Vereidigung

«Ich schwöre es»

Therese Schläpfer ist seit Montag Nationalrätin. Eine grössere Delegation aus dem Eulachtal hat die SVP-Politikerin aus Hagenbuch an ihrem ersten Tag begleitet – und mit ihr einige Tränen verdrückt.

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Die Vereidigung einer Nationalrätin in Bern dauert nicht lange, eine Minute vielleicht. Doch dem speziellen Moment kann sich niemand entziehen: Therese Schläpfer, die sich sonst selten aus der Ruhe bringen lässt, wirkt schon zwei Stunden vorher ziemlich angespannt. Sie steht in einer grösseren Gruppe vor dem Bundeshaus und sagt aufgeregt: «Ich bin fast so nervös wie vor der Hochzeit.»

Umringt wird die SVP-Gemeindepräsidentin aus Hagenbuch von Freunden, Wegbegleitern und Verwandten, es müssen weit über zwanzig Personen sein. Fast alle haben sich herausgeputzt, tragen Schale oder ein elegantes Kleid. Dann geht es hinein in die Hallen, vorbei an Polizisten und Politikern. Magdalena Martullo-Blocher verlässt gerade das Gebäude, jemand in der Runde spricht ihren Namen laut aus, als wäre sie eine alte Bekannte.

Tipps eines Kollegen

Im Café des Alpes gibt es Gemüsestäbchen und Gebäck. Plötzlich taucht der Zürcher SVP-Nationalrat Mauro Tuena auf. Vor wenigen Jahren war er in der gleichen Situation wie seine Parteikollegin und kann deshalb mit letzten Tipps aufwarten: «Nicht nervös sein», sagt er zu Therese Schläpfer. Doch auch er habe damals Herzklopfen gehabt. Bei der Vereidigung werde einem die Bedeutung des Amts noch einmal so richtig bewusst, sagt Tuena. «Hier werden die Gesetzte des Landes gemacht, das ist eine grosse Verantwortung.»

Gefragt ist Therese Schläpfer auch bei den Medien. Sie gibt der «NZZ» ein Interview, dem «Blick» und einer Radiostation. Ihr rascher Aufstieg ist bemerkenswert und hat auch mit ihren oft pointierten Aussagen zu tun. Sie sei gegen eine zehn-Millionen-Schweiz, sagt Schläpfer. Sie will Sozialausgaben kürzen und die Autonomie der Gemeinden stärken. Als Gemeindepräsidentin hat sie die Wahl in den Kantonsrat geschafft und ist für den zurücktretenden Jürg Stahl in den Nationalrat nachgerückt. Damit sie sich auf die Arbeit in Bern konzentrieren kann, verzichtete sie auf ihren Sitz im Kantonsrat. Gemeindepräsidentin will sie hingegen bleiben.

Mehrere Kollegen aus dem Gemeinderat begleiten sie an ihrem ersten Tag in Bern. «So eine Einladung muss man annehmen», sagt Horst Steinmann, Schulpräsident und SP-Mitglied. Auch der Elsauer Gemeindepräsident Jürg Frutiger beglückwünscht seine Kollegin vor Ort. Im Eulachtal sei man miteinander verbunden.

Auf der Zuschauertribüne

Bevor es in den Ratsaal geht, erhält sie von ihrem Mann Bruno Schläpfer einen kurzen Kuss. Später winkt er ihr von der Zuschauertribüne aus zu. Schläpfer setzt sich auf ihren Platz neben Luzi Stamm, der sich aber bald intensiv mit seinen Unterlagen zu beschäftigen scheint. Herzlicher wirkt die Begrüssung mit ihren Parteikolleginnen.

Schon richten sich alle Augen auf Schläpfer. Die Glocke erklingt, die Session wird mit der Vereidigung von ihr und Martin Haab (SVP) eröffnet. «Ich schwöre vor Gott dem Allmächtigen, die Verfassung und die Gesetze zu beachten und die Pflichten meines Amtes gewissenhaft zu erfüllen», ertönt eine Stimme. Therese Schläpfer hebt die Hand und sagt: «Ich schwöre es.»

Als sie zurück im Café Gratulationen aus ihrer Begleitgruppe entgegennimmt, zieht sie die Brille ab, wischt sich Tränen aus den Augen. Manche ihrer Freunde tun es ihr gleich. «Es war sehr, sehr beeindruckend», sagt sie.

Erstellt: 03.06.2019, 19:05 Uhr

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