Hettlingen

Ihre Burgtrotte hält sie auf Trab

Seit bald drei Jahren betreibt Silvia Zindel die Burgtrotte in Hettlingen. Um den Weg zu ihr zu finden, sollten sich Autofahrer nicht auf ihr Navi verlassen.

In der Burgtrotte in Hettlingen bewirtet Geschäftsführerin Silvia Zindel im Sommer auch draussen ihre Gäste.

In der Burgtrotte in Hettlingen bewirtet Geschäftsführerin Silvia Zindel im Sommer auch draussen ihre Gäste. Bild: Madeleine Schoder

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Wo früher Wein und Most gelagert wurden, finden heute Yoga- und Pilateskurse statt. «Hier steckt viel Geschichte drin», sagt Silvia Zindel, die Geschäftsführerin der Burgtrotte in Hettlingen, und deutet auf die Texte und Bilder, die im ersten Stock hängen und mehr über die frühen Jahre des einstigen Weinkellers verraten. Im Erdgeschoss hat die Inhaberin einen kleinen Gastrobetrieb eingerichtet. Seit 2015 gehört ihr das alte Gemäuer, das heute ein Eventlokal ist und dessen Geschichte sie inzwischen auswendig kennt.

Ursprünglich war dieser nur wochentags über Mittag und für Anlässe an Wochenenden geöffnet, neu darf sie auch am Donnerstag- und Freitagabend Gäste bewirten. «Viele Auswärtige finden den Weg zu uns in die Burgtrotte zuerst nicht», sagt die Geschäftsführerin. Während die historische Wasserburg jedem und jeder aus Hettlingen bekannt ist, verfahren sich Anreisende mit Autos oftmals. «Das Navi lotst einen auf den falschen Weg», sagt sie. Man müsse nämlich über den Burgtrottenweg fahren, nicht, wie fälschlicherweise angegeben, über den Bachweg. «Nur so kommt man zu den Parkplätzen.»

Damit der Verkehr zur Trotte sich im erträglichen Rahmen hält, darf Silvia Zindel kein Hinweisschild im Dorf platzieren. «Manche stören sich am Verkehr und am Lärm, den es durch den Betrieb gibt», sagt die Inhaberin. Viele seien der Burgtrotte aber wohlgesinnt: «Auch die Gemeinde sieht das Projekt des vielseitig nutzbaren Raums positiv.» Mit der Eröffnung 2016 sollte ein neuer Treffpunkt im Dorf entstehen.

Liebe auf den ersten Blick

Nach drei Jahren sieht die Geschäftsführerin das Vorhaben als gelungen an: «Es war die absolut richtige Entscheidung und macht mir nach wie vor Freude.» Als sie mit ihrer Familie nach Hettlingen zog, verliebte sie sich in den leerstehenden Teil der einstigen Wasserburg Hettlingens. Durch eine Erbschaft ihrer verstorbenen Eltern konnte sie die Liegenschaft schliesslich kaufen. «Wir hoffen, dass wir mit dem Betrieb bald schwarze Zahlen schreiben können», sagt sie. Bis dahin solle es aber nicht mehr lange dauern. 

Grösser soll die Trotte künftig aber nicht werden: «Ich habe schon jetzt viel zu tun.» Neben ihrem Eventlokal kümmert sich Silvia Zindel auch noch um ihre zwei Töchter und den Haushalt. Wobei ihr Mann sie auch unterstütze. Da beide Kinder eine Tagesschule besuchen, kommen sie über Mittag nicht nach Hause, und die Geschäftsfrau kann in der Trotte arbeiten. «Es ist schon verhängnisvoll, den Arbeitsplatz so nahe am Wohnort zu haben.» Ihr Pensum schätzt sie auf etwa 80 Prozent. «Mit all den zusätzlichen Einsätzen nebenbei sind es sicher mehr als 100 Prozent.» Nicht einmal fünf Minuten entfernt wohnt die vierköpfige Familie. «Oft gehe ich noch kurz etwas im Büro erledigen, wenn ich eigentlich freihätte.»

Deshalb müsse sie sich «Inseln schaffen», wie es die 52-Jährige beschreibt. In der freien Zeit, die sie sich nimmt, ist sie in einem Reitstall bei Aesch anzutreffen, wo ihr Pferd steht. «Das Schöne am Reiten ist, dass ich dann einfach weg bin.» Ihr Handy komme in die Tasche, und so sei sie für eine kurze Zeit nicht für die Aussenwelt erreichbar. 

«Alles ist möglich»

Erfahrung in der Geschäftsführung hat die Besitzerin der Burgtrotte durch eher traurige Umstände gesammelt: «Als meine Eltern krank wurden, habe ich ihren Betrieb übernommen.» So hat die ausgebildete kaufmännische Angestellte das Immobiliengeschäft der Familie ab 2005 geführt. «Es war schon ein Sprung ins kalte Wasser.» Von ihren vorwiegend männlichen Mitarbeitern sei sie aber immer unterstützt worden. «Alles ist möglich, wenn man will.» Das wolle sie auch ihren beiden Töchtern vorleben.

«Ich war nie gut in der Schule und habe es trotzdem zu etwas gebracht», sagt Silvia Zindel und blickt sich in der gemütlich modernisierten Burgtrotte um. 40 Gäste finden an den Holztischen und Stühlen Platz. Schon einige Hochzeiten, Geburtstage und Konfirmationen wurden hier gefeiert. Auch Seminare von Unternehmen aus der Umgebung mieten das historische Gemäuer ab und zu. «Vielleicht werde ich auch selbst einmal Kurse anbieten», sagt die ausgebildete Jazztanz- und Gymnastiklehrerin. Was in der Burgtrotte noch alles entstehen wird, wisse sie nicht: «Man muss einfach offen bleiben.»

Erstellt: 18.08.2019, 16:53 Uhr

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