwerkhäusern. Besonders auffällig waren die beiden Rundbogen-Tenntore, von denen eines beim Brand stark beschädigt wurde.

Der Gemeinderat verweist in seiner Stellungnahme auf das übliche Vorgehen bei Neubauten in dieser Zone. Nebst der örtlichen Behörde werde ein Baugesuch auch von der Fachstelle Ortsbildschutz des Kantons beurteilt. Die Einhaltung der strengen kommunalen Vorschriften in der Bau- und Zonenordnung sowie die übergeordneten Vorschriften bezüglich des Ortsbildschutzes werde somit eingehend geprüft.

Einst ein Verwaltungssitz

Die Geschichte des Chellhofs reicht weit zurück. Der Weiler diente einst als Sitz der «grundherrlichen Verwaltung», wie es in einer Jubiläumsschrift aus dem Jahr 1958 heisst. Man hatte dort Grundzinsen gelagert, darunter Getreide, Eier, Schweine oder Hühner. Seit August 2016 hat die Gegend zusätzliche Bedeutung erlangt. Denn das Weinbaudorf Benken wurde als Ganzes im Inventar der schützenswerten Ortsbilder der Schweiz (ISOS) eingetragen. Im Eintrag erwähnt wird auch der «Kehlhof». Das vom Brand betroffene Gebäude ist sogar bildlich dokumentiert. Nicht restlos geklärt ist allerdings das Alter des Gebäudes. Im angrenzenden Wohnhaus in der Nähe der Tür lässt sich die Jahreszahl 1789 entziffern. Vermutlich wurde das Gebäude damals umgebaut. Die Gemeindeverwaltung geht nämlich davon aus, dass der Kernbau bereits im 16. oder 17. Jahrhundert entstanden ist.

Die Rekursfrist für die Entlassung aus dem Inventar läuft und dauert 30 Tage seit der Publikation. Der Zürcher Heimatschutz ist bereits darauf aufmerksam geworden und hat die Unterlagen dazu angefordert. Auch Daniel Eberli, der seit 1982 im Chellhof wohnt, will einen Rekurs prüfen, wie er sagt. Er wehre sich nicht gegen einen Abbruch und Wiederaufbau des beschädigten Gebäudes, doch dieser müsse zum Chellhof passen.

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