Wila

«Ich habe eine dicke Haut»

Simon Mösch ist einer der jüngsten Gemeinderäte in der Region. Anfang Dezember musste der Finanzvorstand einiges einstecken: Die Stimmbürger lehnten das Budget ab. Mösch verteidigt den Gemeinderat und übt Kritik am SVP-Vorstand.

Die Gemeinde Wila steht für 2018 derzeit ohne Budget da. Der Gemeinderat prüft bis zum nächsten Anlauf alle möglichen Sparmassnahmen.

Die Gemeinde Wila steht für 2018 derzeit ohne Budget da. Der Gemeinderat prüft bis zum nächsten Anlauf alle möglichen Sparmassnahmen. Bild: Nathalie Guinand

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Wie war das für Sie, als 167 Leute an die Versammlung kamen?

Simon Mösch: Ich habe mir bald gedacht, dass es für uns schwierig werden wird. Die Gegenseite hatte offensichtlich mobilisiert. Trotzdem habe ich versucht, alle zu überzeugen.

Für Sie war es die zweite Budget-Versammlung. Waren Sie nervös vor so viel Publikum?

Nein, nicht speziell. Ich bin vor Präsentationen zwar immer etwas angespannt. An der Versammlung wusste ich aber, dass ich die Argumente auf meiner Seite hatte. Zudem konnte ich mich gut vorbereiten.

Ihnen war klar, dass es heftig werden wird?

Ja, ich wusste, dass Anschuldigungen kommen werden, die ich schlucken muss. Wir haben zudem schon eine Woche vor der Versammlung mit dem SVP-Vorstand diskutiert und kannten daher einige Argumente.

Trotzdem ist es nicht gelungen, die Stimmberechtigten zu überzeugen. Warum?

Ich persönlich bin sehr irritiert über das Vorgehen des Vorstands der SVP Wila. Die Partei hat zwar angekündigt, gegen die geplante Steuererhöhung vorgehen zu wollen. Sie lehnte eine Debatte an der eigenen Parteiversammlung mit dem Gemeinderat aber zuerst ab. Erst als sich SVP-Gemeinderäte für ein Gespräch einsetzten, konnte ich unsere Argumente vorbringen. Es ging dabei aber nie um eine Zurückweisung des Budgets, sondern nur um die Steuererhöhung.

Sie waren an der Versammlung also doch überrascht?

Ich war irritiert über den Rückweisungsantrag der SVP. Zumal er inhaltlich und sachlich ungenügend begründet war. Der SVP-Vorstand bemängelte die budgetierte wirtschaftliche Hilfe, obwohl er genau wissen müsste, dass diese gesetzlich vorgeschrieben ist. Von einem Vorstand mit ehemaligen Behördenmitglieder erwarte ich mehr Sachpolitik. Auch der zweite Sparvorschlag reichte nicht für ein ausgeglichenes Budget: Selbst wenn wir alle Investitionen streichen würden, macht das auf die Rechnung nur 180 000 Franken aus. Wir budgetieren bei einer nur dreiprozentigen Steuererhöhung aber ein Minus von über 950 000 Franken. Die Kritikpunkte der SVP rechtfertigen zudem noch keine Rückweisung des Budgets. Man hätte auch mit Änderungsanträgen eingreifen können.

Trotzdem ist die Mehrheit der SVP schliesslich gefolgt.

Die meisten wollten einfach keine Steuererhöhung.

Wie gehen Sie weiter vor? Präsentieren Sie im Frühling ein Budget ohne Steuererhöhung?

Wir haben nun Zeit und können auch die jüngsten Prognosen berücksichtigen. Im Grundsatz stehen wir nach wie vor hinter unserer Steuerstrategie. Wila hat erhebliche Mehrkosten zu tragen, bei der sozialen Wohlfahrt und der Gesundheit etwa. Dies auch, weil in Wila überdurchschnittlich viele ältere Menschen leben.

Wo gibt es noch Sparpotenzial?

Überall dort, wo wir gesetzlich Freiräume haben. Sparmassnahmen diskutieren wir schon seit längerem und wir werden auch Massnahmen formulieren.

In Weisslingen wird ein Skilager gestrichen? Wo trifft es Wila?

Solche Massnahmen ändern langfristig nur wenig und schaden dem gesellschaftlichen Zusammenleben. Wir haben ein strukturelles Defizit und müssen daher die Strukturen anpassen. Klar, man könnte jetzt zum Beispiel eine Viehschau oder den Verein Theater des Kantons Zürich nicht mehr unterstützen. Aber wir haben auch eine Verantwortung und wollen, dass Wila gesellschaftlich attraktiv bleibt.

Ist die Zurückweisung nicht ein Auftrag, gerade auch solche Beiträge einzusparen?

Nein, Beiträge an gesellschaftlich wichtige Anlässe waren nicht der Grund für die Zurückweisung des Budgets. Aber wir werden im Gemeinderat alle möglichen Sparmassnahmen diskutieren.

Wie war das für Sie persönlich, als das Budget abgelehnt wurde? Sie und der Gemeinderat haben viel Arbeit investiert.

Ich habe da eine dicke Haut. Wir hatten die Masse der Argumente. Und sie hatten das Argument der Masse. So ist das in einer Demokratie: Die Mehrheit gewinnt. Wir haben unsere Hausaufgaben jedoch gemacht. Manche Argumente an der Versammlung waren schlicht falsch und nicht sachlich.

Welche?

Jemand behauptete, dass wir eine Schwarze Null hätten, wenn man alle Investitionen streicht, was einfach nicht stimmt. Oder jemand forderte, wir sollten Gesetze umsetzen, die noch gar nicht gelten. Es gibt auch Leute, die an einer Versammlung einfach Dampf ablassen wollen. Das muss man akzeptieren. Ich konzentriere mich auf die Argumente und finde es gut, wenn sich möglichst viele beteiligen. Nach der Versammlung habe ich übrigens auch viel Zuspruch erhalten.

Was bedeutet die Zurückweisung des Budgets für Wila?

Wir können in nächster Zeit nur zwingend nötige Ausgaben tätigen. Für die Verwaltung und den Gemeinderat entsteht dadurch ein grösserer Mehraufwand, den letztlich die Gemeinde zahlt. Voraussichtlich im März wollen wir ein neues Budget präsentieren.

Haben Sie nach dieser Zurückweisung weiterhin Lust, Gemeinderat zu sein?

Ja, ich bin weiter gerne Gemeinderat in Wila und will mich für gesunde Gemeindefinanzen einsetzen. Bei den Erneuerungswahlen im Frühling können die Stimmberechtigten entscheiden, ob sie mich wieder wählen oder jemanden unterstützen wollen, der sich pauschal gegen Steuererhöhungen wehrt. Ich habe mich nicht aufgestellt, um populär zu sein, sondern um für die Gemeinde saubere Arbeit zu leisten und diese weiter zu bringen.

Sie sind also nach wie vor für höhere Steuern?

Wir können die finanziellen Entwicklungen nicht einfach ignorieren. Wenn wir nichts machen, sinkt das Eigenkapital und die Verschuldung steigt. Und wir sind bereits verschuldet! Der Gemeinderat wird für den Antrag an der nächsten Gemeindeversammlung aber alle möglichen Optionen prüfen. (Der Landbote)

Erstellt: 18.12.2017, 16:56 Uhr

Simon Mösch, Finanzvorstand in Wila.

Zur Person

Der 23-jährige Simon Mösch (BDP) wurde 2016 in den Gemeinderat in Wila gewählt und ist Finanzvorsteher. Er lebte zuvor eineinhalb Jahre in Peru und studierte dort Geschichte. An der Universität Zürich studiert er derzeit Volkswirtschaftslehre. Anfang Jahr eröffnete er in Wila das Restaurant Dreispitz. roh

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