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IG Bauma provoziert mit Umfrage

Mit einer Umfrage stellt die IG Pro Bauma die Sanierung des Baumer Gemeindehauses infrage und fordert vom Gemeinderat, andere Standorte zu prüfen. Dieser reagiert abweisend.

Der Gemeinderat bleibt dabei: Das Gemeindehaus in Bauma soll saniert werden.
Der Gemeinderat bleibt dabei: Das Gemeindehaus in Bauma soll saniert werden.
Melanie Duchene

Eigentlich gilt die Sanierung des Baumer Gemeindehauses als beschlossen. Vor kurzem gab die Gemeinde die Gründung einer Baukommission bekannt. Doch jetzt stellt die IG Pro Bauma das Projekt erneut infrage. Es ist das jüngste Kapitel in einem über drei Jahre dauernden Streit (siehe Box). In einer Umfrage auf ihrer Website forderte die IG die Bevölkerung letzte Woche auf, zwischen drei Standorten für das Gemeindehaus zu wählen. «Es war uns ein Anliegen, dass sich die Bevölkerung noch einmal zu dem Thema äussern kann, bevor es zu spät ist», sagt IG-Präsident Werner Berger. Viele Leute seien nicht zufrieden mit der Art und Weise, wie das Sanierungsprojekt zustande kam.

Das Ergebnis ist eindeutig

Kürzlich publizierte die IG das ­Ergebnis im «Anzeigenblatt Bauma». 329 Personen nahmen an der Umfrage teil. «Es freut uns sehr, dass so viele Leute mitmachten», sagt Berger. So sei das Ergebnis repräsentativ, findet er. Neben dem bisherigen Gemeindehaus standen in der Umfrage die alte Landi und der Werkhof als mögliche Standorte zur Auswahl. «An diesen beiden Standorten wäre ein kombiniertes Mehrzweckgebäude für das Gemeindehaus und das Feuerwehrdepot denkbar», sagt Berger. Das Depot müsse ebenfalls bald saniert werden.

Das Ergebnis zeigt einen klaren Sieger. 146 Personen, also 44 Prozent, sprachen sich für den Standort bei der alten Landi aus. Der Werkhof und das bisherige Gemeindehaus erhielten je 89 Stimmen, was einem Anteil von 27 Prozent entspricht. Für Berger lässt dieses Ergebnis keinen Interpretationsspielraum zu. «Daraus geht eindeutig hervor, dass die Bevölkerung nicht hinter der Gemeindehaussanierung in der heute geplanten Form steht», sagt er. «In Bauma stehen grosse Investitionen an. Wir können uns keine Ausrutscher erlauben», sagt er. Er fordere den Gemeinderat auf, zumindest die Variante alte Landi noch einmal durchzurechnen.

Kaum repräsentativ

Gemeindepräsident Andreas Sudler (parteilos) zeigt sich wenig beeindruckt vom Vorgehen der IG und weist deren Forderungen zurück. «Dafür ist es viel zu spät.» Die Planung sei so gut wie abgeschlossen, und das Projekt stehe kurz vor der Ausführung. Die Gemeinde habe bisher mehr als 300 000 Franken in die Planung investiert. «Würden wir jetzt alles über den Haufen ­werfen, könnten wir von vorne anfangen.»

Das Ergebnis der IG-Umfrage habe keinen Einfluss auf das weitere Vorgehen des Gemeinderats. Grundsätzlich sei er zwar dafür, dass man die Bevölkerung einbeziehe, sagt Sudler. «Eine Umfrage muss aber von der ­Gemeinde aus kommen. Die IG Pro Bauma ist definitiv nicht die richtige Organisation, um eine solche Befragung durchzuführen.» Im Gegensatz zu Berger hält er die Umfrage kaum für repräsentativ. Schliesslich hätten nur 329 Personen teilgenommen – in einer Gemeinde mit fast 5000 Einwohnern.

Die IG machte mit einem Inserat im «Anzeigenblatt Bauma» auf ihre Aktion aufmerksam. Berger sagt, man habe bewusst auf eine weiterreichende Publikation verzichtet, um zu verhindern, dass auch Leute ausserhalb von Bauma an der Umfrage teilnehmen. Für Sudler ist klar: Am heutigen Sanierungsprojekt für das Gemeindehaus gibt es nichts mehr zu rütteln. Er könne aber verstehen, dass manche Leute unzufrieden seien. «Es war ein Fehler, dass der Gemeinderat 2013 über die Sanierung abstimmen liess, denn eigentlich hatte man schon damals gar keine Wahl.» Wie der Bezirksrat nun bestätigt habe, müsse ein Grossteil der Projektkosten als gebundene Ausgaben behandelt werden. Zum Zeitpunkt der Abstimmung habe der Gemeinderat das noch nicht gewusst. «Die Stimmbürger hätten also eigentlich nur Ja oder Ja ­sagen können.»

Der Gemeinderat sei vom jetzigen Standort überzeugt. «Meine Vorgänger haben die alter­nativen Standorte in Betracht gezogen, die in der Umfrage vorgeschlagen wurden. Doch am Ende kam man immer zum selben Ergebnis», sagt Sudler. Für das jetzige Gemeindehaus spreche die zentrale Lage und der ­repräsentative Charakter des Gebäudes. Zudem entspreche es von der Grösse her den Bedürfnissen der Verwaltung. «Es wäre auch schwierig, das Gemeindehaus zu verkaufen, denn es gibt kaum eine andere sinnvolle Nutzung für die Immobilie. Und bei einer Umnutzung würde die Denkmalpflege stark mit­reden wollen.» Es mache daher mehr Sinn, dieses schöne Gebäude im Dorfzentrum für die Verwaltung zu nutzen, als es leer stehen und verkommen zu lassen.

Gegen den Standort bei der ­alten Landi spreche die dortige Bauzone. «Das Areal ist heute eine Wohnzone WG3», sagt Sudler. Wollte man dort ein neues Mehrzweckgebäude für Gemeindeverwaltung, Feuerwehr und Werkhof bauen, müsste das ­Gebiet erst umgezont werden. «Damit würden wir wertvolles, für Wohnzwecke geeignetes Land abwerten.» Zudem halte er es angesichts der damit verbundenen Lärmemissionen für keine gute Idee, den Werkhof und das Feuerwehrdepot mitten ins Dorf zu verlegen, sagt Sudler. «Gegen den Standort Werkhof spricht die dezentrale Lage.»

IG will Druck erhöhen

Mit der abweisenden Reaktion des Gemeinderats habe er gerechnet, sagt Berger. «Wenn der Gemeinderat unsere Umfrage ignoriert und weitermacht wie bisher, werden wir mehr Druck aufsetzen.» Was das bedeutet, will er nicht verraten. Langfristig hat Berger bereits die Gesamterneuerungswahlen des Gemeinderats 2018 im Blick. «Die Ersatzwahl vor ein paar Wochen lässt erahnen, wie die Stimmung in der Bevölkerung ist.» Es sei wohl kein Zufall, dass sich die Baumer für den parteilosen Jürg Bosshard entschieden hätten statt für René Schweizer von der SVP. «Die Vertreter der Parteien im Gemeinderat sind mitverantwortlich für die Situation.»

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