Kaminfeger

«Ich war schon ewig in keinem Kamin mehr»

Sven Klauser ist seit 1987 Kaminfeger in Winterthur. Jetzt übergibt sein Meister Christian Walther den Betrieb in neue Hände. Klauser blickt zurück.

Sven Klauser blickt auf seine langjährige Tätigkeit als Kaminfeger zurück.

Sven Klauser blickt auf seine langjährige Tätigkeit als Kaminfeger zurück. Bild: Madeleine Schoder

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Wie hat sich das Leben und das Arbeiten als Kaminfeger verändert, seit Sie 1987 bei der Firma Walther angefangen haben?
Sven Klauser: Früher war natürlich alles besser. (lacht) Als Kaminfeger hatten wir mehr direkten Kundenkontakt. Damals gab es in vielen Wohnungen noch Ölöfen zum Reinigen. Wenn wir heute in einem grossen Wohnhaus arbeiten, bekommt kaum jemand mit, dass wir im Keller tätig sind. Auch als Angestellter war das Leben aus meiner Sicht besser. Die meisten Angestellten müssen pendeln. Früher war der Verkehr flüssiger als heute. Man hatte weniger Stress. Heute gehts vor allem ums Geld. Damit wird auch die Arbeit hektischer.

Wie sah Ihre Arbeit vor dreissig Jahren aus? Was war früher ­anders?
Als ich anfing, war der Betriebsinhaber und Meister noch jung. Wir waren viele Mitarbeiter. Es war eine gute Zeit. Es war viel Schwung da und es ging zügig ­voran mit der Arbeit. Alles passte irgendwie. Ab Mitte der 1990er- Jahre wurde es ruhiger. Die ganze Entwicklung hat zum Teil mit dem jeweiligen Alter des Inhabers zu tun.

Was macht heute ein ­Kaminfeger genau?
Meine Bekannten haben immer noch ein romantisches Bild von meinem Beruf. Sie stellen sich einen Kaminfeger mit Zylinder und Leiter vor. Das entspricht ­natürlich überhaupt nicht der Wirklichkeit. Ich weiss gar nicht mehr, wann ich das letzte Mal in einem Kamin war. Kamine fegen, wie man das ganz früher machte, das gibt es schon lange nicht mehr. Wir Kaminfeger arbeiten schon seit vielen Jahrzehnten vor allem in den Kellern der Gebäude. Dort kümmern wir uns um die Heizungsanlagen. Wir überprüfen die Feuerungsanlage. Eine wichtige Arbeit ist die Kesselreinigung. Der Heizkessel wird sowohl mechanisch wie chemisch gesäubert. Diese Arbeit ist dank technischer Neuerungen körperlich leichter als früher. Es gibt heutzutage auch weniger zu entrussen. Feste Feuerstoffe wie Kohle oder Holzscheite sind fast verschwunden. Wir Kaminfeger sind immer weniger Handwerker und immer mehr Techniker geworden. Ich bedaure das ein bisschen.

Wie sieht es mit dem Auftragsbestand der Kaminfeger aus, wenn es immer mehr Heizungen gibt, bei denen nichts verbrannt wird?
Was die Kaminfeger in Winterthur vor allem merken, ist die Fernwärme. Sie wurde ab den 1990er-Jahren stark ausgebaut. In vielen Häusern gibt es keine eigene Heizung mehr. Das ist mit ein Grund, weshalb es in unserer alten Firma mit den Jahren ruhiger wurde. Zwischendurch erlebten Gasheizungen einen Aufschwung. Sie benötigen weniger Wartung als Ölheizungen. Dieser Trend ist wieder vorbei. Dafür werden alternative Heizsysteme sicher noch weiter ausgebaut, zum Beispiel die Erdwärme. Die Arbeit für die Kaminfeger wird also eher abnehmen.

Gibt es nach Ihrer Erfahrung ­genug Nachwuchs bei den ­Kaminfegern?
Genaue Zahlen dazu habe ich nicht. Wenn ich mich aber an Tagungen und Kursen umschaue, habe ich den Eindruck, dass es genügend junge Kaminfeger gibt. War es schwierig für den Kaminfegerbetrieb Walther, eine Nachfolgelösung zu finden? Es war ziemlich viel Geduld nötig. Die Verkaufsverhandlungen mit dem neuen Besitzer Marc Flachsmann dauerten lange. Es ist für alle eine Erleichterung, dass nun endlich alles abgeschlossen ist. Christian Walther kann sich jetzt auf seinen Ruhestand freuen.

Wie wirkt sich die Nachfolge­regelung auf Sie aus?
Ich wechsle von einem alten zu einem 33-jährigen Meister. Der neue Betrieb ist moderner und grösser. Für mich stimmt diese Lösung.

Die letzte unvermeidliche Frage: Bringt ein Kaminfeger wirklich Glück?
Wenn ich ganz ehrlich bin: Nein, das glaube ich nicht. Ich bin ­einfach kein abergläubischer Mensch. Aber natürlich finde ich es cool, wenn andere Menschen uns Kaminfeger als Glücksbringer sehen. Der Aberglaube hat durchaus einen realen Hintergrund. In den alten Städten früher gab es immer wieder verheerende Brände. Wenn der Kaminfeger Feuerstellen und Schornsteine reinigte, senkte das die Brandgefahr. Das war ein Glück.

Erstellt: 27.01.2018, 09:53 Uhr

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