Fussball

Hitzfelds letzter Titel und Basler Glück

Zum sechsten Mal treffen sich FCW und FCB morgen im Cup. Noch immer siegten die Basler, mal in einem Final, zweimal in einem Halbfinal auf der Schützenwiese. Es ist – auch – eine Geschichte von Schiedsrichterentscheiden.

Cup-Halbfinal im April 2012: Marco Streller (Zweiter von links) bringt den FCB auf der Schützi in Führung.

Cup-Halbfinal im April 2012: Marco Streller (Zweiter von links) bringt den FCB auf der Schützi in Führung. Bild: Heinz Diener

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Als sich die beiden Vereine im November 1948 ein erstes Mal begegneten, war der FCW noch ein Erstligist und spielte der FCB seine beste Meisterschaft seit Gründung der Nationalliga 1933. Er sollte sie als Zweiter hinter Lugano beenden, und er siegte in Winterthur in den 1/32-Finals ein erstes Mal 2:1.

Der Final – Verlängerung

1975 dann fiel der Final in die (erste) Basler Hochzeit unter Helmut Benthaus, und 1975 war auch das letzte der «goldenen Jahre» des FCW. Es war ein kalter Ostermontag, dieser 31. März. Am Morgen schneite es gar und «wir waren der Favorit, obwohl der FCW ja in der Meisterschaft vor uns lag», erinnert sich Ottmar Hitzfeld, damals Basler Stürmer. Die Winterthurer waren als Zweiter in der Liga erster Verfolger des nachmaligen Meisters FCZ, der FCB lag im Mittelfeld.

Der gemäss Hitzfeld also favorisierte FCB tat sich allerdings sehr schwer, «wie immer, denn Winterthur war stets ein schwieriger, unangenehmer Gegner». Das galt vor allem für die Schützenwiese, die für den FCB selbst in jenen meisterlichen Zeiten beinahe uneinnehmbar war. Von 1966/67 bis 1975 siegten die Basler nur einmal auf der Schützi, fünfmal verloren sie, zwischendurch gabs mal ein Unentschieden.

Hitzfeld sagt zu jenem Final aber auch: «Wenn ich mich so an die Aufstellung des FCW erinnere, dann waren das alles bekannte Namen. Eine wirklich gute Mannschaft.» Der FCB um Karli Odermatt, den Strategen, und Hitzfeld, den Skorer, mag an diesem Tag spielerisch etwas besser gewesen sein. Aber der FCW hielt kämpferisch dagegen – und mit einem Torhüter Hans Küng, über den Hitzfeld nach dem Match sagen sollte: «Er hat die beste Leistung geboten, die ich je von einem Schweizer Torhüter sah.» Später wurde Küng ja auch Schweizer Meister – mit dem FCB.

Hitzfeld lieferte sich mit dem unerbittlichen Rolf Bollmann harte Kämpfe. Das 1:0 nach 48 Minuten schoss Otto Demarmels, nach 66 Minuten glich «Ernschtli» Meyer für den FCW aus. Bis zur 90. Minute erarbeiteten sich die Basler 15 Eckbälle, am Ende sollten es gar 20 sein. Sie zwangen Küng zu insgesamt 14 Paraden, der Basler Marcel Kunz musste nur vier zeigen. Und der FCB schien in letzter (regulärer) Sekunde doch noch den Siegestreffer erzielt zu haben. Aber der Schiedsrichter sah, als Walter Balmer den Ball aus kürzester Distanz über die Linie drückte, ein Abseits Hitzfelds. «Für mich ein klarer Fehlentscheid, mindestens zwei Winterthurer standen hinter mir», ärgerte sich Hitzfeld. Nach heutiger Regelauslegung wäre es auf jeden Fall kein Abseits gewesen.

In der Verlängerung hatte dann Fritz Künzli den Winterthurer Matchball – er schoss ihn aus zehn Metern übers Tor. Also war dann das 2:1 die Entscheidung, das Balmer in der 115. Minute schoss. Eine Woche später verloren die Basler in der Meisterschaft auf der Schützi 0:2. Jener Tag war im Prinzip das Ende der «goldenen Jahre». Bis zum Saisonende rutschte der FCW – auch hinter den FCB – auf Platz 8 ab. Exponenten wie Küng und Risi, Pius Fischbach und Trainer Willy Sommer verliessen den Verein. Zwei Jahre später verschwand der FCW aus der Nationalliga A. Für Hitzfeld aber war jener Cupsieg der letzte Titel als Spieler. Im Sommer wechselte er für drei Jahre zum VfB Stuttgart. Mit Luzern und Lugano liessen sich nach der Rückkehr in die Schweiz keine Titel gewinnen.

Halbfinal I – Sommers Glück

Als im April 2012 das nächste Cupspiel FCW – FCB anstand, war der FCB unbestritten die Nummer 1 im Land, der FCW ein klassisches Challenge-League-Team, in jenem Frühjahr allerdings das stärkste. Die Winterthurer spielten in der Tat gut bis sehr gut – und verloren dennoch auch den dritten Cupmatch gegen den FCB 1:2.

Vielleicht wäre alles anders herausgekommen, wenn nicht passiert wäre, was heute noch vielen in Erinnerung ist: Der FCB führte nach einem Tor Marco Strellers zwar 1:0, war aber nicht besser. Und dann, zwei Minuten vor der Pause, lief Kris Kuzmanovic alleine auf den Basler Nationalgoalie Yann Sommer zu. Der foulte Kuzmanovic offensichtlich. Es schien nur noch die Frage offen, ob es neben einem Elfmeter Gelb oder Rot für den Torhüter gebe. Allein, der Berner Schiedsrichter Alain Bieri pfiff nichts, überhaupt nichts.

Erst in der 89. Minute konterten sich Xherdan Shaqiri und Alex Frei zum 0:2. Der Elfmeter für den FCW, den in letzter Sekunde sinnigerweise Kuzmanovic verwandelte, war wertlos. 8500 im ausverkauften Stadion sprachen (fast) nur von jener Szene mit Sommer – und von Bieri.

Embolo düpiert Akanji

Bereits im September 2014 kam der FCB wieder nach Winterthur, diesmal in den Sechzehntelfinals. Der Trainer hiess nicht mehr Heiko Vogel, sondern Paulo Sousa. Der brachte es fertig, Basels Winterthurer Luca Zuffi 90 Minuten auf der Bank zu lassen. Der FCW des Jürgen Seeberger war optimistisch, denn er spielte bis dahin eine gute Saison. Aber der FCB war konzentriert und liess den Aussenseiter abblitzen, nachdem der Ägypter Mohamed Elneny nach einer halben Stunde zum 1:0 getroffen hatte.

Die Fortsetzung gehörte vor allem dem Jüngsten auf dem Platz: Der 17-jährige Breel Embolo hatte seinen ersten grösseren Auftritt. Er traf noch dreimal, der FCB siegte 4:0 – erstmals also nicht 2:1. Der Gegenspieler, den Embolo immer wieder düpierte, war der Jüngste des FCW, der 19-jährige Manuel Akanji. Heutzutage stürmt der eine bei Schalke 04, verteidigt der andere für Borussia Dortmund.

Halbfinal II – Schulers Pech

Allerdings war Akanji FCB-Verteidiger, als sich Winterthurer und Basler im April 2017 zum bis heute letzten Mal trafen. Wie fünf Jahre vorher wars ein Halbfinal, nach dem grossen Coup des FCW in Bern. Und wieder gabs eine Geschichte um den Schiedsrichter. Der FCW war Aussenseiter wie nie zuvor, es traf der Letzte der Challenge League und den in der Super League 17 Punkte voraus liegenden Serienmeister. Aber die Winterthurer spielten gut, ja sehr gut. Zur Pause stands 0:0, kurz danach hatte Luca Radice eine gute Chance – und scheiterte an Tomas Vaclik.

Und dann kam sie, die 52. Minute und jeder erinnerte sich an 2012: Patrik Schuler, der FCW-Captain, schlug im Strafraum dem Gegner Marc Janko den Ball vom Fuss, danach kams zu einem Kontakt – und der Schiedsrichter pfiff Elfmeter, diesmal Sascha Amhof. «Natürlich ist das noch sehr präsent, immer wieder werde ich darauf angesprochen», sagt Schuler heute. Und ihn stört vor allem eines: Wie viel Theatralik der «minim» getroffene Janko in seine Reaktion legte. Matias Delgado schoss das 1:0, Akanji kurz vor Schluss das 2:0. 3:1 stands am Ende. Und für Schuler war «der Traum geplatzt, einmal einen Cupfinal zu spielen – es war meine letzte Chance.» Denn Ende Saison, das wusste er ja schon, trat er zurück.

«Der Schiedsrichter hat gepfiffen», gab nach dem Spiel Urs Fischer zu Protokoll, der Basler Trainer. Und am Tag danach meldete sich das Ressort Spitzenschiedsrichter auf der Verbands-Homepage mit der Wertung der Entscheid sei «zu 100 Prozent korrekt gewesen», Schulers Eingreifen sei «fahrlässig und rücksichtslos» gewesen. Vorher und seither hat es so eine – deplatzierte – Verlautbarung nie gegeben. Anzumerken wäre noch: Schuler wurde für seine Rücksichtslosigkeit und Fahrlässigkeit nicht mal verwarnt …

Amhof ist mittlerweile Ausbildungschef, morgen erscheint Sandro Schärer als Chef. Und die Ausgangslage ist, wie fast immer, die: Der FCB ist klarer Favorit.

Erstellt: 29.10.2018, 21:24 Uhr

Vielleicht noch 100 Tickets

Ganz ausverkauft wie zuletzt im April 2017 wird die Schützenwiese nicht sein. Damals sahen 9400 den Halbfinal FCW – FCB. Die «FCW-Sektoren» werden morgen zwar proppenvoll sein. «Vielleicht noch 100 Tickets» in der «Bierkurve» seien im Vorverkauf, sagte FCW-Geschäftsführer Andreas Mösli gestern Abend. Dagegen ist nicht damit zu rechnen, dass alle 1800 Karten für den Gästesektor an den Mann gebracht werden können. Auf jeden Fall wird für die FCB-Fans am Mittwoch ab 18.30 Uhr noch eine Abendkasse geöffnet. Zu rechnen ist mit 8500 bis 9000 Zuschauern. red

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