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Integrationsprojekt wird der Stadt zu teuer ­– nun sollen es Freiwillige richten

Einzelne Schulhäuser ­öffnen am Wochenende die Turnhallen, damit Kinder eine Beschäftigung haben. Der ­Organisator verlangt dafür mehr, als die Stadt zahlen will.

Sport statt Fernsehen im Winter: Der «Open Sunday» im Tössemer Schulhaus Gutenberg ist beliebt (Archivild).
Sport statt Fernsehen im Winter: Der «Open Sunday» im Tössemer Schulhaus Gutenberg ist beliebt (Archivild).
Heinz Diener

Das Projekt selbst finden alle super: Vier Schulhäuser mit ­hohem Ausländeranteil bieten im Winterhalbjahr eine «offene Turnhalle» an. Das Motto: Sport und Interaktion für Kinder und Jugendliche statt Fern­sehen und ­Gamen zu Hause. Das für die Teilnehmer kostenlose Angebot gibt es in Töss (Schulhäuser Rosen­au und Gutenberg, seit 2004/2006) sowie im Sennhof (seit 2009) und im Gutschick (seit 2013). Wäre da nur nicht die leidige Kosten­frage …

Nebst der Betreuung der Kinder geht auch die Organisation der An­lässe ins Geld. Die Schweizer Stiftung Idée Sport, die das Angebot aufbaute, hat ihre Preise im letzten Jahr um fast einen Drittel erhöht; der Stunden­ansatz stieg von 90 auf 118 Franken. Projektkoordinatorin Martina Gäumann sagt, wegen rückläufiger Zuwendungen der öffentlichen Hand sowie steigender Anforderungen sei man zum Schritt gezwungen gewesen.

Suche nach Alternativen in zwei von drei Fällen erfolgreich

Bei der Stadt wollte man den Kostenaufschlag nicht hinnehmen. Die Suche nach neuen, kostengünstigeren Trägerschaften war bislang in zwei Fällen erfolgreich. Im Schulhaus Gutenberg wird der «Open Sunday» ab dem kommenden Saisonstart vom Verein Midnight Sports Töss organisiert, der sich bereits im Rosenau um den ­Wochenendsport kümmert. Auch im Gut­schick übernimmt eine neue Trägerschaft. Im Sennhof arbeitet Idée Sport vorerst mangels Alternativen weiter.

Gespart wird vor allem dank ehrenamt­licher Arbeit, vorab bei der Organisation. Während die Stiftung Idée Sport eine bezahlte Projekt­koordinatorin einsetzt, bauen die alternativen Trägerschaften auf Freiwillige. Dank des Anbieterwechsels sollen die Kosten ungefähr im bisherigen Rahmen bleiben; die Ersparnisse werden mit rund 19'000 Franken angegeben. Die neuen Trägerschaften haben noch einen wei­teren Vorteil, wie die städtische Kinder- und Jugendbeauftragte, Mireille Stauffer, betont. Sie seien vor Ort gut vernetzt, was die Zusammenarbeit zum Beispiel mit den Jugendtreffs erleichtere. Dafür seien sie freilich etwas ­weniger professionell.

Die Mitarbeiter «an der Front» sollen wie bis anhin entlöhnt werden. Im Gutenberg sind nebst dem verantwortlichen Leiter (unter anderem Turnlehrer und Sportstudenten) jeweils ein ­«Senior Coach» und vier aus Schülern rekrutierte «Junior Coaches» im Einsatz. Leiter und Senior Coach erhalten Pauschalen von 80 bis 130 Franken pro Anlass, die jugendlichen Coachs ein Sackgeld von 20 bis 30 Franken. Die neue Trägerschaft will mit den bisherigen Verantwort­lichen weiterarbeiten, heisst es.

Gesamtkosten: 90 000 Franken pro Saison

Insgesamt schlagen die Kosten für die vier Angebote heute mit 89'000 Franken jährlich zu Buche. Gut investiertes Geld, wie Stauffer meint. Anders als bei ­unregelmässigen Anlässen, sagt die Kinderbeauftragte, seien die Turnhallen an jedem Wochen­ende geöffnet. Die Kinder können also kurzfristig entscheiden, ob sie hingehen möchten oder nicht; es braucht keine Anmeldung. Am «Open Sunday» in Töss nehmen im Durchschnitt un­gefähr 25 Kinder teil.

Auch die «Junior Coaches», die die Kinder in verschiedenen Kleingruppen anleiten, zählen laut Stauffer zu den Profiteuren: «Sie übernehmen Verantwortung und lernen führen.» An Interessenten mangle es keineswegs, denn für die jugendlichen Trainer sei es prestigeträchtig, am Anlass mitzuwirken.

Apéro mit der neuen Trägerschaft am 9. April um 16.30 Uhr in der Turnhalle Gutenberg, Gutenbergstrasse 11.

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