Aadorf

In Aadorf verurteilter Pfarrer steht in Basel zur Wahl

Ein katholischer Pfarrer, der 2012 wegen sexueller Handlungen mit Kindern in Aadorf schuldig gesprochen wurde, steht in einer Basler Gemeinde zur Wahl. Der Bischof plädiert für eine zweite Chance, doch nicht alle Gemeindemitglieder sehen das gleich.

Rund elf Jahre lang war der 2012 verurteilte Pfarrer in der katholischen Kirche Aadorf tätig.

Rund elf Jahre lang war der 2012 verurteilte Pfarrer in der katholischen Kirche Aadorf tätig. Bild: Marc Dahinden

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Im März 2010 holte die Thurgauer Polizei einen damals 40-jährigen katholischen Pfarrer in Aadorf ab und setzte ihn in Untersuchungshaft. Man verdächtigte ihn der «Handlungen gegen die sexuelle Integrität» von Kindern – er soll mehreren Religionsschülern in privatem Rahmen die Füsse massiert haben. Der damalige Basler Bischof Kurt Koch dispensierte den Geistlichen umgehend von allen Verpflichtungen und kurz darauf kündigte der Pfarrer seine Stelle in Aadorf von sich aus.

Schuldig in einem Fall

Zwei Jahre später erliess die Staatsanwaltschaft Frauenfeld einen Strafbefehl wegen sexueller Handlungen mit Kindern und sprach eine bedingte Geldstrafe von 4000 Franken. Es sei in der Zeit von 1999 bis 2010 zwischen dem Beschuldigten und mehreren Jugendlichen zu körperlichen Kontakten gekommen, in einem Fall soll er die Grenze zur Strafbarkeit überschritten haben, hiess es in der Mitteilung der Staatsanwaltschaft. Der Pfarrer akzeptierte den Strafbefehl und damit seine Schuldigsprechung.

Wie das «St. Galler Tagblatt» berichtet, steht derselbe Pfarrer nun in der Gemeinde Riehen im Kanton Basel Stadt zur Wahl. Nachdem seine dreijährige Bewährungsfrist abgelaufen war, begann der Geistliche dort, aushilfsweise als Pfarrer zu arbeiten. Weil er seine Aufgaben gut erledigte, schlug ihn die Riehener Pfarrwahlkommission im August 2017 zur Wahl vor. Der Basler Bischof Felix Gmür stimmte dem Vorschlag nach einer Bedenkzeit von elf Monaten ebenfalls zu. Nach der dortigen Kirchenordnung hätte der Pfarrer nun eigentlich still gewählt werden können.

Urnenwahl gefordert

Doch in Basel können die Stimmberechtigten einer Kirchgemeinde eine Urnenwahl fordern, wenn sich 100 Personen dafür aussprechen. Innert sechs Wochen waren 132 gültige Unterschriften gesammelt.

Die Wahl findet am 10. Februar statt, am 10. Januar sollen die Gemeindemitglieder dem Pfarrer an einer Informationsveranstaltung Fragen stellen können. Laut dem Sprecher der Basler Kirche Meinrad Stöcklin sei er «sehr, sehr beliebt in Riehen». Der Basler Bischof Felix Gmür sagte in einem Interview mit der «Sonntags Zeitung» vom 9. Dezember 2018: «Zum konkreten Fall liegen mir vier Gutachten vor. Die Wahrscheinlichkeit, dass der Mann erneut einen Übergriff begeht, befinde sich auf einer Skala von 1 bis 9 bei 1, heisst es da. Aber natürlich: Ich kann die Zukunft nicht voraussehen.»

Vorgänger für zweite Chance

Wie das «St. Galler Tagblatt» weiter schreibt, hatte Daniel Bachmann, Vorgänger des Pfarrers in Aadorf und auch heute wieder Pfarrer dort, dem Verurteilten damals geraten, Rekurs gegen den Strafbefehl einzulegen. Das tat dieser jedoch nicht. Die beiden blieben auch nach dem Prozess in Kontakt. Bachmann distanziert sich entschieden vom sexuellen Missbrauch Minderjähriger, der «weltweit während Jahrzehnte auch von Kirchenleuten» begangen worden sei. Er befürwortet aber eine zweite Chance für den ehemals in Aadorf tätigen Geistlichen. Die Fussmassagen seien dumm und unprofessionell gewesen, aber in keiner Weise mit qualifizierten Übergriffen und sexuellen Handlungen zu vergleichen. ()

Erstellt: 07.01.2019, 17:13 Uhr

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